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Cologne Madnessssss

Thala
Tigermilch

Köln, Bumann & Sohn
14.08.2021

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Thala
Es war Freitag, der 13. Ausgerechnet den Tag im März 2020, an dem das Coronavirus das kulturelle Leben in Deutschland endgültig stoppte, hatte sich die Berliner Dream-Pop-Poetin Thala ausgesucht, um ihre allererste Single zu veröffentlichen. Doch anstatt zu verzweifeln und wie so viele in der Branche den Kopf in den Sand zu stecken, beweist die junge Musikerin seitdem, dass man mit viel Fantasie, Können und Ausstrahlungskraft auch trotz Pandemie richtig durchstarten kann. Beeindruckende Zugriffszahlen auf Spotify, Airplay bei BBC Radio 1 in London, Sessions für renommierte Medien wie die Pariser Blogotheque, Einladungen zu den angesehensten deutschen Festivals (Immergut, Stadt ohne Meer, Reeperbahn Festival) und jetzt auch gleich bei der Premiere mit Band ausverkauftes Haus in Köln - alles, was Thala anfasst, scheint sich innerhalb kürzester Zeit in Gold zu verwandeln.
Mit viel Vorschusslorbeeren kommt auch die Band ins Bumann & Sohn, die den Abend eröffnet. Die Kölner Tigermilch reihen sich klanglich dort ein, wo zwischen dem raffinierten Jazz-Pop der 70er, dem kühlen 80s-Synth-Pop und dem perlenden Neo-Soul der 00er-Jahre noch Platz für ein bisschen Eigensinn ist. Doch nicht nur klanglich finden Tigermilch für ihren gekonnt handgemachten Vintage-Sound in Amerika Inspiration, auch textlich schlagen sie eine Brücke zurück zu den smoothen Banalitäten, die einst die Künstler ins Mikro säuselten, auf deren Schultern sie heute stehen. Dazu passen auch die oft ein bisschen ironischen Ansagen von Sänger und Keyboarder Ben Werchohlad, die je nach Sichtweise sagenhaft lässig oder ein wenig zu schluffig sind. Spät abends in einem schummerigen Kellerclub mit Tanzfläche und Bourbon im Glas sind Tigermilch sicher unschlagbar, bei 25 Grad, Sonne und Biergartensetting dagegen springt der Funke um kurz nach halb acht nicht vollends über. Eine Zugabe dürfen die Lokalmatadore, die derzeit auf ihr erstes Album hinarbeiten, dann aber doch geben.

"Adolescence" heißt die erste LP von Thala, die Mitte September erscheinen wird, doch auch wenn sich ihre Lieder textlich zumeist um die lehrreichen, aber oft auch schmerzhaften Lektionen des Erwachsenwerdens drehen, zeigt sie bei ihrem Auftritt in Köln, dass sie künstlerisch schon jetzt im wahrsten Sinne des Wortes "ganz groß" ist - und das nicht nur, weil sie noch nie vor mehr Menschen aufgetreten ist als an diesem Abend. Mit beeindruckender Selbstverständlichkeit lässt sie in ihren versponnenen Klanglandschaften klassische Shoegazer-Tugenden und Psychedelic-Pop-Ästhetik zusammenfließen und übersetzt dabei die grüblerische Nachdenklichkeit der Texte nicht selten in farbenfrohe Songs mit sommerlich anmutenden Hooks und Melodien, wenngleich zwischendurch in Liedern wie dem Titelstück des Albums, "Moonlight Shadows" oder "Nan" auch ein wenig erhabene Schwermut nicht fehlen darf.

Überhaupt fällt schnell auf, wie subtil, aber geschickt Thala ihren Sound variiert. Ohne sich je weit von den verträumten Soundscapes zu entfernen, die man von einer Künstlerin erwarten darf, die Mazzy Star, Beach House, Cigarettes After Sex und The Brian Jonestown Massacre zu ihren Vorbildern zählt, ist für die charismatische Mittzwanzigerin dennoch der Weg von psychedelisch umspülten Retro-Balladen wie "Serenade" zu jubilierenden Popsongs wie "Something In The Water" ganz kurz, zumal sie eine - oft in Hall getauchte - Stimme besitzt, mit der zwischen Hope Sandoval und Stevie Nicks alles möglich scheint. Mit ihrer aktuellen Single "Did It Again" vereint sie dann sogar praktisch alles, was sie auszeichnet, in einem einzigen Song und lässt federleichte Tagträumerei mit schimmerndem Jangle-Pop-Flair verschmelzen. Dass ihr das mit solch spielerischer Leichtigkeit gelingt, ist nicht zuletzt das Verdienst ihrer vier Mitstreiter an Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug, die sich ganz in den Dienst der Sache stellen und trotzdem an den richtigen Stellen wichtige Akzente setzen, obwohl sie erst zum zweiten Mal in kompletter Besetzung zusammen auf der Bühne stehen. Thala nennt es sogar das erste richtige gemeinsame Konzert, ohne allerdings zu verraten, warum sie die eigentliche Premiere lieber aus ihrem Gedächtnis streichen möchte...
Begeistern kann an diesem Abend aber nicht nur die Musik. Das i-Tüpfelchen ist die besondere Atmosphäre, die Konzerte noch vor der Veröffentlichung einer ersten LP umgibt, wenn weder Künstler noch Publikum so recht wissen, was sie erwartet, und beide Seiten dann in Echtzeit feststellen: Hey, das ist ganz, ganz toll gerade! Am Ende gibt's "Zugabe, Zugabe"-Sprechchöre, einen Singalong beim finalen Highlight "Contradictions" und überall vor und auf der Bühne strahlende Gesichter. "Cologne Madnessssss" nennt es Thala tags darauf auf Instagram, wir sagen: Es war ein hinreißender Konzertabend!

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/whatisthala
www.instagram.com/whatisthala
thalaofficial.bandcamp.com
www.facebook.com/tigermilchband
www.instagram.com/tigermilchband
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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