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Konzert-Bericht
 
Spiritualismus, Magie und Seele

Scatter The Atoms That Remain

Krefeld, Glasfoyer im Theater Krefeld
14.02.2022

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Scatter The Atoms That Remain
30 Jahre ist es inzwischen fast her, dass Franklin Kiermyer an der Seite von Saxofonisten-Legende Pharaoh Sanders auf dem Album "Solomon's Daughter" mit seinem expressiven Schlagzeugspiel für Aufsehen sorgte, doch seinen Glauben an Musik als spirituelle Praxis hat der ursprünglich aus Kanada stammende Drummer auch nach all den Jahren nicht verloren. Selten strahlte seine Vision heller als in seinem aktuellen Projekt Scatter The Atoms That Remain, das zum Abschluss einer kurzen Europatournee am Valentinstag auf Einladung des Jazzklub Krefeld im Glasfoyer des Theaters der Stadt am Niederrhein zwei Stunden lang eindrucksvoll beweist: Jazz ist anders.
In Zeiten, in denen viele Künstler aus der Rock-, Pop- und Indiewelt gleich ganz zu Hause bleiben, lassen sich Scatter The Atoms That Remain noch nicht einmal durch den Verlust von zwei Bandmitgliedern beirren. Stattdessen rekrutieren Bandleader Franklin Kiermyer und Pianist Davis Whitfield kurzerhand mit Boris Blanchet am Saxofon und Géraud Portal am Kontrabass zwei französische Mitstreiter für ihre Europa-Tournee und klingen zum Abschluss der Gastspielreise im gut besuchten Glasfoyer des Theater Krefeld kein bisschen wie eine Band, die erst seit zwei Wochen zusammenspielt. Die Stücke, die an diesem Abend auf der Setlist stehen, stammen interessanterweise nicht mehrheitlich vom aktuellen STATR-Album "Exultation", sondern von Kiermyers 2016er-Solowerk "Closer To The Sun", an dem Whitfield ebenfalls mitgewirkt und damit ihre gemeinsame Band ins Rollen gebracht hatte.

Wortlos und kopfüber stürzen sich die vier gleich zu Beginn freigeistig in "Mixed Blood", betonen aber ein paar Nummern später mit "For Arthur Rhames" auch ihre vom Soul geküsste kosmisch-sanfte Seite und verabschieden sich erst nach zwei spannenden Sets mit einer kurzen Improvisation des Kernduos Kiermyer/Whitfield, "die wir so noch nicht gespielt haben und auch nie wieder spielen werden", wie der sympathische Drummer anschließend lächelnd verrät. Langanhaltender Applaus ist der Dank für einen famosen Auftritt, mit dem die vier Musiker auf den Spuren des John Coltrane Quartets keine Ecken und Kanten scheuen.
Doch auch wenn Coltrane, McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones spürbar den Weg vorgezeichnet haben, auf dem sich ATATR befinden, geht es Kiermeyer und den Seinen doch nicht darum, ein Abziehbild der alten Helden zu sein. Vielmehr greifen sie deren Herangehensweise, deren Visionen auf und transportieren sie gekonnt und mit eigener Note ins Hier und Jetzt, wenn Whitfields Klavierspiel Wellen gleicht, die am Ufer brechem, Portals Bass bisweilen fast unsichtbare Schatten wirft, Blanchets Saxofonspiel von aufwühlender Energie geprägt ist und Kiermyer der hochtourige Motor ist, der das die Band beständig antreibt und auf Kurs hält. Das Resultat ist eine geradezu erstaunlich runde, fließende Performance, die Spiritualismus, Magie und Seele in den Fokus rückt und die transformative Kraft der Musik des Quartetts hell erstrahlen lässt. Emotional und inspirierend!

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Surfempfehlung:
scattertheatoms.com
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www.instagram.com/scattertheatoms
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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