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CATT
Janou

Oberhausen, Open Airea
22.07.2021

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CATT
"Have you ever seen someone stop the time?", fragt CATT in "Curve A Line", ihrem majestätischen Song für die Ewigkeit, und macht dann bei ihrem Gastspiel beim Indie-Radar-Ruhr-Open-Air in Oberhausen genau das: Für 70 Minuten lässt die in Berlin heimische Singer/Songwriterin mit dem feinen Blick fürs Besondere die Zeit kurzerhand stillstehen und fasziniert auf der grünen Wiese der Open Airea mit ihren poetisch ausgekleideten Piano-Balladen, die Pop, Soul, Jazz und mehr streifen und sich trotz Referenzgrößen wie Carole King, Stevie Wonder oder BOY dennoch allen herkömmlichen Kategorien entziehen. Für die junge Musikerin ist es der erste echte Live-Auftritt dieses verrückten Pandemiejahres, aber nicht der letzte: Die nächsten vier Wochen ist sie in ganz Deutschland unter freiem Himmel zu erleben und im Oktober soll dann endlich ihre bereits mehrfach verschobene Club-Tournee folgen.
Es ist natürlich nur Zufall, aber ein wenig kann man trotzdem das Gefühl haben, dass sich CATT ihre Premieren immer extra für Oberhausen aufhebt. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr stellte die ursprünglich aus dem Wendland stammende Mittzwanzigerin, die eigentlich Catharina Schorling heißt, ihre Single "Willow Tree" auf der kleinen Bühne des Gdanska am Altmarkt erstmals live vor, und nun erlebt auch ihr LP-Erstling "Why, Why" seine livehaftige Feuertaufe am Niederrhein. Der Unterschied? Während "Willow Tree" direkt am Veröffentlichungstag seine Erstaufführung erlebte, musste CATT pandemiebedingt 245 Tage warten, bis sie nun erstmals die Lieder ihres Debütalbums nicht nur vor Kameras, sondern tatsächlich vor echten Menschen spielen darf.

Die erste halbe Stunde gehört allerdings Janou. Jana "Janou" Hohmann und Marius Tilly - der sich bereits mit der nach ihm benannten Bluesrock-Band einen Namen gemacht hat - haben sich einem sanften Electro-Sounds verschrieben, bei dem London Grammar, Rhye oder Lykke Li als Inspiration dienen, wenn 80s-Synth-Pop und Indie-Tugenden der Gegenwart verschmelzen. Dass die schwebenden Synthklänge des Bochumer Projekts in der Vergangenheit bereits als "schüchtern" beschrieben worden sind, ist durchaus treffend, denn im Mittelpunkt von betont unaufdringlichen, aber trotzdem eingängigen Songs wie "Sweet Love" oder "Diamonds To Coal" stehen Janous soulig-voluminöse Stimme und minimalistische, aber doch oft unwiderstehliche Grooves. Die werden - auch das eine Premiere! - an diesem Abend von Neu-Schlagzeuger Arnd Finke gespielt, und schnell wird dabei klar: Der Schritt weg von einer selbstversunkenen Knöpfchendreherperformance hin zu mehr Echtheit auf der Bühne ist eine richtig gute Idee.

Auch CATT tritt in Oberhausen gewissermaßen mit Bandbegleitung auf, braucht dafür aber weder Mitstreiter aus Fleisch und Blut noch große technische Tricksereien. Lieber loopt sie sich gleich nach dem wunderbar getragenen Beginn mit "Again" für "Sea" vor den Augen ihres erst ungläubig staunenden und dann restlos entzückten Publikums mit Stimme, Keyboard, Trompete, Posaune und im wahrsten Sinne des Wortes handgemachten Beats ein kleines Orchester zusammen, mit dem sie die große Open-Air-Bühne sofort bis in die letzte Ritze mit Leben und Sound füllt. Die Leichtigkeit, mit der sie diese Herausforderung meistert, ist auch in ihren Liedern allgegenwärtig. Denn auch wenn CATT textlich oft ihre fragende Sinnsuche in den Mittelpunkt rückt (und trotzdem dabei nie das Licht am Ende des Tunnels aus den Augen verliert) und ihre Musik zumeist von sanfter Melancholie geküsst ist, klingen ihre tiefgründigen Lieder doch stets federleicht und bestechen mit sonst selten gehörter Klarheit.
Dem schönen Sommerwetter zum Trotz betont CATT an diesem Abend vor allem ihre grüblerische Seite und präsentiert sich dabei als in sich ruhende Künstlerin. Die Freude am eigenen Tun ist zwar während der Songs unübersehbar, bei den Ansagen zwischen den Liedern aber spürt man, dass die Sorglosigkeit, die sie bisweilen früher auf der Bühne ausgestrahlt hat, inzwischen einer Nachdenklichkeit gewichen ist, die ihr gut zu Gesicht steht, gleichzeitig aber auch nahelegt, dass die vergangenen 15 Monate nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sind. Bisweilen scheint man das sogar an der Programmgestaltung ablesen zu können. Mit "Patterns" und "Away" hat sie zwei klanglich betont heitere ältere Lieder aus der Setlist gestrichen und sie durch Songs wie das von Abschiedsschmerz durchzogene "We Could Have Been" und das herbstlich schöne "Shades" ersetzt, das sie in der naturbelassenen Klavierversion spielt, die unlängst auch als Single erschienen ist.

Es spricht für CATT als Songwriterin und Performerin, dass selbst im Open-Air-Setting die stillen Momente die ergreifendsten sind – das eingangs bereits erwähnte "Curve A Line" etwa, das allein mit Stimme, Piano und ganz viel Hall auskommt und trotzdem besser als jedes andere Lied die CATT'sche Magie einfängt. Dabei braucht sie in Oberhausen gleich zwei Anläufe für den Song: Das Klackern der Boards im Skate-Park nebenan ignoriert sie genauso wie die regelmäßig am Festivalgelände vorbeiratternden Güterzüge, das Zischen der Nebelmaschine bei ihrem vielleicht gefühlvollsten Lied dagegen ist dann zu viel: "Kann der Nebel bei diesem Lied Pause machen?", fragt sie, bevor sie neu ansetzt. Er kann!

Ganz am Ende steht dann "Moon", das Lied, mit dem für CATT vor drei Jahren alles angefangen hat, und ganz ehrlich: Schöner hätte dieser wirklich ganz zauberhafte Konzertabend kaum ausklingen können.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
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