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Konzert-Bericht
 
Spätzle auf der Reeperbahn

John Blek

Köln, Weltempfänger
07.10.2020
John Blek
So sieht sie also aus, die neue Normalität auf den Konzertbühnen - zumindest im Kölner Weltempfänger: Weil der Raum zu klein ist, um den in Corona-Zeiten nötigen Abstand zwischen Künstler und Publikum zu wahren, absolviert John Blek sein Solokonzert in der Domstadt hinter einer durchsichtigen Plastikscheibe, die mit weißen Plastikclips an einem handelsüblichen rollbaren Kleiderständer befestigt ist. Dumm nur, dass der hünenhafte irische Barde für diese DIY-Konstruktion etwas zu groß ist und sich so, zumindest für die Zuschauer auf den billigen Plätzen, sein Kopf hinter Kleiderständerquerstange und Plastikclips versteckt.
John Blek
John Blek selbst macht gute Miene zum bösen Spiel: "Ich komme mir vor wie die Prostituierten auf der Reeperbahn, aber irgendwie gefällt es mir", scherzt er zu Beginn seines kurzweiligen 90-Minuten-Soloauftritts und ist auch sonst gut aufgelegt, schließlich verdankt er das Zustandekommen seiner Deutschlandtournee einem negativen Corona-Test vor seiner Abreise aus Irland, oder wie er es ausdrückt: "Das war der erste Test, den ich in meinem Leben bestanden habe." Seine Lieder sind wie seine Ansagen vollgestopft mit anrührenden Geschichten um gerne mal etwas schräge Charaktere, die sein Leben in seiner beschaulichen Heimatstadt Cork genauso abbilden wie sein Leben als fahrender Sänger und - "leider", wie er sagt - alle wahr sind. Seine Stimme mag einnehmend und durchdringend sein ("In Irland muss man laut singen, um sich bei all den Betrunkenen Gehör zu verschaffen", erklärt er lachend), seine Fingerstyle-Folk-Songs dagegen sind zumeist leise und spiegeln das oft bedächtige Tempo wider, mit dem er in seinen ausführlichen Monologen zwischen den Stücken auf seine Pointen hinarbeitet. In der Tat hat er immer wieder die Lacher auf seiner Seite, wenn er vor "Lightness Vs. Weight" dem Publikum versichert, es sei für ihn kein Problem, auch die weiblichen Gesangsparts des Original-Duetts zu übernehmen ("Das nennt man Method Acting"), seinem schon vor Jahren als Zwischenrufer bei seinen Konzerten auffällig gewordenen Neu-Schwiegervater augenzwinkernd die Nummer "Death And His Daughter" widmet, detailverliebt von einer Begegnung mit seinem holländischen Seemann berichtet, die nicht nur in einem ausufernden Besäufnis, sondern natürlich auch in einem Song ("Salt In The Water") mündete, oder Verbindungen von seinem feinen Schlusssong zu seinem schwäbischen Lieblingsgericht zieht, schließlich hieße "Little Sparrow" nichts anderes als "Spätzle"!
John Blek
Mit seiner Musik und seinem Auftreten steht Blek auf den Schultern der großen irischen, britischen und amerikanischen Singer/Songwriter, und das reflektieren auch die Cover, die er zwischendurch einstreut, wenn er Townes Van Zandt mit "I'll Be There In The Morning" huldigt, Tim Hardins "If I Were A Carpenter" neu interpretiert oder am Ende mit "Where Are You Tonight" an Andy M. Stewart erinnert und damit unterstreicht, dass man bisweilen das Rad gar nicht neu erfinden muss, um sein Publikum zu berühren. Manchmal reichen schon handverlesene Vorbilder und ein Herz am rechten Fleck.
Surfempfehlung:
www.johnblek.com
www.facebook.com/johnbleksolo
www.instagram.com/johnbleksolo
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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