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Besser wird's nicht

Steiner & Madlaina
Trixsi

Bonn, Harmonie
03.10.2021

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Steiner & Madlaina
Die Erleichterung darüber, dass die aktuelle Crossroads-Edition des Rockpalastes in der Bonner Harmonie als 3G+ Veranstaltung genehmigt worden war, war bei allen Beteiligten dann fast schon körperlich spürbar. Es hing schlicht eine Art von Ungläubigkeit in der Luft, die sowohl Conferencier Rembert Stiewe, wie auch die Musiker regelrecht ergriff. Trixsi "Frontmann" Jörkk Mechenbier ließ sich im Folgenden gar dazu hinreißen, von der Zeit nach der Pandemie zu sprechen und Madlaina Pollina fiel ihrer Kollegin Nora Steiner mit einem beherzten "Hör auf" ins Wort, als diese von einem möglichen Aufkommen neuer Virus-Varianten fabulierte, die möglicherweise noch die anstehende, bereits verschobene Tour im nächsten Jahr gefährden könnte.
Die aktuelle Crossroads-Serie stand jedenfalls ganz im Zeichen des kollektiven Nachholens. Da die Frühjahrs-Ausgabe ja einer der zahllosen Lockdown-Phasen zum Opfer gefallen war, hatte man sich entschlossen, die Harmonie nun eine ganze Woche lang in Beschlag zu nehmen und 12 Mal Live-Party zu machen. Dass die Glitterhouse-Bands Steiner & Madlaina und Trixsi am Nationalfeiertag dann den Anfang machen durften, war natürlich auch irgendwie eine Art Bestätigung für Rembert Stiewe, der ja das eigene Orange Blossom Festival auch in diesem Jahr nicht hatte durchführen können. Und nachzuholen gab es ja so Einiges, denn Live-Musik ohne Maske, übertriebenen Abstand und Sitzplatz, dafür aber mit Tanzen und Mitsingen hatte es ja nun wirklich schon lange nicht mehr gegeben.

Wer nun befürchtet haben sollte, dass die Musiker während der Lockdown-Phase irgendwie eingerostet hätten sein können, der wurde in beiden Fällen auf angenehme Weise eines Besseren belehrt. Im Falle von Steiner & Madlaina war es sogar so, dass die Band die Lockdowns und die Verschiebung der eigentlich geplanten Tour auf das Frühjahr nicht nur dazu genutzt hatte, neue Songs zu schreiben, sondern auch gleich wieder ins Studio zu gehen. Was wohl bedeutet, dass dann im nächsten Jahr auch mehr neues Material zu hören sein wird - etwa in dem Stil der beiden neuen Songs, die sich bereits jetzt im Programm fanden. Einer von denen heißt dabei übrigens "Besser wird’s nicht" - was natürlich ein ziemlich blöder Titel für einen Song mitten im Set ist (wie Madlaina einräumte) - aber eigentlich dann ein gutes Motto für den ganzen Abend darstellte.

Nachdem Steiner & Madlaina zu Beginn ihrer Laufbahn mit diversen musikalischen Ansätzen und vor allen Dingen mit dem Gimmick der Mehrsprachigkeit gespielt hatten, scheint sich die Band - vielleicht im Laufe der Pandemie - dazu entschlossen zu haben, zur deutschsprachigen Rockband zu mutieren. Englischsprachige Tracks gab es ja schon auf dem zweiten Album "Wünsch mir Glück" keine mehr und außer dem schwyzerdütschen Opener "Herz vorus id Wand" verzichtete die Band bei ihrem Auftritt in der Harmonie auch auf sämtliche "fremdsprachigen" Experimente. Dafür aber wurden die gewohnten und bekannten Arrangements der Tracks einer Frischzellenkur unterzogen. Wer schon mal bei einem Steiner & Madlaina-Soundcheck lauschen durfte, den dürfte das nicht wundern, denn die ganze Band spielt ständig mit den Möglichkeiten kleiner Veränderungen und Variationen. Vor allen Dingen war es aber die Entfesselung von Gitarrist Max Kämmerling, die die Sache so richtig in Schwung brachte. Zwar war es auch bislang schon so, dass Max insbesondere bei den Soli in den Songs, bei denen er auch als Sänger tätig wurde, seine Fähigkeiten ins Rampenlicht stellte - aber in der Harmonie war er der Motor, der mit seiner Rock-Gitarre, die Sache erst zur Rock-Party machte. Nicht auf eine aufdringliche, sondern ganz im Gegenteil betont songdienliche, aber nachdrückliche Weise. Besonders deutlich wurde das in der zweiten Programmhälfte, wenn sich die Damen in Songs wie "Heile Welt" oder "Das schöne Leben" auch dem Powerpop-Modus mit eigenen Gitarren-Beiträgen anschlossen.

