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Konzert-Bericht
 
Bringing it all back home

Dana Gavanski

Quarantine Concerts, nahe Belgrad
27.03.2020
Dana Gavanski
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

Mit ihrem an dieser Stelle zur Platte der Woche gekürten Debütalbum "Yesterday Is Gone" hat Dana Gavanski gerade ein ganz großes Ausrufezeichen gesetzt. Dass sie mit ihren Songs aber auch ohne die behutsam von Sam Gleason und Mike Lindsay (Tuung) inszenierten Indie-Folk-Arrangements begeistern kann, zeigte sie am Veröffentlichungstag der LP mit zwei herrlich improvisierten Instragram-Live-Sets aus der Quarantäne.

Dana Gavanski hatte Glück im Unglück: Der Coronavirus-Lockdown ereilte die kanadische Singer/Songwriterin mit serbischen Wurzeln zwar fern von Toronto, aber trotzdem irgendwie zu Hause. Nach einer Stippvisite bei ihrer Großmutter in Belgrad gab es plötzlich kein Zurück mehr für sie und ihren Freund und Sidekick James Howard. Zumindest schafften es die zwei noch ins Landhaus der Familie vor den Toren der Stadt, bevor die Bewegungsfreiheit endgültig eingeschränkt wurde. Dort, auf dem Boden vor dem Bücherregal sitzend, beweist Gavanski gemeinsam mit Howard nicht nur Einfallsreichtum, sondern offenbart auch noch eine ganz andere, viel ursprünglichere Seite ihrer Musik.

Not macht erfinderisch: Mangels traditioneller Instrumente greift Multiinstrumentalist Howard zu unorthodoxen Mitteln. Das Keyboard existiert nur auf dem Laptop-Bildschirm und auch der Shaker ist Marke Eigenbau: Eine mit trockenem Couscous gefüllte Filmdose, die im Laufe der beiden Auftritte für viel Heiterkeit sorgt, bis einer der Instagram-Zuschauer mit dem Kommentar "Kann ich noch etwas mehr Couscous in meinem Monitor haben?" das Ganze auf die Spitze treibt. Überhaupt liegt der Reiz des Auftritts im betont Informellen - und das nicht nur, weil Mom und Dad zuschauen und eifrig mitkommentieren. Wenn Gavanski hektisch nach ihrem Plektrum sucht, mitten im Song den Text vergisst ("Ich hatte Amnesie", entschuldigt sie den Aussetzer augenzwinkernd), bei todtraurigen Liedern ob der Unwirklichkeit der Situation lachen muss oder spontan Publikumswünsche erfüllt, dann erscheinen ihre auf Platte beeindruckend abgeklärt klingenden Songs in einem ganz neuen Licht. In der englischen Sprache gibt es das schwer treffend zu übersetzende Wort "ramshackle", und diese beiden jeweils rund einstündigen Auftritte waren genau das: ramshackle auf die ganz liebenswerte Art.

Während ihre Lieder in den LP-Versionen bereits Vergleiche zu Julia Jacklin und Aldous Harding inspiriert hatten, scheinen in den wunderbar puristischen Versionen des Livestreams Gavanskis Vorbilder deutlicher durch: Die Wegbereiterinnen des Ethereal-Folk, Vashti Bunyan und Connie Converse (der die Nummer "Memories Of Winter" gewidmet ist), klingen gleich mehrfach an, während Gavanskis Timbre in diesem Setting dem von Haley Heynderickx des Öfteren sehr nahe kommt. Zu den hinreißenden Highlights ihrer LP - "One By One", Yesterday Is Gone" "Good Instead Of Bad" - gesellen sich handverlesene Coverversion wie Tim Hardins "Never Too Far" oder das unter den derzeitigen Umständen besonders ominöse "Withered And Died" von Richard und Linda Thompson, mit denen Gavanski unterstreicht, wie tief verwurzelt sie trotz ihrer jungen Jahre in der Tradition des Folk der 60er- und 70er-Jahre ist, wenn sie sich die Lieder mit viel Respekt vor den Originalen zu eigen macht. Herzergreifend schön ist auch das mazedonische Volkslied "Jano Mome", das sie treffenderweise ganz am Ende solo und a cappella singt. "Bringing it all back home", hätte Bob Dylan wohl gesagt. Spätestens da ist klar: Von dieser Dame werden wir noch viel, nein, sehr viel hören!

Die ursprünglich für April und Mai geplanten Deutschlandtermine werden im September nachgeholt: 20.09.2020 Berlin, Badehaus, 23.09.2020 Köln, Theater der Wohngemeinschaft.

Surfempfehlung:
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danagavanskifth.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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