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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Licht im Nebel

Charlotte Brandi

Quarantine Concerts, Berlin, Festsaal Kreuzberg
12.12.2020

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Charlotte Brandi
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

Natürlich war das so nicht geplant: Bis kurz vor dem vorletzten Lockdown (die sollte man jetzt langsam mal durchnummerieren) war das Konzert von Charlotte Brandi im Festsaal Kreuzberg sogar noch als "echtes" Livekonzert mit Publikum im Rahmen einer ganzen Wintertour angekündigt, mit der die gewesene Me & My Drummer-Vorsitzende die Veröffentlichung ihrer ersten deutschsprachigen EP "An das Angstland" (auf der sie ihr Verhältnis zum "Frau sein" thematisiert) feiern wollte. Wie wir wissen, konnte daraus nichts werden. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, wenigstens noch ein kleines musikalisches Ausrufezeichen setzen zu können, kamen Charlotte und ihr neues Label auf die Idee, zumindest das im Konzertsaal Kreuzberg geplante Konzert als Live-Stream-Event anzusetzen. Denn mit der Show von Labelkollegin Catt hatte man diesbezüglich bereits einschlägige gute Erfahrungen gesammelt.
Anders als im Falle von Catt - die mit ihrer kleinen Band aufgetreten war - verzichtete Charlotte auf das große Besteck und präsentierte dann mutterseelenallein die Songs ihres englischsprachigen Solo-Debüts "The Magician" sowie die der "Angstland"-EP und nicht zuletzt zwei charmante Coverversionen von Martha Wainwright und The Roches. Stimmungsmäßig führte das spartanische Setting dann dazu, dass das Ganze unter dem Motto "gute Miene zum bösen Spiel" ablief - denn das Fehlen jedweden Feedbacks kratzte sichtlich an Charlottes Gemütslage. Anders als vielleicht zu vermuten stünde, sind nämlich keineswegs lautes Plappern, Buh-Rufe oder andere Missliebigkeitsbekundungen das Schlimmste für einen Live-Performer, sondern vielmehr das Ausbleiben irgendeiner Reaktion. Als Performerin setzt Charlotte Brandi ja schon im Allgemeinen mehr auf die Kraft ihrer Kompositionen als auf Entertainment und coole Sprüche - in dem eher sterilen Setting eines Solo-Live-Konzertes in einem riesigen leeren Saal verstärkte sich dieser Effekt noch ein Mal deutlich. Will meinen: Während die Songs an sich durchaus ihre volle Wirkung entfalteten - zumal die Aufmerksamkeit insbesondere auch bei den deutschsprachigen Tracks stärker auf Charlottes intelligente, poetischen Texte gelenkt wurden, die auf der "Angstland"-EP ja zudem noch einen aktuellen sozialpolitischen Bezug haben.

Die Show selbst war dann in zwei Teile gesplittet: Die englischen Songs präsentierte Charlotte weitestgehend an ihrem Keyboard sitzend und die deutschen Lieder dann entsprechend an der Gitarre. Das hatte auch damit zu tun, dass sich Charlotte auf der Solo-LP das Klavier als Leitinstrument ausgesucht hatte, während diese Rolle bei der EP eher von einer Gitarre ausgefüllt wird. Interessant in diesem Zusammenhang ist aber auch noch Charlottes Entwicklung als Solo-Live-Performerin zu sehen. Denn erwies sich die Reduktion auf die Solo-Ebene auf der Bühne zu Beginn der "Magician"-Phase zunächst als Hindernis in Bezug auf die vertrackte Qualität von Charlottes Kompositionen, so eignete sie sich im Laufe der Zeit eine emotionalere Herangehensweise an, die dazu führte, dass so manche Schluckauf-Passage vereinfacht und der Vortrag zugleich emotionaler wurde. Die Sache verlagerte sich also allmählich vom Kopf über den Bauch zum Herz. Bei den deutschsprachigen Songs ist das weniger ausschlaggebend, da Charlotte als Songwriterin hier von vorneherein stärker auf die melodische, als auf die strukturelle Komplexität setzte. Es wurde dann im Folgenden auch gar nicht versucht, die reichhaltigen, verspielten Neo-klassizistischen Arrangements der EP irgendwie zu emulieren. Auch stand natürlich nicht Dirk Von Lowtzow als Duettpartner bei der aktuellen Single "Wind" zur Verfügung - wie bei der Studioversion. Es war dann tatsächlich die melodische Qualität und der lyrische Inhalt, der gerade diese Songs zu voller Blüte brachten. Das übertrug sich dann auch auf die englischen Songs wie "The Sting", die Charlotte nun mit der gleichen emotionalen Aufmerksamkeit bei gleichzeitiger performerischer Zurückhaltung bedachte. Zu den Highlights der Show gehörten dann auch die Coverversionen, denn Martha Wainwrights "Bloody Mother Fucking Asshole" verkaufte Charlotte trotz des kontroversen Inhaltes als versöhnliche Ballade und der "Hammond Song" von The Roches funktionierte auch ohne Gesangsharmonien. Wäre mal interessant zu erfahren, warum Charlotte gerade diese Songs ausgewählt hatte.
Die Performance kam ohne großartige Spezialeffekte aus. Charlotte stand mit ihrem jeweiligen Instrument vor einer Reihe von Blumenkübeln und den Vinyl-Editions ihrer Solo-Veröffentlichung und die Regie bemühte sich, mit verschiedenen Kamera-Einstellungen, Überblendungen und Beleuchtungseffekten ein wenig Abwechslung auf der optischen Ebene beizusteuern. Alleine auf den zu üppigen Einsatz von Kunstnebel hätte gerne verzichtet werden dürfen. Denn während ein wenig Nebel der räumlichen Darstellung von Fernsehbildern durchaus zuträglich ist, führt zu viel - wie beim Präsenzkonzert auch - lediglich dazu, dass man die Performer nicht mehr so richtig erkennen kann. Immerhin: Auf diese Weise tauchte Charlotte Brandi am Ende des Öfteren wie eine Leuchtgestalt aus eben diesem Nebel auf.

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Surfempfehlung:
www.charlottebrandi.com
www.facebook.com/charlottebrandimusic
www.instagram.com/charlottebrandimusic
www.youtube.com/watch?v=OE-N8uBNTNI
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigaben-


 
 

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