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Durch die Wand

Lùisa
Annelu

Köln, Die Wohngemeinschaft
09.04.2022

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Lùisa
Da war der Wurm drin. Weniger, weil das Konzert von Lùisa, das am 09.04.2022 nun endlich stattfinden konnte, mehrmals pandemiebedingt verschoben werden musste, sondern weil sich die Haustechnik in der frisch umgebauten Kölner Wohngemeinschaft mit einem Problem herumschlagen musste, das es in den guten alten Zeit vor der digitalen Revolution noch gar nicht gegeben hatte: Einem ausgefallenen Motherboard nämlich - was dazu führte, dass für den Soundcheck das komplette Setup neu programmiert werden musste. Das war deswegen pikant, weil beide Acts - also sowohl die Headlinerin Lùisa und ihre Band, wie auch die Wahlkölner Indie-Pop-Künstlerin Annelu und ihr Gitarrist - auf ein komplexes digitales Setup mit etlichen Effektgeräten und vor allen Dingen zugespielter Backing-Tracks setzte. Das wiederum führte dazu, dass der Soundcheck für Lùisa nach dem Set von Annelu aufwendig wiederholt werden musste und sich daraus der Umstand ergab, dass Lùisa und ihre Jungs erst 50 Minuten nach dem üblichen Curfew um 22 Uhr mit ihren Set fertig wurden - was in dem von vielen Nachbarn mit ausgeprägtem Ruhebedürfnis umgebenen Club eine absolute Ausnahme darstellte. Was ein Glück, dass die Fans diese technischen Feinheiten so überhaupt nicht interessierten - denn diese konnten ja endlich das Material von Lùisas aktueller LP "New Woman" einmal im Bandkontext genießen (was die Pandemie bis dato ja verhindert hatte).
Wie das rollende "Rrrrrrr" bei den Ansagen bereits vermuten lässt, kommt Annelu nicht aus Köln, sondern lebt und arbeitet nur dort. Tatsächlich spielt das aber musikalisch keine Rolle, denn Annelu macht nicht etwa in Sachen Mundart, sondern hat sich in ihrem Heimstudio einen betont unregional angelegte, international orientierten New Wave Pop-Stil ausgedacht, den sie auf der Bühne mit ihrem Keyboard und unterstützt von ihrem Gitarristen und dessen großflächigem Effektpedal auch ohne großen personellen Aufwand in bemerkenswerter digitaler Fülle zu reproduzieren versteht. Zur Zeit arbeitet sie noch an ihrem Debütalbum, das den Namen "sth. To feel" tragen wird und bereits auf Spotify vorgemerkt werden kann (worauf sie bei ihrer Show hinwies). Dabei handelt es sich offensichtlich um ein Coming-Of-Age und Selbstfindungs-Album - worauf Annelus Ansagen und Ausführungen zwischen den Songs hindeuteten. Ihre Musik ist auf der technischen Seite durchaus auf dem Stand der Zeit - und wurde mit leicht souligem Touch durchaus charmant und gefällig in Szene gesetzt. Allerdings erwies sich die Idee, möglichst das ganze Produktionsvolumen mittels digitaler Effekte und Zuspielungen live zu reproduzieren, als problematisch - einfach weil der so entstehende, artifizielle und dementsprechend sterile Sound nicht eben geeignet erschien, den durchaus vorhandenen emotionalen Gehalt von Annelus Songs und Gesang in angemessener Weise zu verkörperlichen bzw. zu repräsentieren.
Obwohl auch Lùisa und ihre beiden Jungs mit digitalen Effekten und zugespielten Elementen arbeiteten, lag die Sache hier dann doch etwas anders - schon alleine deswegen, weil hier eine organisch arbeitende Rhythmusgruppe Lùisas Performance unterstützte und die besagten Effekte und Zuspielungen nur Mittel zu Zweck waren. Darauf hatte auch Produzent Tobias Siebert (And The Golden Choir) geachtet, der Lùisas Album letztes Jahr in seinem (prinzipiell analogen) Berliner Hinterhof-Studio produziert hatte. Lùisa gehört dabei zu jener Gattung von Musikerinnen, die mit dem gerade Erreichten nie so recht zufrieden sind, und sich demzufolge ständig und erkennbar weiterentwickeln. Das wurde bei der Kölner Show zum Beispiel dadurch deutlich, dass sie mehrfach darauf einging, aus den Erfahrungen in ihren 20ern gelernt und sich demzufolge von der noch zögerlich agierenden Folk-Künstlerin im Laufe der Zeit über ihr noch eher von Zweifeln getragenem Album "Never Own" zur "New Woman" des neuen Albums entwickelt hatte. Anschaulich erklärte sie das, als sie ihren Song "Burn Out" ankündigte: In den besungenen Mittzwanzigern sei sie als Künstlerin und Musikerin des Öfteren gegen jene Wände gelaufen, durch die sie als Künstlerin im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nur durch größere Anstrengungen und Mehrarbeit habe dringen können. Als "New Woman" sei ihr das nun gelungen - was dann eben wohl auch den druckvollen, pulsierenden Beat vieler der neuen Tracks (beispielsweise auch des Titeltracks) und deren trotz einer gewissen Note dann auch eher lebensbejahend angelegten Charakter erklärt. Bemerkenswerterweise waren es dann aber gar nicht mal die Upbeat-Tracks aus Lùisas Programm, die die eigentlichen Highlights der Show ausmachten (das funktioniert auf einer größeren Bühne wohl besser), sondern intimere Songs mit Zwischentönen, Dynamik und einer Prise Darkness, wie etwa der in diesem Sinne atypische Track "Into The Void". Auch der Rückgriff auf vergangene Zeiten wie ein solo auf Französisch vorgetragener Song am Ende der Show oder die bislang unveröffentlichte Empowerment-Nummer "I Want You To Know" gehörten dazu.

Als Bandleaderin macht Lùisa heutzutage insofern eine gute Figur, als dass sie zwar genau weiß, wenn es mal darum geht, performerisch aufzudrehen - sich aber gerne auch mal hinter dem Song im Zusammenspiel mit ihren Musikern zurücknimmt und zwischendurch auch immer für Atempausen sorgt. Für aufdringliche Selbstdarstellungen oder gar Gitarrensoli (wie man sie vielleicht auch von männlichen Kollegen kennt) gab es in diesem Setting jedenfalls keinen Platz. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Lùisas Publikum spätestens seit der Veröffentlichung von "New Woman" heutzutage überwiegend aus jüngeren Damen besteht, die in Lùisa auch eine Identifikationsfigur für ihre Generation sehen. Gegönnt sei ihr das alles - schon alleine deswegen, weil sie sich in Zeiten wie diesen gegen alle Odds und Unbilden als Musikerin und Songwriterin auf überzeugende Weise verwirklichen konnte.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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