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Never Give Up

The Postal Service
Stealing Sheep

Paris, Le Trianon
21.05.2013

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The Postal Service
Le Trianon, Paris. Dienstagabend nach Pfingsten. Mit knapp 800 Metern Entfernung vom Moulin Rouge im Norden Paris könnte man sich kein besseres Venue für heute Abend vorstellen. In Kieznähe haben hier vielleicht 1.000 Zuschauer Platz, verteilt auf einen schmalen Innenraum und zwei Balkons, von überall sieht man gut, der Sound ist klar gemischt, perfekt. Das war früher mal ein Theater, gebaut im 19 Jahrhundert zur Unterhaltung der Bevölkerung in Montmartre - ziemlich geschichtsträchtige Nummer.
Den Auftakt machen Stealing Sheep aus Liverpool, Lieblinge von Jarvis Cocker, die jener vor einigen Jahren mal in seiner Radioshow "Sunday Service" gefeatured hat. Die drei Damen spielen irgendwas zwischen Synthiepop und Indiefolk, nennen das selbst "noisily drenched voodoo-pop" und tun damit wirklich niemandem weh. Meist im melodischen Gesang zu dritt, unterstützt von Synthesizer, Drums und Gitarre, gelegentlich Schellenring, wird es zwischendurch ein wenig lauter und die PA warm gespielt. Nach knapp 40 Minuten verabschieden sich die drei Britinnen, nochmals knapp 30 Minuten Umbaupause, dann los.

Licht aus. Die drei Synthietöne aus dem Intro an. Beinahe zehn Jahre haben hier alle darauf gewartet. "Give Up", das Debütalbum erschien 2003 bei Subpop, dazu drei Singles mit Remixen, B-Seiten und Live-Versionen. 2005 lösen sie sich auf, danach kommen Gerüchte über ein zweites Album auf, die jedoch dementiert werden. Plötzlich fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Genau, ist ja schon zehn Jahre her. Die Coachella-Bestätigung ergibt Sinn (flieg ich da jetzt wirklich hin?), zwei neue Songs tauchen auf (beides Hits, die sich nahtlos in die Reihe der älteren Stücke einreihen). Dann endlich Europa-Dates! Die Band betritt die Bühne, verteilt sich und Ben Gibbard hört die restliche Zeit des Abends nicht mehr auf zu tanzen. Bestreitet er sonst die Position des Frontmanns bei Death Cab For Cutie, wird hier nicht ruhig gesessen und Gitarre gespielt. Das Publikum steigt sofort ein, singt beinahe jeden Song komplett mit, der Boden gibt nach und bebt (nicht allein durch die Bassbox), weil alle springen und tanzen. Zwischendurch sitzt Ben am Schlagzeug, das hinten aufgebaut ist, wenn er nicht mit Gitarre oder Mikrophon auf der Bühne herumläuft. Jimmy Tamborello, das andere Gründungsmitglied, sonst unter dem Alias Dntel unterwegs, versteckt sich im hinteren Teil hinter seinen Monitoren, von denen die Samples und Live-Produktionen stammen, singt manchmal mit, einmal durch einen Vocoder, was dem ganzen mehr Daft Punk-eske Züge verleiht, als deren neues Album. Links davon steht Jenny Lewis, ihres Zeichens Sängerin von Rilo Kiley und Jenny And Johnny, die live genauso bezaubernd klingt wie in ihrem Gesangspassagen auf "Give Up". Tanzt ebenfalls durchgehend, spielt mal an den E-Drums, mal an den echten, tanzt, flirtet. Zack, verliebt. Ein bisschen unter geht leider Laura Burhenn (aus dem Saddle Creek-Umfeld, The Mynabirds), die für die Tour als Unterstützung an den Synthies mitkommt - sie hat eine wunderschöne Stimme, die zwischenzeitlich durchblitzt, steht leider nur ein bisschen versteckt in der hinteren Ecke der Bühne.

Ganz schön gute Sache, dass Ben damals bei dem Dntel-Song "(This Is) The Dream Of Evan And Chan" mitgemacht und den Gesang beigesteuert hat. Abgesehen vom ganzen Album, spielt die Band den Song auch, dazu die beiden neuen Singles, ein weiteres Cover ("Our Secret" von Beat Happening). Was will man mehr? Jenny und Ben bilden eine Einheit auf der Bühne, lächeln sich an, tanzen miteinander, wie ein verliebtes Paar - oder eins, das es mal war.

Das Konzert vergeht wie im Flug, man ist bedeckt mit dem Schweiß des Nachbarns (in diesem Fall war der Anteil des weiblichen Zuschauer deutlich höher), stellt immer wieder fest, dass auf dem Album jeder verdammte Song ein Hit ist. So ziemlich alle tanzbar, das das Publikum sehr gut ausnutzt. Nach knapp 65 Minuten endet das reguläre Set mit dem eigentlichen Schlusssong des Albums "Natural Anthem", steigert sich langsam und stetig, bis der Gesang einsetzt und der Song plötztlich aufhört. Nach wenigen Minuten erscheint die Band wieder auf der Bühne, genauso freudestrahlend wie alle im Publikum. Als Zugabe gibt es noch zwei Songs, anfangs erwähnten Dntel-Song und "Brand New Colony".

Zum Abschluss sucht Ben noch Kontakt zum Publikum, läuft im Bühnengraben umher, steigt auf die Absperrgitter und singt mit dem Publikum. Klettert nochmal auf die Bühne und im Kollektiv werden die letzten Verse von "Brand New Colony" gesungen, ohne Mikro, mit Publikum (bei dem die vorderen Reihen kurz ihren Einsatz verpassen, was die Band zum Schmunzeln bringt). Dann Schluss, alle stehen, auch die Zuschauer auf den Balkonen, Applaus. Gänsehaut, alle strahlen. Das Publikum zerredet nicht wie üblich alles, sondern ist fixiert auf das, was hier passiert. Dass das etwas Magisches war, haben hier alle begriffen. "Thank you for waiting all these years, Paris. We appreciate it." Hey Ben. Kein Problem. 16 Songs, 75 Minuten. Danke euch, wirklich.

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Text: -Denis Kleinert-
Foto: -Denis Kleinert-

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