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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Glücksbier from the Wohnzimmer

Hanna Fearns

Quarantine Concerts, Köln
06.04.2020
Hanna Fearns
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

"Hanna Fearns ist eine deutsche Country- und Folksängerin mit deutsch-britischen Wurzeln." Heißt es jedenfalls auf Hannas Wikipedia-Seite. Das mag ja zu Zeiten gegolten haben, als sie noch mit ihrem Bandprojekt Fearns durch die Gegend zog. Spätestens aber, als sie auf Ken Stringfellow traf, der sie erstens mit seiner unorthodoxen Herangehensweise inspirierte und zweitens als eine Art Mentor dazu bewegte, es mal als Solo-Künstlerin zu versuchen, ist die Sache nicht mehr so ganz einfach. Das wird auch bei Hannas Quarantäne-Konzerten aus dem heimischen Kölner Wohnzimmer deutlich. Denn obwohl Hanna hier - situationsbedingt - nur mit akustischer Gitarre und Piano/E-Piano hantiert, dürfte es selbst ausgebufftesten Schubladen-Fetischisten nicht leichtfallen, das, was Hanna stilistisch im Angebot hat, einzusortieren. Bloße Folk- oder Country-Songs sind es jedenfalls nicht.

Zwar besteht das Programm für gewöhnlich aus Songs ihrer beiden Solo-LPs "Sentimental Bones" und "Turn On The Light" - es sind dann aber gerade die Coverversionen, die deutlich machen, dass Hanna Fearns als Genre-Musikerin einfach nicht zu fassen ist. Bei der letzten Show waren dies etwa "Square Room" von Vic Chesnutt (am Klavier) und "Overtime" von Lucinda Williams (an der Gitarre). Hier wie da bewegte sich Hanna mit diesem Material freistilig in einem nicht genau zu definierenden Umfeld, blieb dabei dem Geist der Originale durchaus verbunden (und zwar durch ihre dem Sujet angemessene, brüchig-sonore Gesangsstimme, die sowohl Vic Chesnutt wie auch Lucinda Williams ihr Eigen nannten/nennen) und schaffte es zugleich dennoch mit ihrer relaxten und fast schon stoischen Art aber auch, dem Material auf unaufgeregte Weise eigene Perspektiven zu entlocken. Logischerweise traf das auch auf die dritte Coverversion, Bill Withers "Lean On Me" zu, das sich Hanna in den Tagen seit dem Ableben des großen Meisters draufgeschafft hatte und der zufällig inhaltlich auch ganz gut zur aktuellen Situation passt.
Hanna Fearns
Und das mit der eigenen Perspektive gilt natürlich auch für das eigene Material wie "Wasteland", "Queen Of England" oder "Hey Sweetheart", das Hanna - beflügelt von einer Flasche Glücksbier - ziemlich geradlinig und ohne Effekthascherei präsentierte. Hierbei ist es eben von Vorteil, dass Hanna Fearns genügend Übersicht und Lebenserfahrung besitzt, um ihr Material mit der notwendigen Gelassenheit und Tiefe präsentieren zu können - schon alleine deswegen, weil sie (anders als etwa ihre blutjungen Kolleginnen) bereits hinreichend vom Leben überwältigt wurde und es deshalb nicht mehr nötig hat, das in jedem einzelnen Song zum Ausdruck zu bringen. Hannas Melancholie ist deswegen eher düster als bedrückend - und das kommt dem auch im Solo-Kontext zu beobachtenden, zeitlosen und keineswegs setro-seligen Noir-Setting durchaus entgehen. Rembert Stiewe meint hier ja sogar die Coolness einer Lana Del Rey heraushören zu können. Das mag vielleicht etwas am Ziel vorbeischießen (weil Hanna ja eigentlich gar nicht cool sein will), macht aber andererseits deutlich, dass Hanna Fearns eben tatsächlich keine "Country- und Folksängerin" von der Stange ist. Die Reihe wird bis auf weiteres jeden Montag fortgesetzt.
Surfempfehlung:
www.fearns.com
www.facebook.com/hannafearnsmusic
www.facebook.com/hannafearnsmusic/videos/2770875362980604/UzpfSTc0MDY3MDI5MzoxMDE2MzY1MDgxNTUzNTI5NA
paypal.me/hannafearns
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Hanna Fearns-


 
 

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