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Zu jung für die Nostalgie

Dota

Köln, Die Kantine | Freideck
19.08.2021

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Dota
Das sogenannte Freideck ist kein neuer Kölner Club, sondern der Biergarten-Bereich vor dem Gebäude, in dem die Spielstätten Kantine und Yard Club zu finden sind, die in der Pandemie ja bislang nicht genutzt werden konnten. Somit bietet das Freideck in diesem Sommer dann eine der wenigen Möglichkeiten in der Domstadt, echte Live-Atmosphäre genießen zu können. Darauf, dass das möglich sein würde, hatte die Kleingeldprinzessin Dota von vorneherein gesetzt und die Tour zu ihrem aktuellen Album "Wir rufen dich, Galaktika" auch demonstrativ für dieses Jahr geplant. Das war natürlich sehr schön für die Fans, denn bereits mit ihrem letzten Projekt – den vertonten Gedichten der Poetin Masha Kaléko – war Dota ja in die Fänge der Pandemie geraten und hatte es beispielsweise nicht mehr geschafft, in Köln mit diesem Material aufzutreten.
Trotzdem hatten Dota und ihre Band (den von den Bassisten Alex Binder verstärkten ehemaligen Stadtpiraten) beschlossen, vor allen Dingen die Tracks des neuen Albums zu präsentieren anstatt eine Greatest-Hits-Sammlung zu spielen. Denn - so Dota - man sei einfach "zu jung für die Nostalgie". Das Konzept, die neuen Tracks in den Vordergrund zu stellen hatte dann wohl gleich mehrere Hintergründe: Zum Einen hatte Dota jede Menge neues Material mit eigenen Lyrics zur Verfügung, nachdem das letzte Album ja sozusagen auf Fremdmaterial basierte. Und dann ist das so, dass mit der Hinzunahme von Alex Binder auch eine offensichtlich andere musikalische Perspektive im Dota-Kosmos Einzug gehalten hat. Bestanden Dota-Konzerte früher gerne auch mal aus ausufernden Jam-Sessions mit einem gewissen Hippie-Flair und karibischen Akzenten, so fiel auf, dass das neue Material zwar durchaus lebhaft und spielfreudig – aber dezidiert ökonomisch im kompakten Pop-Song-Format nach Hause gefahren wurden. So gab es eigentlich nur bei dem Song "Als Ob" ein erkennbares Rockstar-Gitarrensolo von Jan Korbach. Bei allen anderen Songs ordneten sich alle Beteiligten songdienlich dem (übrigens erstaunlich rhythmisch aufgefassten) Band-Konzept unter. Das passte aber sehr gut zu dem allgemein angenehm poppigen Charakter der neuen Songs. Richtig improvisiert erschien dann auch nur ein von Jan Korbach geschriebenes Instrumental, das Dota aus Gründen der Dramaturgie als Gegengewicht zu ihren im Mittelteil der Show vorgetragenen Solo-Songs eingebaut hatte. (Na ja – bei den vier Zugaben, wo es dann auch noch ein paar ältere Gassenhauer wie "Für die Sterne" gab, ging's dann auch noch mal rund).
Neben den neuen Tracks - die vom Publikum anstandslos akzeptiert wurden (zumal ja Party-Machen aufgrund der Corona-Einschränkungen ja nicht wirklich möglich war) - gab es dann noch zwei Tracks von dem Kaléko-Album, den mit Alex Binder geschriebene Lockdown-Song "Dressed Up auf der Couch", den "Galaktika"-Hidden Track "Einfach so verloren" (der von Dota mit den Worten "Ich bin halt ein Kind der 90er" kommentiert wurde), "Geld verdirbt den Charakter" und "Rennrad" von dem gleichnamigen 2016er-Album, den Fridays-For-Future-Song "Keine Zeit" und aus gegebenem Anlass neben "Geld" auch den Song "Grenzen" von der LP "Keine Gefahr", den Dota in ihrem Solo-Part vortrug und der aufgrund der aktuellen "2015 darf sich nicht wiederholen"-Situation zum beklemmenden, eindringlichen Highlight der ganzen Show geriet. Kleine Notiz am Rande: Zu den lebhafteren Tracks der Show tanzte eine kleine Schar von Kids am Bühnenrand in ihren "Erdenbürger"-T-Shirts. Da scheint also noch Hoffnung in Bezug auf die Zukunft zu bestehen. Vielleicht wird "Galaktika" - der virtuelle säkularer Engel aus der Fernsehserie "Hallo Spencer", den Dota in dem erst gegen Ende der Show gespielten Titeltrack zur Hilfe ruft - ja tatsächlich nicht gebraucht. Nun ja: Die Botschaft lautet ja auch nicht, auf Hilfe von außen zu hoffen, sondern selbst mal in die Pötte zu kommen. In diesem Sinn ist sich Dota Kehr also durchaus treu geblieben.

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Surfempfehlung:
www.kleingeldprinzessin.de/
www.facebook.com/dota.kehr
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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