Dass sowohl Madlaina wie auch Nora das Publikum ungestraft zum Mitsingen und -Tanzen auffordern durften, ließ dann langsam wirklich daran glauben, dass echte Live-Konzerte doch noch eine Zukunft haben. Kurzum: Das war ein wirklich schöner Einstand für die aktuelle Crossroads-Reihe und eine rockige Überraschung für die anwesenden Steiner & Madlaina-Fans.
Als Rembert Stiewe dann sein Lieblings-Pet-Projekt - die tatsächlich auf dem letzten Orange Blossom Festival unter Vertrag genommene Power-Pop-Band Trixsi - dem Sinn nach wahlweise als Supergroup oder Versammlung musizierender Gewohnheitstrinker ankündigte, wurde schnell deutlich, wo Trixsi-Sänger Jörkk Mechenbier seine Präferenzen sieht, denn er verbat sich sozusagen den Begriff Supergroup. Dabei hätte er sich eigentlich keine Sorgen machen müssen, denn Trixsi können ja schon deshalb keine richtige Supergroup sein, weil es kein "Y" im Bandnamen gibt. Davon aber mal abgesehen sind die fünf Herren, die unter dem Strich Trixsi ausmachen, natürlich keine Unbekannten - denn sie waren ja alle schon in anderen Bands wie Herrenmagazin, Love A oder Jupiter Jones tätig, bevor sie sich aus Spaß an der Freude zusammentaten. Insbesondere Jörkk Mechenbier gehört dabei in seinen verschiedenen Inkarnation ja zum Beispiel fast schon zum Mobilar des Orange Blossom Festivals.

Einer der Gründe, warum das Glitterhouse-Label der logische Nährboden des Trixsi-Treibens ist, ist die Tatsache, dass die Jungs jene Art von kompromiss- und zeitloser Rock- und Powerpop-Mukke machen, die die Labelmacher in ihrer Jugendzeit so sehr beflügelt haben - nur dass Trxisi halt mit am Rande der Comedy herumlavierenden deutschsprachiger Pennälerlyrik anstatt anglophiler Punk-Poesie hantieren. Auf der Bühne der Harmonie lebten die Herren dann dieses Prinzip mit Gusto aus. Unterbrochen von amüsanten Ansagen oder Sprüchen Jörkks machten Trixsi im Folgenden keine musikalischen Gefangenen und hauten ihre kantigen Gassenhauer auch auf der Bühne im knackigen Drei-Minuten-Format raus. Das war dann ein bisschen auch das Problem - denn es stand dann zu befürchten, dass die Jungs die verfügbaren 80 Minuten Spielzeit nicht würden ausfüllen können - denn ihre LP ist ja nun mal nur 40 Minuten lang. Die Lösung war dann relativ einfach: Songs wie der Titeltrack des Albums "Frau Gott", die schon als Konserve etwas ausführlicher abgehandelt wurden, wurden im Live-Kontext dann nochmals aufgebohrt und außerdem gab es außer der 11 LP-Tracks auch noch ein paar weitere - wie z.B. die Tracks "Wer schreit der bleibt" oder "Vergib dir selbst". Nach großartigen Variationen brauchte man im Set von Trixsi - abgesehen von ein paar unterschiedlichen Tempi - nicht großartig zu suchen, denn das Prinzip "Spaß an der Freude" wurde dabei - besonders auch vom fast schon sendungsbewusst gut gelaunten Jörkk - konsequent und ohne Schnörkel implementiert. Tatsächlich war hier dann sogar noch mehr Bewegung im Publikum zu bemerken als bei der vorangegangenen Show von Steiner & Madlaina (wobei sich Trixsi ja auch nicht mit sentimentalen Balladen herumplagen müssen).

Der Auftritt des Quintetts machte mal wieder deutlich, dass Musik offensichtlich jung hält, während alles drumherum einfach weiter altert. Die Kunst ist dann, diesen Punkt zu erkennen und in Betracht zu ziehen - oder aber zu ignorieren und unbeirrt weiter zu machen. Trixsi haben sich zweifelsohne für letzteres entschieden und machen so im Prinzip gut gelaunte Kindermusik für zu jung gebliebene Mittvierziger.

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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