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Smoother Operators

Karanoon

Köln, Green Room
06.08.2021

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Karanoon
Nun gut: Wir haben den "Smooth Operator" schon mal bei einem Live-Review von Men I Trust zum Einsatz gebracht. Im Falle des Köln-Debüts des Quartetts Karanoon passte das aber noch besser. Eigentlich ist ein "Operator" im deutschen Sprachgebrauch ein "Frollein vom Amt". Mit dieser Assoziation kommt man bei Karanoon aber nicht weiter. Denn wenn sich Marlene Seelig, Hanna Caroline Boos, Sophie Chassée und Sabine "Monti" Müller etwas ausgebeten haben, dann ist es das, dass sie ihr Projekt Karanoon nicht als "Girlband" oder "Frauen-Quartett" - geschweige denn irgendwas mit "Frolleins" - abgestempelt sehen möchten.
Versuchen wir es mal anders: Der in dem Song von Sade besungene "Smooth Operator" ist ein "modischer Hochstapler und Gigolo, der sich elegant durch die Kreise der Jet-Set-Society" bewegt. Nun sind Karanoon zwar weder Hochstaplerinnen noch Gigoletten - aber was das elegante Bewegen durch irgendwelche Kreise betrifft, kommen wir der Sache schon näher. Denn die Musik von Karanoon - irgendwo in der Schnittmenge zwischen Jazz, Pop und Soul (die sie selbst als "Neo-Soul" klassifizieren) - lebt vor allen Dingen von ihrer organisch pulsierenden Eleganz.

Bereits auf der bislang nur digital erhältlichen Debüt-EP der studierten Musikerinnen aus Osnabrück (!) überraschte die relaxte, ja fast schon übermütig spielfreudig ausgelegte Effizienz, mit der die vier Protagonistinnen ihr Material anlegen - und dabei jedes Register der Tastatur ihres gewählten musikalischen Genres ziehen - außer vielleicht dem, sich durch prahlerische Virtuosität profilieren zu wollen, wie das bei vielen männlichen Acts aus dieser Gemengelage üblich ist. In diesem Sinne sind Karanoon also durchaus die "Smoother Operators". Dass Sade weiland einen ähnlichen musikalischen Ansatz verfolgte, wie nun Karanoon, ist dabei ein Zusatz-Schmankerl.

Im Live-Kontext fällt dann auch als erstes der unbedingte Wille auf, Karanoon als absolut gleichberechtigt agierenden Bandprojekt zu präsentieren. Angesichts dessen, dass etwa die Gitarristin des Ensembles - Sophie (die ja auch als Songwriterin in eigener Sache tätig ist) gerade wegen ihrer unglaublichen Gitarrenkünste bekannt geworden ist, Bassistin Hanna Caroline nonchalant zwischen elektrischem und Synth-Bass changiert, Drummerin Monti so ziemlich jeden synkopischen Pop-Trick drauf hat, den man sich vorstellen kann und Sängerin Marlene mit der für diese Art von Musik typischen Beiläufigkeit agiert und so tut, als langweile sie sich - dabei aber zu jeder Zeit messerscharf en pointe abliefert und auch mal mit Scat- bzw. eher Rap-Anleihen flirtet, wundert es eigentlich, dass das zweigeteilte Set von Karanoon an diesem Abend nicht aus einer Abfolge von Solo-Einlagen bestand. Stattdessen schienen alle vier Musikerinnen geradezu demütig darauf bedacht, sich selbst bloß nicht in den Vordergrund zu spielen und stattdessen einzig im Sinne des Songs zu agieren. Nur ganz selten ein Mal - wie bei dem Song "Crazy", leistete Sophie sich zum Beispiel ein Gitarrensolo, was auch als solches zu erkennen ist; widmete sich indes im Allgemeinen viel lieber ihrem Effektpedal und der unaufdringlich vielseitigen, virtuosen Rhythmus- und Atmosphären-Arbeit.

Das hat auch damit zu tun, dass bei Karanoon Dinge wie Klang, das Sounddesign und die Atmosphäre einen ganz wichtigen Stellenwert haben. Mal ein Beispiel: Wenn ein Track bei Karanoon etwa "Underwater" heißt, dann darf man sich nicht wundern, wenn der dann auch klingt, als sei er unter Wasser eingespielt worden - inklusive wellenartiger, psychedelischer Gitarreneffekte, perkussiver Stereoeffekte und sich flüssig windender Basslinien. Bei all dem geht es Karanoon aber offensichtlich nicht darum, etwas Neues erschaffen zu wollen, sondern sich in der gewählten Stilistik bestmöglich auszudrücken. Und darin sind sie wahre Meisterinnen - auch in Bezug auf die zwar generisch erscheinenden Songtitel und Lyrics, die aber stets aus genau den richtigen Versatzstücken und Referenzen bestehen.

Obwohl die EP "Nourish My Mood" nur sechs Tracks enthält, haben Karanoon keine Mühe, ein volles Programm zu bieten. Zum einen haben die Damen die Pandemie-Situation genutzt, bereits wieder neue Songs zu schreiben - wie z.B. das Stück "Trust Issues" - und zum anderen haben sie auch ältere Songs wie das lyrische "Poems For Amy" im Angebot, das Marlene mit den Worten "Wir wollen jetzt auch mal ein Ballade spielen" ankündigte. Das hängt damit zusammen, dass alle anderen Tracks ungefähr im gleichen Mid-Tempo-Bereich angelegt sind und bei "Poems For Amy" ein längerer, balldesker Intro-Teil enthalten ist. Offensichtlich kam dieser Song dann besonders gut an, denn der wurde dann auf Wunsch des Publikums als ungeplante Zugabe ein zweites Mal gespielt.
Interessant am Rande war dann noch der Umstand, dass Karanoon darauf verzichten, die im Fusion-Pop dieser Art gerne implementierten R'n'B-, Hip-Hop- und Funk-Elemente zu verwenden, und sich stattdessen ganz auf ihr kompositorisches Geschick und das Old-School-Band-Feeling verlassen. Tatsächlich spielen Karanoon auf diese Weise in einer ganz eigenen Liga.

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Surfempfehlung:
www.karanoon.com
www.facebook.com/karanoonmusic
www.instagram.com/karanoonmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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