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Some Velvet Evening

Donna Blue

Dorsten, Oude Marie
02.07.2021

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Donna Blue
Danique van Kesteren und Bart van Dalen sind in guter Gesellschaft unterwegs. Lee Hazlewood und Nancy Sinatra, Serge Gainsbourg und Jane Birkin, aber auch Hope Sandoval und David Roback von Mazzy Star oder Laetitia Sadier und Tim Gane von Stereolab sind nie weit, wenn die zwei Niederländer, die auch privat ein Paar sind, mit ihrer Band Donna Blue makellosen Westcoast-Pop aus Amerika, psychedelisch umspülten Yé-Yé aus Frankreich und verträumten Indie-Pop mit viel Hall und noch mehr Twang in herrlich ausgeblichenen Retro-Ohrwürmern verschmelzen lassen. Mit seinem feinen Gastspiel in Dorsten feiert das Duo, das auf der Bühne ein Quartett ist, Anfang Juli das Ende des langen COVID-19-Winterschlafs und fasziniert mit einem sinnlichen Sound, der den Geist der 60er-Jahre atmet, am Ende aber doch zeitlos schön strahlt.
Strahlend schön ist an diesem Freitagabend auch das Wetter, und fast muss man sagen: Es ist ein bisschen zu schön. Eigentlich passt die Musik von Donna Blue viel besser in eine schummerige Pariser Kellerbar oder in einen verruchten Club auf dem Sunset Strip in Hollywood als in ein von der Abendsonne ausgeleuchtetes Amphitheater im Ruhrpott, zumal die Protagonisten ein wenig zu schüchtern sind, um das Umsonst-und-draußen-Publikum vom Fleck weg einzufangen. Dass es trotzdem ein richtig schöner Konzertabend wird, liegt so vor allem an den hinreißenden Songs der Niederländer, die intim, nostalgisch und träumerisch zugleich sind. Für ein bisschen Nostalgie sorgt auch das Bühnenbild. In der Mitte steht ein abgewetzter alter Koffer mit dem fluoreszierenden Logo der Band und auch ein Großteil des rosenverzierten Instrumentariums hat Vintage-Charakter, wenngleich die Keyboards offensichtlich aus diesem Jahrtausend stammen und so unterstreichen, dass Donna Blue nicht auf absolute Authentizität aus sind, sondern den Sound von gestern und vorgestern auf ihre Weise neu interpretieren wollen.

Als die vier Musiker - neben van Kesteren (Stimme, Mellotron, Synth, Percussion) und van Dalen (Gitarre, zweite Stimme) noch Bassist Pieter Zaal und Schlagzeuger Dorus Smit - um kurz nach 20.00 Uhr die kreisrunde Bühne betreten, schallt Ritchie Valens' unsterbliche Schmachtballade "Donna" aus den Lautsprechern, trotzdem ist für Rührseligkeit erst einmal kein Platz. Denn auch wenn es einst die geheimnisumwitterte, von undurchdringlichem Nebel umwehte Atmosphäre von David Lynchs bahnbrechendem Mysterydrama "Twin Peaks" und die unwirkliche Stimmung des bis heute unerreichten Soundtrack der legendären Fernsehserie waren, die Donna Blue auf den Weg brachten, stellt das Quartett in Dorsten einige seiner dynamischsten Songs an den Anfang. Bei "Paradis" und "Un, Deux, Trois" steht sofort zu Beginn das Faible für Lieder mit frankophoner Note im Mittelpunkt, während das heitere "Billy" mit Girl-Group-Ästhetik und einem ungewohnt rasanten Finale - Synthorgelsolo von van Kesteren inklusive - begeistert.

Für "Get Away" schalten Donna Blue dann zwei, drei Gänge zurück und widmen sich einem sanften 50s-Vibe mit hingehauchtem Gesang, anschmiegsamer Melodie und nostalgisch glänzenden Gitarren, bevor sie mit "Desert Lake" in die gleißende Hitze der Wüste von Joshua Tree entführen und dabei eine Atmosphäre zwischen Spaghetti-Western und Tarantino-Soundtrack heraufbeschwören. "The Idea" bezirzt danach mit unwiderstehlichem Groove und erstmals auch mit den ineinander verwobenen Stimmen von Van Kesteren und van Dalen, nachdem sich der Gitarrist zuvor fast ausschließlich auf seine Rolle an den sechs Saiten beschränkt hatte. Das störrische "Arlene's", auf Platte viereinhalb Minuten lang, schwillt derweil live auf rund sieben Minuten an und kokettiert dabei immer wieder mit der bedrohlich anmutenden Dramatik, die auch bei "Twin Peaks" hinter jeder Ecke lauerte. Auch "Fool", in der Studioversion eine sentimentale Crooner-Nummer mit dem Charme vergilbter Postkarten, nimmt mit einem neuen, aufbrausend-epischen Finale eine ganz neue Wendung und empfiehlt sich so als heimliches Highlight.

Zu den Songs der drei bisher erschienenen EPs - nur "Holiday" glänzt überraschenderweise mit Abwesenheit - gesellen sich neben "The Idea" einige weitere neue Songs, von denen vor allem das psychedelisch flirrende "The Beginning" heraussticht, und ein Cover-Duett, das van Kesteren und van Dalen die Chance gibt, sich auf der Bühne ein bisschen näherzukommen. "Summer Wine" von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra mag eine offensichtliche Wahl sein, diese betont schnörkellose Version mit ordentlich Drive ist aber trotzdem sehr gelungen, zumal sich mit diesem auch die Anspannung auf der Bühne zu lösen scheint. Nachdem sie zuvor hoch konzentriert und in sich versunken zu Werke gegangen war, huscht van Kesteren nun erstmals ein sichtbares Lächeln übers Gesicht, und plötzlich ist auch die Distanz zu den Zuschauern merklich kleiner.
Das Finale bestreiten Donna Blue dann mit zwei ihrer ältesten Lieder. Eigentlich soll nach ihrem heimlichen Hit für die Ewigkeit, dem famosen "Sunset Boulevard", schon Schluss sein, aber weil das Publikum die Band noch nicht gehen lassen will, gibt es als Zugabe noch "Baby" zu hören, mit dem die Band stilistisch gewissermaßen den Bogen zurück zu der Ritchie-Valens-Nummer schlägt, die ganz am Anfang gestanden hatte. Obendrein gibt der kurze Song van Kesteren und van Dalen noch einmal die Gelegenheit, lachend die Köpfe zusammenzustecken und in das gleiche Mikro zu singen. Ein schöneres Ende hätte man sich kaum vorstellen können.

Weitere Donna-Blue-Konzerte in Deutschland: 07.09.21 Düsseldorf, Zakk (Fem Pop), 08.09.21 Köln, Bumann & Sohn, 06.10.21 Bonn, Harmonie (WDR Crossroads)

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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