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Die blonden Kids auf Tour

Einar Stray
Me And My Drummer

Hamburg, Zentrale
04.01.2012
Einar Stray
Es ist selbtverständlich nichts Ungewöhnliches, dass ein Platten-Label zwei seiner Bands gemeinsam auf Tour schickt. Doch in diesem Fall findet das sogar Charlotte Brandi überraschend, ihres Zeichens Sängerin von Me And My Drummer. Me And My Drummer ist einer von zwei sinnbus-Acts an diesem Mittwochabend in der Zentrale, der Bar des Hamburger Thalia Theaters. Völlig weggeblasen seien sie selbst und Matthias Pröllochs, ihr Schlagzeuger, gewesen, als sie ihren Label-Kollegen Einar Stray vor wenigen Tagen bei den ersten gemeinsamen Proben zum ersten Mal hörten, so Brandi in einer ihrer Ansagen. Und dass beide Bands auf mehreren Ebenen nur mäßig zusammenpassen, zeigt sich schon nach dem ersten Stück von Me And My Drummer.
Das Duo bestehend aus Charlotte Brandi am Mikrofon und am E-Piano und Matthias Pröllochs hinter dem Schlagzeug macht höchst dramatische und an vielen Stellen sehr eigenwillige Popmusik. Es schleicht sich der Verdacht ein, dass die beiden zuletzt öfter mal Florence + The Machine gehört haben. Und das ist zunächst einmal ja nichts Schlechtes. Doch leider bleibt es dabei nicht. So wissen Me And My Drummer scheinbar nicht, dass ein Song auch mal enden muss: Jedes Lied geht gefühlt mindestens fünf Minuten und sobald der vermeintliche Schlussakkord erklungen ist, fängt Brandi noch einmal von vorne and und hängt einen völlig anders klingenden Part hinten an das Stück dran.

Nimmt man dann noch Brandis überaus theatralische Form der Darbietung hinzu, kann das schnell nerven. Dazu muss man vielleicht wissen, dass das Duo sich als Theatermusiker kennengelernt hat, daher weht also der Wind. Nun könnte man sagen: Was soll's? Ist ja nur die Vorband. Aber Charlotte Brandi setzt noch einen drauf und betont in einer ihrer Ansagen tatsächlich, dass sie - ganz wichtig - nicht die Vorband seien, sondern dass man mit Einar Stray vollkommen gleichberechtigt auf Tour sei. Aha. Das gibt natürlich erst mal Sympathiepunkte. Um das klarzustellen: Me And My Drummer bieten musikalisch durchaus interessante Momente und - und das muss man ihr lassen - singen kann Charlotte Brandi. Es ist auch gut nachvollziehbar, warum die beiden bei sinnbus gelandet sind: Dort hat man schließlich schon immer ein Händchen für mehr oder weniger sperrige Bands aus deutschen Landen gehabt. Aber am Ende sind es einfach der fehlende Fokus in den Arrangements der Stücke und der leicht ärgerliche Vortrag - ganz besonders im Kontrast zu Einar Stray, die einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlässt.

Nach kurzer Umbaupause betritt dann endlich Einar Stray mit seiner Band die Bühne, die in der Zentrale eigentlich gar keine richtige Bühne ist, sondern viel mehr nur ein freigeräumter Platz auf der einen Saalseite, wo sich normalerweise weitere Sitzplätze befinden. Ohne große Umschweife beginnt die Band ihr Set mit "Chiaroscuro" als Opener, welches gleichzeitig der Titeltrack zu Einar Strays demnächst erscheinendem Debütalbum ist. Einar Stray selbst sitzt dabei vorne zentral am E-Piano, umgeben von Violinistin, Cellistin, Bassist und Schlagzeuger.

Auch auf das Hamburger Publikum wirkt die Musik Einar Strays so wie auf Charlotte Brandi und Matthias Pröllochs: Schon nach wenigen Sekunden halten scheinbar alle Gäste den Atem an und sind für's Erste platt. Einar Strays Musik haut einen einfach erst mal um. Und wegen dieser Mischung aus zuckersüßem Piano-Pop, Bombast und Post-Rock wird der Norweger nicht selten als Genie bezeichnet. Dabei spielt jedoch auch seine Band eine große Rolle: Alles ist klanglich perfekt aufeinander abgestimmt, die Live-Umsetzung der komplexen Kompositionen makellos. Das Bemerkenswerte dabei: Mit 21 Jahren (!) ist Einar Stray selbst noch der Älteste in seiner Band. Das Schöne daran, hier muss keiner betonen, ob er nun Vor- oder Hauptband ist - höflich, bescheiden und sichtlich dankbar für das tolle Publikum zeigt sich der Ausnahmekünstler, auch wenn die Zentrale leider nicht ganz ausverkauft ist.

Einar Strays Musik lebt jedoch nicht nur von lieblichen Piano- und Geigenklängen. Ihre besondere Dynamik und Wucht erhält sie nicht zuletzt durch das druckvolle Bass- und Schlagzeugspiel der Rhythmussektion der Band, die die PA der Zentrale ein ums andere Mal zum Knacken bringt. Die Perfektion der Performance zeigt sich insbesondere am Ende des Konzerts: Für ein Stück legen die Musiker ihre Instrumente beiseite und singen einen vierstimmigen Chorsatz. Das muss man zu fünft auch erst einmal hinkriegen. Ein beeindruckender und schöner Start ins Hamburger Konzertjahr 2012 - insbesondere vor dem tollen Ambieten der Thalia Zentrale.
Surfempfehlung:
www.einarstray.no
www.myspace.com/einarstraymusic
www.lastfm.de/music/Einar+Stray
www.facebook.com/einarstraymusic
www.meandmydrummer.blogspot.com
www.myspace.com/meandmydrummer
www.lastfm.de/music/me+and+my+drummer
de-de.facebook.com/meandmydrummer
www.sinnbus.de/blog/?p=1181
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-

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