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Unerwartete Beförderung

Elda

Offenbach, Hafen 2
09.07.2021

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Elda
Als die holländische Post-Punk-Hoffnung Global Charming um kurz nach 18.00 Uhr über ihre Social-Media-Kanäle ein Foto eines zerbeulten Autos, einer gesperrten Autobahn und Blaulicht im Hintergrund teilt, ist klar: Dieser Abend wird etwas anders als gedacht. Denn auch wenn zum Glück aus dem Kreis der Band niemand zu Schaden kam - an einen Auftritt in Offenbach ist für das Quartett an diesem Tag nicht zu denken. Dass es trotzdem noch ein richtig schöner Konzertabend im Hafen 2 wird, liegt deshalb allein an Elda. Die Frankfurter Band um Leila Antary und Alessa Stupka, für die "Indiepop" als Schublade schon immer viel zu klein war, bedankt sich für die unerwartete Beförderung vom Supportact zum Headliner mit einem ganz feinen Auftritt, der schnell vergessen lässt, dass viele im Publikum eigentlich wegen Global Charming oder gleich wegen des anschließenden Hafenkino-Films in das direkt am Main gelegene Kulturzentrum gepilgert sind.
Genretechnisch sind Elda zwischen den Stühlen zu Hause und an diesem Freitagabend auch zwischen den Bäumen. Weil die Äste bis weit über die kleine Biergartenbühne ragen, nehmen Elda heute der Größe nach Aufstellung, und auch wenn Bassistin und Sängerin Alessa so etwas mehr im Mittelpunkt steht als sonst, präsentiert sich das Quartett doch als echte Einheit. Denn auch wenn die vier auf den ersten Blick vollkommen unterschiedliche Charaktere zu sein scheinen - am Ende ergänzen sich Alessas expressive Mimik im Judith Holofernes’schen Sinne und ihre Körpersprache zwischen Hip-Hop-Moves und Schattenboxen und Leilas betont unaufgeregtes Auftreten als ruhender Gegenpol an Gitarre und Gesang genauso organisch, wie sich klanglich DIY-Indie-Tugenden und kleine, große Pop-Momente mit Energie und Drive ganz nah sind und die beiden Stimmen der Protagonistinnen miteinander verschmelzen. Schlagzeugerin Annelie Schwarz und Gitarrist Daniel Hertel kommt derweil die Rolle zu, den Sound mit hinreißenden Grooves und bisweilen subtilen, aber sehr wirkungsvollen Licks kunstvoll auszustaffieren, eine Aufgabe, die sie durchaus unterschiedlich lösen. Während Annelie voll in den Songs aufzugehen scheint, widmet sich Daniel selbst dem Eggshaker mit der gleichen (scheinbar grimmigen) Entschlossenheit, mit der er zuvor die Gitarre und einige wenige Male auch den Bass bedient hat...

Rund eine Stunde stehen Elda auf der kleinen Bühne - es hätte auch noch länger sein können, hätten sie nicht die stürmisch geforderte Zugabe verweigert, weil sie die üblichen Pop-Biz-Spielchen nicht mitmachen wollen - und lassen dabei mit zwölf Songs aus all ihren bisherigen Veröffentlichungen den Weg von wuchtiger New-Wave-Düsterkeit zu vertrackten Progressive-Elementen, von luftigem Dream-Pop mit 90s-Touch zu knackigem Zeitgeist-Pop ganz kurz werden. Besonders beeindruckend dabei: Obwohl Elda nicht mit Effekten geizen, klingen die Songs stets organisch und natürlich, denn anders als bei vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern heute gibt bei den vieren die Technik nicht die Richtung vor, sondern hilft nur dabei, die menschliche Note zu akzentuieren. Mit "Heartbreak Hanna" räumen Elda das (un-)heimliche Highlight ihrer ersten EP "Trees&Birds" schon früh am Abend aus dem Weg, mit "O.C." blicken sie auf den Nachfolger "Hideout" zurück, doch im Mittelpunkt stehen natürlich die Lieder der im Frühjahr veröffentlichten "Golden Bowl"-EP, auf der Elda textlich verstärkt eine Brücke vom Persönlichen zum Gesellschaftspolitischen schlagen, etwa bei "8 Meters", mit dem Leila ihre erste Reise nach Palästina - der Heimat ihres Vaters – verarbeitet, oder wenn sie im unwiderstehlichen Schlusssong "What If" Entscheidungsfreiheit und Autonomie in den Fokus rücken und mit einem Augenzwinkern fordern: "Choose your chains". Sogar die nächste Single des Quartetts, die noch diesen Sommer erscheinen soll, ist im Set und verbindet einmal mehr Eigensinn und Eingängigkeit.
Doch so ernst es der Band mit ihrer Musik auch ist: Wenn zwischen den Songs die Konzentration und die Anspannung abfallen, spürt man, wie glücklich die vier sind, endlich wieder live vor Publikum spielen zu dürfen. 30 Leute waren bei ihrem Comeback-Auftritt nach dem Lockdown vor einigen Wochen in Darmstadt zugelassen, im Hafen 2 ist die Zahl an diesem Abend deutlich dreistellig, und ganz ehrlich, wenn es schon bald noch viel mehr wären - nach diesem famosen Auftritt würde es uns nicht wundern!

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Surfempfehlung:
www.elda-band.de
www.facebook.com/eldaofficial
www.instagram.com/eldaband
elda2.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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