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Bärenstark

Marla & David Celia

Bensberg, Conrad's Couch
09.10.2020

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Marla & David Celia
Eher zufällig fand die bereits Anfang des Jahres gebuchte Tour von Marla & David Celia trotz Corona nun doch wie geplant statt. Dass das überhaupt möglich war, lag unter anderem daran, dass das deutsch/kanadische Paar in unüblichen Venues gebucht worden war, die trotz der Corona-Krise den Betrieb aufrecht erhalten konnten. Während nämlich in Köln die Clubszene weitestgehend brach liegt, gab es im nahen Bensberg in dem schnuckeligen "Club" Conrad's Couch die Möglichkeit, aufzutreten. "Club" steht dabei deswegen in Anführungszeichen, weil es sich bei dieser Location um ein in heimeliger Wohnzimmer-Atmosphäre eingerichtetes, ehemaliges Ladenlokal handelt. Die Corona-Abstandsregeln wurden hier übrigens dadurch implementiert, dass die notwendigerweise gesperrten Sitze nicht einfach leer blieben, sondern von sympathischen Stoffbären besetzt waren, die das Geschehen stoisch, aber interessiert verfolgten.
Eine weitere Besonderheit an Conrad's Couch ist dabei der Umstand, dass es sich hierbei nicht um einen klassischen Musik-Club handelt, sondern eine große Bandbreite an Künstlern - auch aus dem Kleinkunstbereich und Comedy - dort auftreten, so dass das Publikum weitestgehend aus interessierter Stammkundschaft denn als aus Fans der jeweiligen Acts besteht. Insofern taten Marla und David gut daran, sich und ihre Kunst dann auch entsprechend zu erklären. Dazu gehörte natürlich auch die Geschichte, wie sich Marla und David auf einer gemeinsamen Tour 2015 kennengelernt haben und nun nicht nur privat, sondern auch beruflich zu einem Paar wurden und seither zwischen Kanada (wo David herstammt und wo sie nun wohnen) und Heidelberg (wo Marla lange Zeit lebte und wo ihre Familie lebt) hin und her pendeln - sofern sie nicht musikalisch auf Tour sind. Marla versuchte dabei, auf Deutsch zu erklären und für David zu übersetzen, denn dieser ist immer noch nicht seiner Gastsprache mächtig. So sagte er zum Beispiel "Divine Truck", als er feststellte, dass ein Glas Wein, welches zuvor auf dem mitgebrachten Teppich umgekippt war, eingetrocknet war. "Der Wein ist trocken, heißt das!", korrigierte ihn Marla daraufhin.

Das Programm bestand weniger aus einem bunten Potpourri der Songs der gemeinsamen LP "Daydreamers" und den jeweiligen Solo-Elaboraten des Paares, sondern war als Showcase neuen Materials angelegt, an dem Marla und David gerade arbeiten und das auf einer neuen LP im kommenden Jahr herausgebracht werden soll. Dafür entschuldigte sich Marla bei dem geduldigen Publikum, als sie gegen Ende der Show am Klavier Platz nahm, um David bei dem Song "Where Are You My Baby" zu unterstützen - denn einige der Songs hatten Marla und David überhaupt noch nicht zusammen vor Publikum gespielt. 
Die neuen Songs gefielen dann vor allen Dingen dadurch, dass Marla und David heutztage mehr zusammen singen, während sie früher eher dazu tendierten, sich beim Lead-Gesang abzuwechseln. Auch strukturell und melodisch haben die neuen Tracks wie "What If", "Some Train" oder "Mama Nature" (einer der wenigen "politischen" Songs des Duos) einiges zu bieten und erinnerten - zumindest in den hier gebotenen Versionen - an die Hochzeiten des Laurel-Canyon-Folk-Pop der 60er Jahre. Abgerundet wurde das Ganze dann natürlich mit klassischen "Hits" aus der eigenen Fertigung - wie z.B. "Luddite Blues", "Lover Of Mine" oder "Village Life" und einer spaßigen Strecke, in der David seine Country-Songs vortrug - wie etwa "I'm Not Texan" (wobei er hier davon singt, wie er während einer Überlandfahrt durch Kanada das Gitarre-Spielen gelernt habe) oder "Duchess", die Geschichte eines dreibeinigen, Zehen leckenden Hündchens.
Da es sich in diesem Fall nicht um ein Fachpublikum handelte, nutzten Marla & David die Gelegenheit, einige Coverversionen von Davids gewesenem Landsmann Neil Young (der seit kurzem US-Bürger geworden ist) in das Programm einzuflechten. Das machte Sinn, denn im Laufe der Tour hatten Marla und David einige Neil Young Tribute-Shows eingeflochten. Nachdem man dem Publikum durch das Anspielen von Stephen Stills' "For What It's Worth" zunächst mal erklärte, was oder wer Buffalo Springfield war(en), gab es dann zunächst mal das von Young geschriebene "Flying On The Ground Is Wrong" - und später im Zugabenblock dann noch "Only Love Can Break Your Heart" und sogar eine mächtig swingende Version von "Cinnamon Girl", bei der das Publikum als Klatschvieh rekrutiert wurde. Fast überhört wurde in diesem Zusammenhang dann vorher noch eine spontan angestimmte Version des Beatles-Tracks "Oh! Darling", der ins Programm rutschte, einfach weil Marla der Song von der Harmonie her an ein eigenes Stück erinnerte. Insgesamt stellte diese Show ein cooles Update in Sachen Marla & David Celia dar - die ja regelmäßig in unseren Breiten auftreten und uns auf auf diese Weise an ihrem musikalischen Entwicklungsprozess teilhaben lassen.

Mit Shows wie diesen zeigten Marla & David dann also, was in Zeiten wie den unseren eigentlich noch möglich wäre, wenn alle an einem Strang ziehen und nicht von vorneherein davon ausgegangen wird, dass dieses und jenes nicht möglich sei. Vielleicht sollten also alle doch mehr auf den Virologen Streek hören, der ganz richtig sagt, dass man statt nach neuen Verboten zu suchen, um das Virus einzudämmen, besser nach neuen Möglichkeiten suchen sollte, wie wir alle mit dem Virus besser leben können.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/marladavidcelia
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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