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Reisegruppe Kreisch!

Some Sprouts
Wyme

Oberhausen, Open Airea
16.07.2021

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Some Sprouts
Als an diesem Abend um kurz vor sieben etwa zwei Dutzend junge Menschen mit identischen Shirts kurz vor dem Gaesteliste.de-Abgesandten auf den Oberhausener Open-Airea-Skatepark zusteuern, steht bereits fest: Wenn die Gruppe, die so gut gelaunt sind, dass man nicht an Zufall glauben mag, nicht noch zu einem Junggesellenabschied oder zu einer verspäteten Abiturfreier abbiegt, dann wird beim Indie Radar Ruhr Open Air mit Some Sprouts und Wyme die Coronaschutzverordnung eher loser Leitfaden denn bindende Vorgabe sein. Natürlich hätten wir sofort umdrehen können und wären pünktlich zum ZDF-Freitagskrimi wieder auf dem heimischen Sofa gewesen, aber weil keine Konzerte ja auch keine Lösung sind, erleben wir einen - je nach Sichtweise wunderbar sorgenfreien oder etwas zu ausgelassenen - Konzertfreitag mit zwei Bands, die in Deutschland zu Hause sind, aber trotzdem ein Herz für britisch gefärbte Popmusik haben.
Die eingangs erwähnten Menschen entpuppen sich auf dem Open-Air-Gelände, das noch bis Ende Juli das Zuhause der diesjährigen Indie-Radar-Ruhr-Freiluftkonzertreihe ist, als "Reisegruppe Wyme", und die beschert ihren tief aus dem Westen stammenden Helden einen kreischenden Empfang, der eigentlich Bands vorbehalten ist, deren Mitlieder John, Paul, George und Ringo heißen - hochgehaltene Pappschilder mit Songnamen und Sprechchöre für den Schlagzeuger inklusive. Ganz schön beeindruckend für eine Band, deren T-Shirt-Verkäufe augenscheinlich höher sind als ihre Spotify-Zugriffszahlen! Mit erst einer EP im Rücken macht das Quintett aus Bochum bei seinem Gastspiel in Oberhausen nichts falsch, lässt bei seinem halbstündigen Auftritt aber auch das vermissen, was aus guten Bands besondere macht. Das Ungewöhnlichste an Wyme ist wohl, dass ihrem Sänger Mark zwischen den Songs bisweilen die richtigen Worte fehlen und deshalb Drummer Lars den Zeremonienmeister geben darf. Musikalisch überrascht werden an diesem Abend derweil nur diejenigen, die Überraschungen erwartet haben, denn hier ist alles wie aus dem Lehrbuch. Wyme machen Musik, die eher Pop als Indie ist und sich im Formatradio besser anhört als in einem schummerigen Kellerschuppen. Ihre Songs sind hübsch, eingängig und betont unverfänglich - dazu passen auch die Texte, die um Alltägliches, Fehler und die Liebe kreisen -, doch wenn wir ganz ehrlich sind: Viel hängen geblieben ist da nicht bei uns. In der Rückschau hinterlässt deshalb die schwer auf ihren Plastikstühlen zu haltende Reisegruppe Wyme einen tieferen Eindruck als die Band selbst.
Some Sprouts sind da ein anderes Kaliber. Der englische Indie-Pop der letzten drei, vier Jahrzehnte ist spürbar das Fundament des Sounds des Quintetts, ohne dass sich die Regensburger jedoch zu sehr an die Steilvorlagen ihrer Helden klammern. Ein dezenter Slacker-Vibe, ein bisschen MacDeMarco-Coolness und ein wenig tanzbare Sehnsucht mischt sich immer wieder in die Songs, die oft sommerliche Sorgenfreiheit suggerieren, bisweilen aber auch mit nachdenklich-melancholischer Note glänzen und so mit viel Leidenschaft eher auf Kopf und Herz des Publikums als allein auf irgendeine erfolgversprechende Spotify-Playlist zielen. Das Einzige, was ihnen im Vergleich zu ihren englischen Vorbildern fehlt, ist ein großmäuliger Frontmann, aber dass Some Sprouts lieber mit einem sympathisch zurückhaltenden Auftreten als mit Arschloch-Attitüde punkten wollen, kann man ihnen nun wirklich nicht ankreiden.

Zudem wissen die Herren aus dem Hause Blickpunkt Pop, wie man einen Hit schreibt, und ihr Set in Oberhausen ist voll davon. "At Full Capacity", "Clowns", "Summer Daze" füllen allein die ersten 15 Minuten, und spätestens danach haben Some Sprouts auch die Reisegruppe Wyme auf ihrer Seite, die nach Ende des Liedes in der Stimmpause einfach mal den - zugegebenermaßen herrlich ohrwurmigen - wortlosen Refrain des letzten Songs weitersingt, als seien wir hier auf einem U2-Konzert und "Summer Daze" sei "Pride (In The Name Of Love)"! (Die Musiker quittieren's mit einer schwer zu beschreibenden Mischung aus Begeisterung, Amüsement und Ungläubigkeit.) Später, bei "Someone You Love", brechen dann sogar alle Dämme, bis die Security dem unerwarteten Stagerush ein Ende bereitet. "Das ist doch mal ein gutes Rock'n'Roll-Konzert, wenn man vor der Bühne von der Security vor der Bühne verjagt wird", sagt Sänger und Keyboarder Joshua anschließend lachend.

Die feinen gedämpfteren Nummern im Set - allen voran "Never Easy", das Joshua und Gitarrist Jakob nur zu zweit und entspannt auf der Bühne sitzend spielen - treten derweil an diesem Abend ein wenig in den Hintergrund, kein Wunder bei einem Publikum, das mit dem Motto "So tonight I'm gonna party like it's 2019" angetreten ist und das bei der Zugabe "She Longs For You" wider besseres Wissen ein letztes Mal in die Tat umsetzt. Der Enthusiasmus ist allerdings nur zu verständlich, denn außer einer LP haben Some Sprouts so ziemlich alles, was eine richtig gute Indie-Pop-Band ausmacht.

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Surfempfehlung:
somesprouts.de
www.facebook.com/somesproutsmusic
www.instagram.com/somesprouts
www.wymeband.com
instagram.com/wymeband
indie-radar-ruhr.de
www.facebook.com/indieradarruhr
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
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