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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Theater im Wohnzimmer

Christina Martin

Quarantine Concerts, Port Howe, Nova Scotia, Canada
08.05.2020
Christina Martin
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

Die kanadische Songwriterin Christina Martin hatte mit Bezug auf die Corona-Krise insofern Glück gehabt, als dass sie normalerweise die Hälfte ihres Troubadour-Lebens in unseren Breiten und auf unseren Bühnen verbringt. Glücklicherweise war sie gerade eben ins heimatliche Nova Scotia zurückgekehrt, um die Veröffentlichung ihres aktuellen digitalen Live-Albums "Live At The Marquee Ballroom - Impossible To Hold" vorzubereiten, als die Sache so richtig in Fahrt kam. Logischerweise fiel dann auch die geplante Release-Show für dieses Projekt in das allgemeine Lockdown-Szenario - und wurde kurzerhand ins Web verlegt. Die Quarantine-Streams von Christina (und ihrem Partner Dale Murray) unterscheiden sich von den üblichen Produktionen in dieser Art dadurch, dass sie unter einem Thema stehen und mit einer guten Stunde Laufzeit etwas näher an einem "echten Konzert-Setting" dran sind. Freilich gibt es - neben der musikalischen Darbietung - auch ein Rahmenprogramm, in dem Christina und Dale mit dem zugeschalteten Publikum in Verbindung treten, Verlosungen veranstalten, Spiele veranstalten, die Tracks erläutern, Fragen beantworten und ein wenig (zu viel?) chatten. Streams sind halt doch etwas anderes als Live-Konzerte.

Die Show vom 08.05.2020 wurde präsentiert in Zusammenarbeit mit dem lokalen Live-Club Glasgow Square Theatre, der logischerweise auch vom Shutdown betroffen ist. Das besagte Live-Album trägt den Titel von Christinas letzter CD "Impossible To Hold" im Untertitel - was bedeutet, dass darauf alle Tracks des Albums auch entsprechend live präsentiert werden. Dieses Thema wurde im Stream der letzten Woche bereits aufgegriffen. Da sich auf dem Album indes 18 Tracks befinden, konnte nicht alle Songs gespielt werden, so dass die Sache nun in der aktuellen Show weiter geführt wurde.

So begann die Veranstaltung etwa mit dem Track "Where The Dark Meets The Light", den Christina zusammen mit ihrem Kollegen Matt Epp geschrieben hatte und der - wie sie richtig bemerkte - vom Thema her ganz gut auf die aktuelle Situation passte. Nun ist die Sache die, dass Christina und Dale auf ihren Studioproduktionen - und auch bei ihren "echten" Live-Konzerten - im Laufe der letzten Jahre vom ursprünglich klassischen Americana-Songwriter-Ansatz immer stärker in Richtung eines rockigeren Stils gedriftet waren. Grundsätzlich ändert sich das auch bei der rein akustischen Darbietung nicht unbedingt - es bedeutet nur, dass eben nicht elektrisch mit Band gespielt wird, aber auch keine reine Folk-Angelegenheit erwartet werden darf. Der Druck, der auf der Bühne und im Studio produktionstechnisch und mittels knackiger Power-Chords erzielt wird, im akustischen Setting insbesondere durch den kraftvollen Harmoniegesang Christinas und Dales sowie die bemerkenswert klare Diktion erzielt wird.

Christina Martin
Um ein wenig zusätzliche Variation in das Setting zu bringen, greift Dale gelegentlich zusätzlich zur 12-saitigen Akustik-Gitarre, was dann Songs wie "Marina" ein über den bloßen Power-Balladen-Effekt hinausgehendes, orchestrales Flair verleiht - und diese somit eine ganz andere Ausrichtung bekommen, als etwa die Band-Versionen. Kurzum lassen sich so auch bei eh schon balladesk ausgerechneten Tracks wie "Lay You Down" auf diese Weise noch neue Aspekte entdecken - nicht zuletzt durch die intime Wohnzimmer-Situation, die das Duo für diese Show wählte (andere Streams kamen aus dem Studio-Bereich der gemeinsamen Wohnung). Besonders interessant wird dieses Konzept allerdings dann, wenn sich der Charakter eines Songs wie "It'll Be Alright" komplett ändert. In der Studio-Version etwa ist dieser ein solider Rocker - im Stream wurde daraus eine einfühlsame, romantische Ballade. Die Show kam dann mit einem älteren Song namens "Cut It Out" von dem Album "Two Hearts" zum Ende - und hier funktionierte das Ganze umgekehrt, denn dieser Track wurde deutlich schneller gespielt als die ursprüngliche Aufnahme.

Auf der technischen Seite bieten die über Facebook gestreamten Sessions zumindest ein ausgezeichnetes Klangbild - während bezüglich der optischen Qualität sicher noch Potential nach oben bestünde, denn die Shows werden seitenverkehrt im Handy-Format mit der geringstmöglichen Auflösung gestreamt. Dafür können die Sessions freilich bis auf weiteres auf Christinas Facebook-Seite abgerufen werden und werden auch in unregelmäßigen Abständen fortgeführt - allerdings mit einer kleinen Denkpause, denn einfach wiederholen möchten sich Christina und Dale sicherlich nicht.

Surfempfehlung:
www.christinamartin.net
www.facebook.com/ChristinaMartinMusic
smarturl.it/LiveMarqueeBallroom
www.paypal.com/paypalme2/xtinamartin
www.patreon.com/ChristinaMartin
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Christina Martin-


 
 

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