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Konzert-Bericht
 
Unterwegs auf gemeinsamem Terrain

Ken Stringfellow
Mimi Schell

Hamburg, Fischhalle Harburg
04.09.2020

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Ken Stringfellow & Mimi Schell
Ken Stringfellow und Mimi Schell sind alte Bekannte. 2013 standen die zwei erstmals als Duettpartner auf der Bühne des Hamburger Nachtasyl, viele gemeinsame Auftritte und eine Platte (Stringfellow produzierte Schells aktuelles Album "Heliodor") später bestreiten sie im heimelig-maritimen Ambiente der Fischhalle Harburg nun auch ihr erstes öffentliches Konzert vor Publikum nach dem COVID-19-Lockdown zusammen.
Der Auftrittsort passt prima zum Programm, dass sich Ken Stringfellow und Mimi Schell an diesem Abend vorgenommen haben. Vor über 100 Jahren erbaut, anfangs als Güterumschlagsplatz am Harburger Binnenhafen, später als Hafenarbeitervermittlungsstelle und sogar als Autowerkstatt genutzt, wurde das Gebäude von einer Reihe umtriebiger Kulturschaffender vor einigen Jahren vor dem Abriss bewahrt und ist nun als maritimes Kulturzentrum mitten im Harburger Binnenhafen nicht nur Live-Location und Galerie, sondern auch Heimat der Geschichtswerkstatt Harburg und des Museumshafens Harburg, was auch die Ausstellungsstücke und Deko an den hohen, hellen weißen Wänden zum Ausdruck bringen.

Obwohl die zwei eigentlich nicht nur geografisch Welten trennen - der weitgereiste Amerikaner Stringfellow ist seit jeher mit The Posies, Big Star, R.E.M. und als Solist zwischen Power-Pop und Indierock zu Hause, die Hamburgerin Schell dagegen ist Mitglied von Lotto King Karls Band und setzt als Solistin auf großspurige Popsongs mit Indietronic-Flair -, gelingt es ihnen in der bis auf den letzten von der Coronaschutzverordnung erlaubten Platz besetzen Fischhalle dennoch mühelos, musikalisch aufeinander zuzugehen. Heruntergebrochen auf zwei Stimmen plus Piano- oder Stromgitarrenbegleitung finden sie auf den Spuren von Nancy Sinatra & Lee Hazlewood und June Carter & Johnny Cash gemeinsames Terrain und werfen sich bei den gerne von dezentem Countryflair umwehten Duetten ("Whatever Hell", "Secrets Unrevealed") und klug ausgewählten Solonummern - musikalisch besonders treffend: Schells "Why So Afraid" und Stringfellows "Your're The Gold" - genauso locker die Bälle zu wie bei den bisweilen herrlich haarsträubenden Ansagen zwischen den Songs, wenn Stringfellow aufreizend langatmig von seiner Anreise im Ersatzzug der Deutschen Bahn aus Wuppertal erzählt und Schell im Ersatzzug eine Metapher für das verkorkste Jahr 2020 erkennt oder Stringfellow - passend zum maritimen Thema der Location? - die angeblich geplante Neuauflage des deutschen Filmklassikers "Das Boot" ohne mit der Wimper zu zucken als "Re-Boot" ankündigt...
Auch wenn die beiden sehr genau wissen, was sie da tun, profitiert der Auftritt doch von einer gewissen informellen Atmosphäre, die ihn umweht. Vor allem für Stringfellow ist es immer wieder die helle Freude, Schell aufs Glatteis zu führen und so bisweilen nicht nur zwischen, sondern auch während der Songs für amüsante Momente zu sorgen, etwa als er beim Finale "Doesn't It Remind You" (den Song, der die beiden vor Jahren erstmals zusammengebracht hatte) mit so vielen abstrusen Textänderungen vollstopft, dass seine Duettpartnerin vor Lachen die nächste Zeile verpasst. Nach einem verheißungsvollen Ausblick auf das nächste The-Posies-Album mit dem leisen "Dark Side Of Light" gibt es dann ganz am Ende von zwei äußerst kurzweiligen Stunden mit dem Spontan-Cover "Ooh Child" sogar noch einen Abstecher zum 70s-Soul, doch auch zuvor hatten sie bereits eindrucksvoll bewiesen: Gute Musik kennt keine stilistischen Grenzen.

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Surfempfehlung:
www.kenstringfellow.com
www.mimischell.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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