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Konzert-Bericht
 
"Lasst uns den Moment genießen!"

Laetitia Sadier

Köln, Stadtgarten
01.11.2020

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Laetitia Sadier
Mit ihrer Band Stereolab machte Laetitia Sadier an der Seite von Tim Gane zwei Jahrzehnte lang detailverliebt und facettenreich genresprengende Musik im Indie-Pop-Dunstkreis, die oft herrlich verschwurbelt, aber doch mit einer unfassbaren Coolness gesegnet war. Bei ihren Alleingängen zieht die in London lebende Französin dagegen speziell auf der Bühne eher eine nüchterne Sachlichkeit vor und entblößt sich bei ihren Soloauftritten klanglich so weit wie möglich, wenn sie - wie bei ihrem Gastspiel im Kölner Stadtgarten Anfang November - ihre Lieder auf Stimme, Stromgitarre und einige wenige Live-Loops reduziert.
"Lasst uns den Moment genießen", sagt Laetitia Sadier zur Begrüßung, schließlich gehen auch im Stadtgarten trotz eines wirklich guten Hygiene- und Sicherheitskonzepts mit Luftfiltern, großzügigem Abstand zwischen den Reihen und schützenden Klarsicht-Roll-ups zwischen den Sitzen nach diesem Konzert Pandemie-bedingt vorerst die Lichter aus. Beinahe wäre auch diese Show bereits den COVID-19-Gegenmaßnahmen zum Opfer gefallen, denn ursprünglich war sie erst für den nächsten Tag geplant, doch kurzfristig konnte sie auf Sonntagabend vorgezogen werden und so noch stattfinden. Tatsächlich passt Sadiers Solo-Performance perfekt zur gedämpften Stimmung, die über diesem letzten Abend vor dem "Lockdown light" liegt, denn viele der streckenweise klanglich an Bossa Nova und Easy Listening angelehnten Lieder umweht eine gewisse herbstliche Stimmung, und in der unverwechselbaren Stimme der inzwischen 52-jährigen Künstlerin liegt stets ein Hauch von Schwermut.

Rund eine Stunde lang spannt Sadier mit 13 Songs einen Bogen von den frühesten Tagen ihrer Solokarriere mit Monade ("Ode To A Keyring" ist, so verrät sie, das dritte Lied, das sie je geschrieben hat) bis hin zu den Highlights ihres aktuellen Werkes "Find Me Finding You" und deckt dabei auch inhaltlich eine große Bandbreite ab. Mit dem auf Französisch gesungenen "Galactic Emergence" ist ihr vielleicht schönstes Liebeslied genauso im Programm wie eine Reihe politisch motivierter Songs, die unterstreichen, dass das erste Monade-Album nicht rein zufällig "Socialisme Ou Barbarie" hieß: "Reflectors" wurde unterbewusst vom Brexit inspiriert, "The Woman With The Invisible Necklace" handelt von Indoktrination, Tyrannen und der Mitschuld jedes Einzelnen an dem ganzen Schlamassel. "Lasst uns das Beste aus der Situation machen. Vielleicht ergibt sich ja daraus die Chance, gemeinsam daran zu wachsen", gibt sie ihrem Publikum mit auf den Weg, bevor sie sich am Ende noch den George-Gershwin-Standard "Summertime" zu eigen macht. "Hoffentlich sehen wir uns beim nächsten Mal unter besseren Umständen wieder - in einer neuen, besser entwickelten Welt."
Die in den Liedern oft mitschwingende hypnotische Gleichförmigkeit kommt in voller Bandbesetzung zwar etwas besser zur Geltung als heruntergebrochen auf das Solo-Format, dennoch besitzt Sadier natürlich genug Charme und Charisma, um das ganz locker auszugleichen - selbst als sie die ungeplante zweite Zugabe doch nicht spielen kann, weil ihr der Anfangsakkord nicht einfallen will. Man könnte auch sagen: Wenn man sich schon auf die kulturelle Eiszeit einstimmen lassen muss, dann doch am liebsten mit französischem Akzent!

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/LaetitiaSadierOfficial
www.instagram.com/sadierlaetitia
laetitiasadier.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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