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Konzert-Bericht
 
Gedichtsstunde

Sofia Portanet

Köln, Stadtgarten
23.10.2021

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Sophia Portanet
Sofia Portanet gehört wahrscheinlich zu den wenigen Künstler(innen), die der Pandemie noch etwas Gutes abgewinnen können. Klar sei das letzte Jahr nicht so schön gewesen, meinte sie bei ihrer Show im Rahmen der Cologne Music Week im Kölner Stadtgarten, aber für sie und ihre Band sei 2020 eben doch recht wichtig und erfolgreich. Das kann man wohl sagen. Obwohl Sofia ihr Debüt-Album "Freier Geist" sozusagen in die Pandemie hineinveröffentlichte - und somit logischerweise so gut wie gar nicht live spielen konnte -, schlug ihr eigentümlicher Mix aus New Wave (bzw. NDW)-Sounds für alle, leicht hysterischer Bühnenpersona und multilingual konzipierten Lyrics, mit denen sie sich tatsächlich auf die großen deutschen Dichter (und Denker) Heinrich Heine und Rainer Maria Rilke beruft (und diese zitiert) allgemein ein wie eine Bombe - sogar im Feuilleton. Obwohl es Sofia und Band dann im Folgenden gelang, mit ihren Auftritten beim Reeperbahn Festival auch als Live-Act zu reüssieren, war eine Show wie die in Köln - eine der ersten in der Domstadt ohne Masken- und Sitzplatzpflicht - dann natürlich auch für Sofia noch etwas besonderes. "Ich habe schon lange nicht mehr so viele Menschen gesehen", kommentierte sie dieses.
Wenn man das, was Sofi zwischen den Tracks des Albums dann mit kindlichem Charme und Nina-Hagen-mäßiger Verdrehtheit erzählt, richtig interpretiert, dann macht sie ihre Musik wohl auch aus Selbstfindungszwecken, denn - man mag es kaum glauben - als Kind sei sie richtig schlecht darin gewesen, Gedichte auswendig zu lernen, einfach weil sie es habe machen müssen. Das ist insofern erstaunlich, als dass Sofias Texte nun wirklich alle Kriterien erfüllen, die man an klassische Schul-Gedichte haben könnte - nicht nur dann, wenn sie Heine oder Rilke wörtlich zitiert. Sei es drum: Eine richtige "Gedichtsstunde" ist ein Sofia Portanet-Konzert dann aber natürlich nicht - da sei schon ihre alleine ihre virtuos agierende, bunt zusammengewürfelte, aber inzwischen zu einer Einheit gewordene Band vor, die die Songs mit gehöriger Unerbittlichkeit und jeder Menge Verve in immer wieder neuen musikalischen Variationen interpretiert.

Denn das muss einem der Neid lassen: Obwohl es außer der noch nicht veröffentlichten, neuen Songs "Lust" kein anderes neues Material gab, haben die musikalischen Mäntelchen der Tracks im Laufe des letzten Jahres offensichtlich ein subtiles Eigenleben entwickelt und präsentieren sich jeweils in einem tagesaktuellen Gewand. Manchmal ist das wirklich subtil - an anderer Stelle (beispielsweise dem exaltierten "Planet Mars") - recht deutlich. Langer Rede kurzer Sinn: So etwas kann man nur mit Leuten machen, die verstanden haben, worum es geht und die auch am kreativen Prozess ihren Spaß haben. Das gilt nicht nur für Steffen Kahles - als musikalischer Direktor so etwas wie die graue Eminenz des Portanet-Projektes -, der mit seiner "ich ersetze euch Eff Jott Krüger schon"-Gitarre als Rock-Motor der Band fungiert - aber an diesem Abend auch am hauseigenen Flügel Platz nahm. Auch Drummer Christoph Steiner blieb nicht immer im Jaki-Liebezeit-Modus, sondern überraschte insbesondere durch elektronische Beats im ansonsten organischen Flow. Bassist Christoph Steiner konnte sich nicht so recht zwischen Bass und zweiter Gitarre entscheiden - und machte zuweilen beides. Währenddessen sorgte Keyboarderin Marie Klock auf gewohnt obercoole Weise, dass die Sache auch in der größten Hektik nicht aus dem Ruder lief.
Eine richtige Botschaft hat Sofia Portanet eigentlich nicht - außer vielleicht der, dass sie eigentlich unvereinbare Gegensätze - wie etwa das Kindliche und das Erwachsene oder das Männliche und das Weibliche - in Songs wie "Das Kind" oder "Waage" zusammenführt, was dann auf der musikalischen Seite entsprechend stilistisch implementiert wird. Insgesamt erschien das Konzert im Stadtgarten etwas waviger und poppiger als Sofias Shows aus den Anfangstagen. Das mag aber auch an der Akustik des Saals gelegen haben, der ja eher auf Jazz-Veranstaltungen ausgerichtet ist, denn auf die Bedürfnisse von Rock-Bands - wodurch die Gitarrensounds an diesem Abend dann im Mix unterzugehen drohten. Andererseits führte dieser Mix auch dazu, dass man das Quietschen von Sofias charakteristischer Latex Hose nicht hören konnte (was in transparenter ausgepegelten Venues schon mal der Fall sein kann). Sagen wir mal so: Der allgemeine Tenor des Abends, immer eher die positiven Aspekte zu beleuchten als die negativen, manifestierte sich auch auf diese Weise. Klarer Fall: Bei Sofia Portanet ist das Glas Wasser stets gut gefüllt. Zur Zeit arbeitet Sofia an ihrer zweiten Scheibe.

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Surfempfehlung:
www.sofiaportanet.com
www.facebook.com/sofiaportanet
www.instagram.com/sofiaportanet
www.youtube.com/watch?v=Wxi3V4FHYZ0
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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