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Konzert-Bericht
 
Federleicht, mit Ambitionen

Oracle Sisters

Dorsten, Oude Marie
25.06.2021

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Oracle Sisters
Die Oracle Sisters erklären die Krise für beendet. Rund 40 Konzerte haben die französischen Indie-Pop-Shootingstars für dieses Jahr auf der Agenda, acht europäische Länder wollen sie besuchen, darunter Metropolen wie Berlin, Barcelona, Amsterdam, London und natürlich Paris. Den Start dieses Mammutunternehmens feiern sie allerdings ausgerechnet in... Dorsten! Was auf den ersten Blick seltsam erscheint, ist bei genauerem Hinsehen allerdings gar nicht so ungewöhnlich. Denn zumindest in Nordrhein-Westfalen gibt es diesen Sommer wohl kein geschmackssichereres und noch dazu internationaleres Indie-Musikprogramm als in der 80.000-Einwohner-Stadt im nördlichen Ruhrgebiet, wo auf der Amphitheater-Bühne der Oude Marie, mitten im frisch aufgemöbelten Bürgerpark und nur einen Steinwurf vom Weser-Datteln-Kanal entfernt, offenbar nur auf die Bühne darf, wer von irgendwelchen Musikfachblättern bereits zum "Next big thing" der Indie-Welt ausgerufen worden ist. Donna Blue (Holland), L.A. Salami (England), Long Tall Jefferson (Schweiz) und Loupe (Holland) haben sich bereits angesagt, den Anfang aber machten bei bestem Open-Air-Konzertwetter die Oracle Sisters mit einem wirklichen feinen Auftritt.
Ganz geheuer ist dem Trio, das zumindest auf der Bühne inzwischen ein Quintett ist, die ganze Sache zunächst noch nicht. Der Soundcheck gestaltet sich langwierig und ist nicht ohne Tücken, selbst um kurz nach acht, als das Rund der Oude Marie schon fast voll besetzt ist, wummert und fiept es noch mehr, als es soll. Auch die Tatsache, dass im Publikum keine Indie-Connaisseure, sondern fast ausnahmslos Menschen sitzen, die altersmäßig problemlos die Eltern, wenn nicht gar Großeltern der Musiker sein könnten, scheint nicht unbedingt ein Garant für einen rauschenden Abend zu sein. Tatsächlich dauert es ein paar Songs, bis sich Band und Zuschauer aneinander gewöhnt haben, aber spätestens als am Ende ob des tosenden Beifalls gleich zwei eigentlich gar nicht geplante Zugaben hermüssen und sich das Quintett nach rund 75 Minuten freudestrahlend und winkend von seinen Gästen mit einem herzlichen "Dorsten!!! Woo-hoo!!!" verabschiedet, ist klar, dass die anfängliche Skepsis vollkommen unbegründet war - und das liegt ganz sicher nicht nur an den entzückenden Versuchen der Musiker, bisweilen mit ein paar Brocken Deutsch zu kommunizieren.

Tatsächlich muss man kein Intim-Kenner des Alternative Pop sein, um an diesem Abend schnell zu merken, dass die Oracle Sisters nicht nur charmant, sondern auch außergewöhnlich sind. "Abenteuerlich und einzigartig" nannte der NME die Band bereits, und das ist nicht geflunkert, denn so federleicht und tiefenentspannt viele der behutsam aufgeschichteten, melodieseligen Sommer-Pop-Songs auch klingen - es steckt doch auch eine Menge Ambition und Abwechslung im Tun von Lewis Lazar (Gesang, Stromgitarre), Christopher Willatt (Gesang, Akustikgitarre), Julia Johansen (Gesang, Schlagzeug) und ihren beiden neuen Mitstreitern Jerome Goldet am Bass und Reni Lane am Keyboard. Oft ist es von Khruangbin zu Crosby, Stills & Nash nur ein Katzensprung, sind sich psychedelisch umspültes Dream-Folk-Ambiente und unerwartet bluesgetränkte Gitarrensoli (mit der passenden Mimik Lazars) näher, als man das erwarten würde. Der Sound, der dabei entsteht, ist vintage und auch gerne etwas nostalgisch, aber nie altbacken. Komplexe Gesangsharmonien, bei denen die unterschiedlichen Stimmfarben von Lazar, Willatt und Johanson wirkungsvoll zur Geltung kommen, treffen auf eine oft betont sanfte, zurückhaltende Instrumentierung, die trotz der neu hinzugekommenen Keyboard-Parts immer noch eher minimalistisch daherkommt. Das gilt für den (un-)heimlichen Hit "Asc. Scorpio" genauso wie für "I Don't Wanna Move", bei dem Lazar und Willatt unterstreichen, wie viel Simon & Garfunkel in ihnen steckt.
Dass die fünf aber auch anders können, zeigen nicht zuletzt die Ausblicke auf die Debüt-LP, die derzeit in Arbeit ist. "Hail Mary" hat ordentlich Wumms und bei "Cigale" fühlt man sich fast ein wenig an die balladesken Momente von The Velvet Underground erinnert, bevor ganz am Ende mit "Most Of All" noch einmal ein hinreißender Ohrwurm mit unwiderstehlichen "La-la-la"-Parts steht. Wenn doch alles nur so leicht wäre!

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Surfempfehlung:
www.oraclesisters.com
www.facebook.com/oraclesisters
www.instagram.com/oraclesisters
oraclesisters.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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