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Konzert-Bericht
 
Am besten melancholisch

Bernd Begemann

Münster, Pension Schmidt
11.10.2020

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Bernd Begemann
Vor vielen Jahren gab es mal ein kurzlebiges TV-Format im NDR namens "Bernd im Bademantel", eine Low-Budget-Talkshow, die Bernd Begemann aus seiner eigenen 1-Zimmer-Wohnung im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort moderierte. Fast 25 Jahre später kommt man sich bei seinem Gastspiel in der Münsteraner Pension Schmidt vor wie bei "Bernd im Wohnzimmer" - Omas Stehlampe dekoriert die Bühne, das Publikum macht es sich auf alten Plüschsesseln bequem, und weil in COVID-19-Zeiten gerade einmal 50 Glückliche Einlass finden, steht schon vor Beginn der Show fest: Es wird ein intimer Abend.
Eigentlich hätte Bernd Begemann in den nächsten Wochen und Monaten gleich eine Handvoll Konzerte in NRW absolvieren sollen, doch nachdem die Gastspiele in Düsseldorf, Essen und Bochum bereits frühzeitig abgesagt bzw. verschoben wurden, ist der Soloauftritt in der bis auf den letzten von der Coronaschutzverordnung erlaubten Platz besetzten Pension Schmidt plötzlich die einzige Chance, weit und breit, den stilbewusstesten Musik-Connaisseur, der einst die Hamburger Schule miterfand und bis heute als unerreichter Bühnen-Entertainer glänzt, live auf der Bühne zu erleben. Noch dazu bei einem Auftritt, bei dem Begemanns patentierte Melange aus Comedy und Ernsthaftigkeit etwas anders gewichtet ist als bei vielen anderen Konzerten der letzten 30 Jahre. Zwar ist auch für Klamauk Platz - herrlich wie er die in der Pension Schmidt gern gesehenen skandinavischen Indie-Folk-Acts ob ihrer Strickmützen und selbstmitleidigen Art durch den Kakao zieht, sich in einen halsbrecherischen Monolog über (fehlgeleitete) politische Korrektheit stürzt, mit "Der weltweit führende Experte für Patricia Dombrowski" einen neuen Mitmach-Ohrwurm präsentiert und am Ende Morrissey mit einem eingedeutschten "Still Ill" parodiert -, die echten Highlights sind allerdings die leisen Töne.

Die "Greatest Hits", an denen früher kaum ein Weg vorbei führte, bleiben an diesem Abend trotz mehr als zwei Dutzend Liedern in zweieinhalb Stunden fast komplett außen vor und die, die es doch zu hören gibt, sind eher Pflicht als Kür: "Fernsehen mit deiner Schwester" wird kurz abgehandelt und die von Pleiten, Pech und Pannen begleitete, mehr schlecht als recht a-cappella zu Ende gebrachte Aufführung von "Unten am Hafen" ist - zum Glück schon früh im ersten Set - der unerwartete Tiefpunkt des Auftritts. Selbst das eigentlich unkaputtbare "Ich habe nichts erreicht außer dir" hat schon mal zwingender geklungen, wenngleich die auf die aktuelle Situation umgemünzte Zeile "Wir werden in den Urlaub fahren, in einem halben Jahr... nein, in zweieinhalb Jahren" natürlich goldig ist.
Stattdessen stehen viele sonst eher selten gespielte, gerne etwas düster-melancholische Lieder wie "Wilde Brombeeren", "In meiner letzten Stunde" oder "Berlin war stärker" (letztere zwei aus dem nicht unbedingt augenzwinkernd betitelten Album "Sag Hallo zur Hölle") oder das gemeinsam mit Paul Kuhn geschriebene "Unsere Liebe blüht im Dunkeln" im Mittelpunkt und Songs, die unterstreichen, dass Begemann seine besten Momente als Songwriter hat, wenn er seine grüblerischen Gedanken, seinen Herzschmerz direkt in seine Lieder fließen lässt. Als er nacheinander "Ich kann dich nicht kriegen, Katrin" und "Wenn du mich dann liebst" spielt und damit für die intensivsten zehn Minuten des gesamten Auftritts sorgt, ist klar: So klingt Musik, die einen gut durch die Nacht - und durch trübe Corona-Zeiten - bringt.

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Surfempfehlung:
bernd-begemann.de
www.facebook.com/BerndBegemann
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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