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Maxim
Fog Joggers

Köln, Summer Stage im Kölner Jugendpark
15.08.2020

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Maxim
Ein bisschen kompliziert war die Sache dann doch: Eigentlich hatte der Kölner Songwriter Maxim die ersten Konzerte mit dem Material seiner neuen LP "Grüne Papageien" bereits im April spielen wollen. Wie wir alle wissen, konnte das nix geben. Die neue LP war zu diesem Zeitpunkt aber schon fertig - und deswegen entschloss man sich, sie auch wie geplant im August herauszubringen. Zum Glück fand die Kölner Musikszene aber zwischenzeitlich den Weg, die Live-Musik mit Open-Air-Kopfhörer-Konzerten auf der Summer Stage im Kölner Jugendpark - zumindest für den Sommer - wiederzubeleben.
Die Summer Stage steht dabei allen Kölner Veranstaltern zur Verfügung, die demzufolge im Rahmen der Konzertreihe die Musiker (und Künstler) buchen können. Enter "Lagerfeuer Deluxe". Das ist eine Kölner Konzertreihe, in der der Lagerfeuer-Macher Björn "Macka" Bornhold dann vorzugsweise Nachwuchskünstler in einem akustischen (Lagerfeuer-)Setting präsentiert. Und der kam nun auf die Idee, Maxim mit seinem Auftritt am 15.08.2020 tatsächlich noch so etwas wie eine Record-Release-Show zu ermöglichen. Da aber bei Lagerfeuer Deluxe normalerweise mehrere Acts im Showcase-Modus auftreten, wurden als zweiter Act für den Abend die inzwischen in Köln ansässigen Fog Joggers gebucht. Wohl aus hygienetechnischen Gründen trat aber nicht die ganze Band auf, sondern lediglich Frontman und Songwriter Jan Büttner, solo im Liedermacher-Modus. Auch Maxim spielte im Folgenden nicht mit der ganzen Band auf, sondern lediglich mit Gitarrist Philip Breidenbach und Drummer Lukas Berg - aber dabei durchaus elektrisch. Noch Fragen?

Die Fog Joggers sind im Prinzip eine munter agierende Rock- bzw. Power-Pop-Band. Das werden alle bestätigen können, die die Jungs schon ein Mal auf der Bühne - etwa bei ihren gefeierten Auftritten auf gleich zwei Orange Blossom Festivals - gesehen haben. Jan Büttner sah sich nun genötigt, die gewöhnlich vor Powerchords und Hooklines strotzenden Fog Jogger-Songs entweder im Melancholiker-Setting zu präsentieren - oder aber auf die balladesken Qualitäten hin auszuloten. Beides tat er dann durchaus mit Verständnis für die Situation. Aber Power-Pop am Lagerfeuer ist nun mal nicht das geeigneteste aller Formate - auch dann nicht, wenn Jan zur elektrischen Gitarre griff. So funktionierte das Ganze eigentlich immer dann am besten, wenn Jan eher atypische Songs intonierte - wie z.B. die Coverversion "I Lost A Friend" des befreundeten Songwriters Finneas oder aber den neuen Song "Julia". Oder aber auch, wenn er Up-Tempo-Songs wie "The End" auf die dynamischen Aspekte reduzierte. Insgesamt machte Jan seine Sache also recht gut und stimmte das Publikum insofern auf die besinnlichen Aspekte des folgenden Maxim-Konzertes ein.

Und der machte dann auch nicht den Fehler, seine Show mit klassischen Maxim-Gassenhauern, Hits oder sonstigen Wumms-Songs zu eröffnen, sondern stattdessen mit dem neuen Track "Wohin ich gehör" - immerhin dem emotionalen Höhepunkt der neuen Scheibe -, dem er gleich das stimmungsmäßig ähnlich angelegte Reiselied "Marseille" folgen ließ. Zwischen den Songs sprach Maxim dann natürlich auch die Situation an - dass dieses zunächst mal das einzige Konzert sei, bevor sich die Situation relativiere, dass dieses deswegen besonders schön und wichtig sei - weil man so endlich mal wieder echte Leute sehen könne, weil man ja langsam doch die Schnauze voll habe von Online-Streams oder dass das Publikum mit den bunt leuchtenden Kopfhörer aussähe wie die Männchen aus derm Eiffel 65-Song "Blue". Sogar für eine Signing-Session nach der Show zeigte sich Maxim erbötig (natürlich mit den notwendigen Abstands-Maßnahmen).

