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Konzert-Bericht
 
...und täglich grüßt das Eichhörnchen

Darjeeling
Maria Basel

Wuppertal, Waldbühne Hardt
11.06.2021

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Darjeeling
Es gibt sie noch, die fast vergessenen Spielorte mitten in der Natur, die inzwischen eigentlich so uncool und altmodisch geworden sind, dass sich höchstens noch mal ein Schulorchester, eine Coverband oder ein drittklassiger Comedian dorthin verirrt. Doch in Pandemiezeiten ist alles anders, und deshalb kommen dieser Tage Orte wie der Musikpavillon Planten un Blomen in Hamburg, die Freilichtbühne in Wattenscheid oder eben auch die Waldbühne Hardt in Wuppertal in den Genuss feiner Indie-Konzerte - auch wenn das noch nicht alle mitbekommen haben. Als ungeplanter Warm-up-Act turnt zum Auftakt der sommerlichen Waldbühne-Konzertreihe gegen 20.00 Uhr erst mal ein Eichhörnchen zwischen den Instrumenten über die Bühne und stagedived danach - unerwartet wenig menschenscheu oder einfach nur komplett irritiert - sogar noch ins Publikum, bevor es wieder im Wald verschwindet. "Huch", mag es sich gedacht habe, "normalerweise habe ich freitags die Bühne doch für mich allein!" An diesem Abend jedoch sind zwei der spannendsten Acts Wuppertals hier zu Gast: die an dieser Stelle bislang sträflich vernachlässigten, unmöglich zu kategorisierenden Darjeeling und Maria Basel, die als Solistin den Weg vom Jazz zum Indietronic-Pop gefunden hat. Die großformatigen (und übrigens sehr formschönen) Konzertplakate, die überall hingen, hat der keine Nager wohl übersehen! Doch so ungewohnt Konzerte dieser Couleur in diesem Rahmen auch sein mögen: Die von viel Grün und einer imposant steilen Felswand (Bergisches Land!) umschlossene Waldbühne entpuppt sich an diesem warmen Sommerabend schnell als der ideale Ort für ein famoses Konzerterlebnis.
Als Sängerin, Komponistin, Produzentin und DJ mischt Maria Basel schon seit einigen Jahren die Musikszene in Wuppertal und Umgebung auf, trotzdem ist sie vielen Indierockern und Indierockettes erst seit "Lioness", der Veröffentlichung ihrer Solo-Debütsingle für Listen Records im vergangenen Sommer, ein Begriff. Passend zum Titel ihrer aktuellen EP "Layers" ist die in der Ukraine geborene, klassisch ausgebildete Musikerin auf der Bühne allein, aber - ähnlich wie ihre Label-Kollegin CATT - doch nicht als echte Solistin unterwegs, um ihre bisweilen mitten aus dem Leben gegriffenen, aber doch sehr bedachten Texte schichtweise zu orchestrieren. Live-Loops und Backingtracks aus dem Laptop umgarnen das Piano und Basels einnehmende Stimme, die in den besten Momenten ein wenig an das Timbre von Sharon Van Etten zu erinnern scheint. Sanfte Beats, umschmeichelnde Synthssounds und aufgetürmte Gesangslinien sorgen so trotz der auf den ersten Blick minimalistisch anmutenden Präsentation für viel Abwechslung, wenn Basel - nach der langen Konzertpause verständlicherweise etwas aufgeregt, aber dennoch betont selbstbewusst und live deutlich echter, als sie in ihren kunstvollen Videos erscheint - zwischen Indie-Pop, Downtempo-Electronica, Jazz und R&B ihr eigenes Ding macht. Ein feiner Auftakt!
Apropos "ihr eigenes Ding machen". "Hello. We were and are a band from Wuppertal and we play it as we like it" heißt es zur Begrüßung auf der Facebook-Seite von Darjeeling, und das ist nicht geflunkert. "Maguna", das aktuelle dritte Album des Trios, das zumindest auf der Bühne nun ein Quintett ist, unterstreicht noch mehr als der Vorgänger "Hokus Pokus" vor zwei Jahren, dass sich Darjeeling zwischen allen Stühlen am wohlsten fühlen. Auch live wird das schnell deutlich, denn von tiefenentspannten Nummern mit ausufernden Instrumentalpassagen, die bisweilen im Sitzen gespielt werden, bis zu wüst aufbrausenden Songs, bei denen im wahrsten Sinne des Wortes alle Lampen an sind und die Musiker über die Bühne toben und das Haupthaar schütteln, ist es oft nur ein kurzer Weg. Ihre Krautrock-Wurzeln haben Sänger und Gitarrist Jan Richard (Gitarre, Gesang), Markus Kresin (Bass, Gesang) und Fabian Till (Keyboards, Bongos, Gesang, Blödsinn) trotz eines weiterhin unüberhörbaren Faibles für klassische Moog-Synthklänge ein gutes Stück hinter sich gelassen, die Lust am Experimentieren ist aber auch weiterhin spürbar, etwa, wenn die Musiker mit ungewohnten Taktarten hantieren. Gleichzeitig aber ist auch ihr Bestreben bemerkbar, sich vermehrt poppigeren Klängen zu widmen, bei denen mal Pink Floyd, mal Phoenix, mal Stereolab oder mal Khruangbin in der Ferne zu leuchten scheinen und ein wenig Flaming Lips'sche Spleenigkeit und viel Spaß am eigenen Tun auch noch im Spiel sind. Schöne Melodien und mutige Akkorde - Darjeeling mögen beides und treffen mit ihrem 80-Minuten-Auftritt auch bei der Hometown-Crowd den richtigen Nerv. Restlos begeistert erklatschen sich die rund 300 Gäste, die an diesem Abend für eine fast ausverkaufte Waldbühne sorgen, am Ende noch zwei Zugaben, bevor kurz nach zehn der Strom abgedreht wird. Wie dem Eichhörnchen die Musik gefallen hat, ist dagegen nicht überliefert...

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Surfempfehlung:
www.darjeelingband.com
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www.instagram.com/darjeelingband
darjeelingmusic.bandcamp.com
www.mariabasel.de
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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