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Konzert-Bericht
 
Alaaf In The Face Of Beer

Jim Kroft

Köln, Stereo Wonderland
18.01.2020

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Jim Kroft
Er habe ja nun auch schon in größeren Clubs gespielt, als in Kölns kleinstem und dunkelsten Rockschuppen Stereo Wonderland, erklärte Jim Kroft dem begeisterten Publikum anlässlich seines Besuches in der Domstadt, bei dem er mit seiner Band die aktuelle LP "Love In The Face Of Fear" live präsentierte. Letztlich ginge aber nichts darüber, in kleinen Clubs wie diesem zu spielen - im Herzen von Kölns "Rock-Club-Land", wo es auf der Straße ein wenig gefährlich sei, wo man aber andererseits auch das Leben richtig fühlen, und wo man auf der Bühne zusammen mit den Fans feiern könne. Und das Allergrößte sei dann der Umstand, dass überhaupt so viele Fans gekommen seien. Es sei aber schwierig, dieses Gefühl zu beschreiben: "Ein wenig ist das, wie ein Kölsch zu trinken", erklärte Jim schließlich - und suchte dann nach einem passenden Reim auf Kölsch, um diesen in ein Impromptu-Gedicht einzubinden. Hier konnte indes auch das Publikum nicht weiter helfen, denn auf Kölsch kann sich schließlich niemand außerhalb der alten Stadtmauern der Domstadt einen Reim machen. Er möge es doch stattdessen ein Mal mit "Kölle Alaaf" versuchen, schlug eine junge Dame aus dem Publikum vor. Woraufhin Jims Keyboarderin dann "Alaaf In The Face Of Fear" als alternativen LP-Titel vorschlug. Das wiederum veranlasste Jim dann zu dem Hinweis, dass er fast darauf verfallen sei, das Album "Love In The Face Of Beer" zu nennen - was zwar zum Abend gepasst hätte, programmatisch und konzeptionell aber schwierig gewesen wäre - nicht zuletzt, weil auch Jims aktuelles Album wieder politische Untertöne enthalte.
Aber vielleicht mal von vorne: Der schottische Wahlberliner Jim Kroft hatte ins Stereo Wonderland geladen, um dort sein aktuelles Album - und wie sich zeigen sollte auch alle wesentlichen Hits der inzwischen bemerkenswert weltumspannenden Karriere des reiselustigen Kosmopoliten - vorzustellen. Sowas nimmt Jim ziemlich ernst, obwohl er eine geradezu ansteckende Frohnatur sein Eigen nennt. So ließ er es nicht nehmen, wirklich jeden einzelnen Besucher der Show persönlich mit Handschlag und freundlichen Wheelbreaker-Sprüchen zu begrüßen und er ließ es sich ebenfalls dann auch nicht nehmen, jeden Einzelnen nach der anschließenden Aftershow-Party wieder zu verabschieden - und mit allem zu beglücken, was die (vorwiegend weiblichen) Fans dann sonst noch wollte.

Dass das eigentliche Konzert dann nicht etwa zur Nebensache verkam, lag daran, dass sich Jim und seine brillante Band mit einer an dieser Stelle unerwarteten und ungewohnten Inbrunst, Energie und fast schon einem apostolischen Sendungsbewusstsein in das Konzert stürzten. Dabei erwies sich Jim Kroft dann nicht nur als energischer Bandleader und versierter Gitarrist, der seine Musiker (und eigentlich auch sich selbst) immer wieder anfeuerte und das Publikum auf diese Weise nicht nur mitriss, sondern immer wieder auch einbezog - sondern auch als begnadeter Allround-Entertainer. Entweder, indem er seine Geschichten erzählte, oder indem er sich immer wieder ins Auditorium stürzte, auf der Theke herumbalancierte und am Ende ungefähr die Hälfte des Publikums zum Mitmachen auf die "Bühne" zitierte. Tatsächlich war das Ganze dann auch durchgängig eher eine Party als ein Konzertabend mit klassischer Rollenverteilung. Nicht, dass es Jim sich dabei leicht gemacht hätte - denn jeder Song wurde mit vollem Körpereinsatz präsentiert -, aber alleine die schiere Masse seiner brillanten, hymnischen Power-Pop-Hits garantierte ihm, dass sich auch alle mit großer Begeisterung an der besagten Party beteiligten.

Obwohl Jim ja eine bemerkenswert hohe Gesangsstimme hat (die nicht unangenehm an die von Neil Finn von Crowded House erinnert), bewegen sich die meisten seiner Songs auf der Bühne im druckvollen Rock-Setting. Das galt an diesem Abend nicht nur für offensichtliche Rausschmeißer wie etwa "Bahnhof Friedrichstraße", Mitsing-Hymnen wie "Redemption" oder Disco-Swing-Cuts wie "See How The Darkness Grows", sondern auch für die auf Konserve moderater ausgelegten Stücke wie den Titeltrack des neuen Albums, das balladeske "Obstacles" oder "Yes We Are Still Human". So richtig nachdenklich wurde es nur selten - etwa, als Jim sein Flüchtlingsdrama "Sara" anstimmte und dabei einen flammenden Appell an die Vernunft und die Menschlichkeit hielt. Wie bereits angedeutet, sorgte am Ende das Publikum als Gospel-Chor dafür, dass der letzte offizielle Track der Show, "Waiting For A Healing" zu einem fast schon spirituell anmutenden musikalischen Ausklang führte.

Schon alleine, weil an dieser Stelle - im schummrigen Rotlicht-Ambiente des "Stereo Wonderland", das z.B. keine Photos und keine Beleuchtungs-Variationen zulässt - wohl niemand eine solche Show erwartet hätte, gelang es Jim Kroft, den Club für diesen Albend in einen konstruktiven Hexenkessel zu verwandeln.

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Surfempfehlung:
www.jimkroft.com
www.facebook.com/Jimkroft
www.youtube.com/watch?v=_iEMRApnfp4
www.youtube.com/watch?v=3u-XQ0TDdro
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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