Zum Glück heißt einer von Maxims älteren Songs ja "(Muss doch) mehr sein (als das)" - und das nahmen Maxim und seine Mitstreiter dann zum Anlass, die Songs auch in durchaus fülligen Live-Versionen zu spielen - wobei Maxim selbst gelegentlich zum Tambourin oder einer zweiten Gitarre griff, während die Bass- und Keyboard-Parts zugespielt wurden. "Wenn es live genau klingt wie auf Platte, dann ist das super", skandierte Maitre 'd Björn Bornhold dann nach Maxims Auftritt. Obwohl das keineswegs stimmt, war das dennoch ein adäquates Lob für die Performance von Maxim und seiner Band, denn zum einen klang das Ganze durchaus brillant - aber andererseits gelang es dem Trio, die Leichtigkeit und Spielfreude gerade der Studioproduktionen der neuen Scheibe auch ohne volle Besetzung auf die Bühne zu retten - und es gab auch jede Menge Gelegenheiten, die Sache jamsession-mäßig zu echten Live-Versionen auszuweiten.

Zu den neuen Stücken sagte Maxim eigentlich gar nicht so viel - etwa dass er eine Challenge mit sich selbst laufen habe, Liebeslieder mit bescheuerten Titeln wie "Automat" zu schreiben (was von seiner kleinen Tochter aber durchaus goutiert werde), dass er versehentlich das Haus der Titelheldin des Stückes "Anais" abgebrannt habe oder dass der Titeltrack des neuen Albums "Grüne Papageien" seine Liebeserklärung an die Domstadt sei. Immerhin spielte Maxim so die wesentlichsten Stücke des neuen Albums (wenn auch - aus nachvollziehbaren Gründen nicht den wichtigsten "Die Asche von Claude") und versöhnte die, die nicht gerne neue Titel auf Konzerten hören, mit einigen Hits aus seiner inzwischen schon recht langen Laufbahn. Auf die Raggae-Relikte der Anfangstage verzichtete er dabei - aber als zweite Zugabe spielte er zumindest seinen größten Hit "Meine Soldaten" womit der Abend dann kurz nach 22 Uhr mehr als versöhnlich ausklang.

Maxim
NACHGEHAKT BEI: MAXIM

GL.de: Auf der Scheibe - wie eigentlich auch jetzt auf der Bühne - kommen deine neuen Songs mit einer ungeahnten Leichtigkeit und fast schon verspielt daher - sind dabei aber zugleich recht feinsinnig und weniger poppig als gewohnt. Hat das damit zu tun, dass du die Scheibe erstmals selbst produziert hast - und warum hast du das eigentlich gemacht?

Maxim: Früher habe ich mich mehr auf das Schreiben konzentriert - das war mir am Wichtigsten - und hatte auch keine Zeit zum Produzieren. Ich habe mich auch nicht als Produzent gesehen. Dieses Mal war das anders. Mit dem Songwriting war ich happy und musste nichts mehr beweisen. Jetzt wollte ich weiter wachsen und etwas Neues entdecken. Dann war das ein logischer Schritt zu sagen, dass ich jetzt produziere. Ich habe das auch nicht alleine, sondern mit meinen Musikern gemacht. Das hat mir dann sogar sehr viel Spaß gemacht. Ich wollte mit den Arrangements auch einen Ausgleich zu meinen schwermütigen Themen finden. Ich bin Vater geworden und ich wollte auch einfach glücklich sein und das ausleben.

GL.de: Ist das Schreiben heutzutage denn einfacher für dich?

Maxim: Nein - das ist immer viel Arbeit. Manchmal geht das zwar sehr einfach - der Song "Automat" etwa ist in drei Tagen entstanden. Aber "Die Asche von Claude" war nicht so einfach. Das war für mich das schwerste Lied, das ich jemals gemacht habe - weil ich darin mein Leben erkläre.

GL.de: In "Die Asche von Claude" geht es ja um einen Missbrauchsfall in deiner Familie?

Maxim: Ja, es geht um meinen Großvater mütterlicherseits, der ein Priester war. Das ist ein großes, unüberwundenes Familientrauma, das ich jetzt nicht auch noch auf meine Tochter übertragen wollte. Es gibt halt Sachen, die einfach mal raus müssen und die sich aufdrängen - und derer kann man sich dann auch nicht verwehren. Ich gehe auf die Sachen zu, die wichtig und ernst sind und die ich behandeln muss. Als Ablenkung brauche ich dafür eine Art Eskapismus. Es gibt einfach auch Songs die nicht viel wollen, die einfach nur da sind und schön sein wollen.

