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Konzert-Bericht
 
Mit Huhn und Blockflöte

Flowerpornoes

Dortmund, Subrosa
10.10.2014

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Flowerpornoes
"Wir haben Spaß", sagt Flowerpornoes-Frontmann Tom Liwa nach etwa der Hälfte des über zweistündigen Auftritts seiner Band im Subrosa. Zu diesem Zeitpunkt hat er das eigentlich gar nicht mehr erwähnen müssen, denn da ist selbst dem letzten Zuschauer längst klar, dass die Band aus Duisburg es an diesem Abend nicht auf musikalische Perfektion angelegt hat, sondern in die Dortmunder Hafenschänke gekommen ist, um nach längerer Auftrittspause fast ein Dutzend neue Songs erstmals auf ihre Publikumstauglichkeit zu testen. Dabei macht der informelle Charakter des Auftritts den besonderen Reiz aus. So werden kleine Patzer von Bassist Markus Steinebach, Drummer Guiseppe Mautone und Keyboarderin Birgit Quentmeier immer wieder mit einem breiten Grinsen quittiert.
Dass auch der gut gelaunte Liwa nicht wirklich gewillt ist, den Auftritt hundertprozentig ernst zu nehmen, zeigt sich gleich zu Beginn: Mit Trachtenjacke und Hühnermütze (!) kommt er auf die Bühne und sorgt mit einer Blockflötenimprovisation für einen fliegenden Start, an den sich das endlos ausgewalzte "Rock'n'Roll" mit vielen witzigen Textänderungen anschließt, bis Liwa die Nummer nach über 15 Minuten mitten im Takt abbricht. Die einleuchtende Erklärung? "Mir ist gerade eingefallen: Wir müssen um halb elf fertig sein. Wir können nicht jedes Stück so lang spielen!" Im Anschluss stehen vor allem unveröffentlichte Songs im Fokus, Rückgriffe auf ältere wie "Stunde des Zweifels", "Saving Grace", "Pazifika" oder "Stadion" bleiben die Ausnahme. Allerdings schließen die neuen Songs nahtlos an die besten Werke des Quartetts an, streifen musikalisch Bob Dylan und Van Morrison, haken sich kurzzeitig sogar bei Psychedelic Rock und Blues unter und begeistern immer wieder mit einem wunderbar abgehangenen Neil Young-Groove. Derweil besitzen "Ophelia" und "Jahres des Verrats" (von Liwa angekündigt als "Abschiedslied an Bob Dylan) trotz ihrer Textlastigkeit eine Leichtfüßigkeit, die man hierzulande sonst nur noch vom Tilman Rossmy Quartett zu besten Zeiten kennt. Textlich spannt sich der Bogen von persönlich ("Neues Zuhause") bis abgedreht-albern. "Süße Katze" ("Süße Katze, spring auf meinen Schoß") ist dabei typisch Liwa, während "Wir sind die Beatles" fast schon im Terrain von Bernd Begemann wildert, wenn es heißt: "Wir sind die Beatles, und damit jeder uns mag, tun wir alles, was Brian Epstein uns sagt" oder "Wir sind die Beatles, und ihr seid die Stones, wir haben schwimmen gelernt im Pool mit Brian Jones." Doch trotz all der Assoziationen: Vor allem klingen die Stücke nach den Flowerpornoes. Den neuen wie den alten Songs ist gemein, dass sie an diesem Abend willkommen naturbelassen klingen und ein gutes Stück rauer, als man es von den Platten gewohnt ist. Das gilt auch für die schrägen Bandimprovisationen zwischen Ambient und Oberstufen-Jazz, die das Quartett an einigen Stellen einstreut: "Krach" steht auf der Setlist. Herrlich auch, wie Liwa die Devotionalien, darunter eine selbst gebrannte CD mit gelesenen Texten der neuen Songs, anpreist: "Ich wollte den ganzen Kommerzscheiß ja eigentlich nicht mehr machen, aber wir holen morgen einen Hund - und der braucht ja auch was zu fressen."
Trotz der vielen neuen Songs ist das Publikum geradezu bemerkenswert aufmerksam. Allerdings ist da ganz vorne auch der Typ, der glaubt an alles, was Tom macht. Jeder Scheiß, den Tom schreibt, geht ihm unter die Haut, und über jeden schlechten Witz muss er lachen. Ob der fragliche Herr in der ersten Reihe sich wohl der Ironie bewusst ist, dass ausgerechnet er es ist, der den ganzen Abend wiederholt (und nicht immer an den passenden Stellen) nach "Eng in meinem Leben" verlangt? Immerhin erbarmt sich die Band bei der Zugabe und spielt eine wirklich feine Version des vielleicht wichtigsten Songs auf dem besten Flowerpornoes-Album "Ich & ich", dessen aufbrausendes Ende sich als Highlight des gesamten Abends empfiehlt. Danach hätte es das funky "Haiku Lover" eigentlich gar nicht mehr gebraucht, aber so hatte Tom beim ausufernden Outro die Chance, das Konzert zu beenden, wie es begonnen hatte: Mit Blockflöten-Freejazz. Was für ein Spaß!

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Surfempfehlung:
www.tomliwa.de
de.wikipedia.org/wiki/Flowerpornoes
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
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