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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Ein Bilderbogen scharfgezeichneter Charaktere

Tim Fischer

Hamburg, Musikhalle
29.03.2002
Tim Fischer
Wenn es eines guten Beispieles bedarf, daß sich jahrelanges Bespielen kleiner Bühnen irgendwann in zählbarem Erfolg auszahlt, dann ist der Sänger und Chansonnier Tim Fischer derzeit eines der naheliegendsten dafür. Was in anderen Bereichen oft fehlt, die Geduld der Plattenfirmen mit Newcomern, der lange Atem und die Initiative der Künstler selbst, hat dem erst 28jährigen Interpreten eine unglaubliche, bereits 13 (!) jährige Karriere beschert. Groß geworden auf der Bühne des Schmidt-Theater, steht er nun zum ersten Mal in seiner ehemaligen Wahlheimat Hamburg vor einem erheblich zahlreicheren Publikum in der fast ausverkauften Musikhalle.
Es entspricht Fischers Wandlungsfähigkeit und Selbstverständnis, mit gleich zwei verschiedenen Programmen auf ein und derselben Tournee unterwegs zu sein. Das eine besteht aus Liedern Georg Kreislers, das andere, heutige, aus Interpretationen und Adaptionen von Künstlern, die nicht sehr viel miteinander zu tun haben. "Ich liebe Walzer. Dabei wird einem so schön schwindelig", sagt Tim Fischer. Und schwindelanregend (dafür nur hin und wieder dezent von Walzerklängen umweht) ist die zweistündige Reise in der Tat. Gehüllt in einem Hauch von Durchsichtigkeit spielt er, androgyn wie eh und je, dabei aber immer weitab jeder Peinlichkeit, mit beiderlei Geschlechtern.

Umarrangiert von seinem langjährigen Begleiter Thomas Doerschel am Klavier sind viele der Stücke nicht auf Anhieb wiederzuerkennen. Liebesschmerz und Alltagskram, Rio Reiser und Freddy Mercury stehen nebeneinander und fügen sich zu einem Bilderbogen zwischen unendlicher Traurigkeit und wahnsinniger Euphorie. Serviert mit sehr viel Stil und Gefühl für die richtige Geste im "falschen" Moment, welche manche Textzeile feinsinnig konterkariert. Und was gräbt er nicht alles aus. Ludwig Hirschs "Komm, großer schwarzer Vogel" ist unter die Haut gehender, intensiver Höhepunkt des Abends und, mit seiner Geschichte eines unheilbar Kranken auf der Suche nach Erlösung, spürbar schwer verdaubarer Stoff für so manchen der Anwesenden.

Tim Fischer
Daneben stehen Abhandlungen über den Weg des Furzes zum Gesetz oder das Bad in der eigenen Verdrießlichkeit. Immer wieder entstehen neue Figuren. Doch wo andere Künstler sich der Verkleidung bedienen, wählt Fischer "nur" die Mittel des eigenen Ausdrucksvermögens, um diese aus der dem Diffusen entstehen zu lassen. So bleibt das Ratespiel nach dem Originalinterpreten glücklicherweise meist zugunsten des sich Hineinfindens in die Charaktere außen vor. Während der zahlreichen Zugaben darf es dann auch mal etwas zwangloser zur Sache gehen, ohne selbst bei einer badebemäntelten Udo Jürgens-Parodie ("Merci, Cherie") in plumpen Klamauk abzugleiten. Ein sehnsuchtsvoll hingehauchtes "Moon River" auf der blaugetränkten Bühne endet in minutenlangen stehenden Ovationen des Publikums und läßt auch die Musiker auf der Bühne nicht ganz ungerührt. Bester Gradmesser für den Status, den Tim Fischer bereits in jungen Jahren in seinem Metier erreicht hat.
Text: -Michael Kellenbenz-
Fotos: -Pressefreigaben-


 
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