GL.de: Wie zum Beispiel in "Folie/Föhn" - das ist doch eine Anspielung auf das Meer in der Augsburger Puppenkiste, oder?

Maxim: Na klar. Oder der Titeltrack "Grüne Papageien" als Sinnbild für die Liebe, "Marseille" oder "Automat". Das sind dann Stücke, die weg wollen von diesem Schwermut, der einfach in mir lebt.

GL.de: Das Stück "Wohin ich gehöre" gehört sicher auch zu dieser Kategorie. Das ist ein Liebeslied, oder?

Maxim: Ja, das ist ein einfaches Lied und ist als Ausgleich für die "Asche von Claude" gedacht. Es geht da um meine Mutter und meinen Vater. Sie hatten beide keine einfachen Leben. Mein Vater hat immer sehr viel gearbeitet und ihn verorte ich in dem Lied oben und sage: Ich möchte zu dir nach oben, denn hier unten gehöre ich nicht hin und werde mich richtig abrackern, um zu dir zu kommen. Und meine Mutter, die sehr viel leiden musste in ihrem Leben, verorte ich unten und sage, hier oben, bei den Stars gehöre ich nicht hin, ich muss doch zu dir nach unten. Was ich ausdrücken will, ist, dass es nahezu unmöglich ist, bei beiden zugleich zu sein. Das Einzige, was das ermöglicht, ist zu sagen: "Ich liebe euch trotzdem beide". Und das ist der versöhnliche Abschluss des Albums.

GL.de: Ist das Stück "Wie man loslässt" ein ernst gemeintes Rezept zum Loslassen - denn darin geht es ja auch um solche Widersprüche?

Maxim: Ja, das ist natürlich ernst gemeint. Mein Schluss ist aber der dass man es zar immer versuchen und wollen und sogar schaffen kann, loszulassen, aber auch gleichzeitig nicht. Zum Beispiel kommt am Ende des Songs meine Tochter zur Welt. Ich überlege mir dann, wie man alles mögliche loslassen kann - Misserfolge zum Beispiel -, aber das Gefühl der Liebe zu meiner Tochter ist so stark, dass ich es niemals loslassen kann, auch wenn ich daran zerbreche. Das ist ein ganz frei geschriebenes Lied mit einzelnen Sätzen, die einfach wie Gefühlsklekse stehen und verdeutlichen sollen, dass es in Bezug auf das Loslassen keine eindeutige Lösung gibt... vielleicht geht es auch mehr um das Versuchen des Loslassens?

GL.de: Wieso jammerst du denn nicht in deinen Songs - wie so viele deiner Kollegen?

Maxim: Ich will immer mehr. Wenn es in Richtung typischer Deutschpop geht, dann versuche ich, diesen Weg zu verlassen. Ich finde es immer schlimm, wenn man das Gefühl haben könnte, dass etwas ausgelutscht ist und dass man es schon mal gehört hat. Das ist für mich immer so, dass ich mir denke, dass jemand, den ich toll finde, so niemals einen Song schreiben würde. Auch wenn Deutsch eine Sprache ist, die schwerer hinzubiegen ist, versuche ich eine Melodie zu schreiben, die ich selber auch mag und die sich messen kann.

GL.de: Dabei orientierst du dich aber nicht an deutschen Kollegen, oder?

Maxim: Ich höre sehr sehr wenig deutsche Musik, sondern bin mehr durch französische und englische Musik geprägt. Wenn du dir zum Beispiel die Beatles anschaust (weil die jeder kennt, nehme ich die jetzt als Beispiel), dann haben die natürlich das Problem erzeugt, dass sie alles konnten. Die haben in der Masse die besten Songs geschrieben. Und keiner dieser Songs ist dumm und viele sind einfach nur genial. Und dann noch etwas: Was die Beatles und die ganzen Brit-Pop-Bands der deutschen Musik voraus haben, ist der Umstand, dass das totale "Whitey-Musik" ist, dass sie aber diese Inspiration aus schwarzer Musik in sich tragen und Melodien schreiben, die man auch als Soul-Song umsetzen kann, was auch Sinn macht. Und nach so etwas versuche ich auch immer - auch wenn die deutsche Sprache da nicht so geeignet erscheint. Theoretisch kann ich das gar nicht so gut beschreiben, es ist mehr so ein Gefühl.

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Surfempfehlung:
www.maximmusic.net
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www.instagram.com/maximmusicde
www.youtube.com/watch?v=X_s43QYE5tw
www.youtube.com/channel/UCdreMsoAUI8aJ2iSNt022Yw
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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