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Leise war gestern

Low
Divide And Dissolve

Köln, Kulturkirche
03.05.2022

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Low
Leise war gestern: Bei ihrem bemerkenswerten Gastspiel in der Kulturkirche Köln unterstreichen Low, dass Stillstand für sie selbst nach fast 30 Bandjahren ganz offensichtlich keine Option ist. Ohne live so radikal zu Werke zu gehen wie auf ihren letzten beiden Platten, "Double Negative" (2018) und "Hey What" (2021), auf denen sich allerhand verzerrte, krachige und zersplitterte Gitarrensounds um den zum Niederknien schönen Harmoniegesang des Bandgründerehepaars Alan Sparhawk und Mimi Parker gewunden hatten, lenkt das inzwischen durch Bassistin Liz Draper verstärkte Trio aus Duluth, Minnesota, seinen einstigen Leisetreter-Sound nun auch auf der Bühne phongewaltig, aber stets überzeugend in neue Bahnen.
Auch der Supportact setzt auf brachiale Laustärke und maximale Emotionen: Takiaya Reed und Sylvie Nehill alias Divide And Dissolve haben gleich zwei beeindruckende Verstärkertürme aufgefahren und übersetzen auch ohne Songtexte allein mit Gitarre, Saxofon, Schlagzeug und Effekten die großen politischen Themen unserer Zeit in bisweilen avantgardistisch anmutenden Doom-Metal, der laut und leise, brachial und fragil, beklemmend und befreiend, am Ende aber vor allem eines ist: in jeder Sekunde provokativ. Dass es ganz ohne Worte aber doch nicht geht, zeigt sich bei den Ansagen des australischen Duos zwischen den Stücken, bei denen Takiaya bisweilen ein bisschen zu wortreich alle Übel der Welt durchexerziert, als würde das Low-Konzertpublikum ausschließlich aus rückwärtsgewandten Hinterwäldlern bestehen, die die letzten Jahrzehnte hinter dem Mond gelebt haben. Das "preaching to the converted" führt letztlich leider dazu, dass Low ihr Programm zusammenkürzen müssen, um die Curfew nicht zu brechen, die ein Konzertende um Punkt 22.30 Uhr in der mitten in einem Wohnviertel gelegenen Kulturkirche unausweichlich macht. So eindringlich und energiegeladen der Sound von Divide And Dissolve auch ist: Am Ende hinterlässt der Auftritt bzw. das Auftreten eher gemischte Gefühle.
Low haben in den vergangenen Jahren bei ihrer Arbeit im Studio viele liebgewonnene alte Tugenden über Bord gehen lassen, im Live-Kontext achtet das Trio allerdings stärker als bei seinen Plattenaufnahmen darauf, das Band zur Vergangenheit nicht vollends zu zerschneiden. So werden die bisweilen irritierenden Störgeräusche, die sie zuletzt auf ihren Alben über ihre Songs legten, auf der Bühne durch pure Lautstärke ersetzt, als wolle sich das Trio auf die Spuren von Neil Young zu "Weld"-Zeiten begeben. Zusätzlich wird das Konzerterlebnis dadurch intensiviert, dass die Band auf Frontbeleuchtung komplett verzichtet und deshalb vor allem Sparhawk für die gesamte Länge des 100-Minuten-Auftritts nur als Schattenriss zu sehen ist. Die erste Hälfte des Konzerts gehört allein den Songs der aktuellen LP "Hey What", die Low an diesem Abend komplett spielen und Sparhawk trotz sanfter Atempausen wie "Days Like These" oder "Don't Walk Away" ausgiebig Gelegenheit bieten, mittels Effektpedalen die Apokalypse heraufzubeschwören. Die zweite Hälfte des Auftritts gehört ausgewählten Highlights der letzten drei Jahrzehnte, mit denen Low teils auf altes Terrain zurückkehren - für "Sunflower" oder "Two-Step" bleiben sie nah am Original -, teils aber auch alte Stücke wie "Monkey" in die Effektgerätehölle schicken und sie so größer und bedrohlicher klingen lassen als je zuvor. Effektiver hätten Low das Schreckgespenst der Nostalgie kaum vertreiben können, oder anders gesagt: So niederschmetternd und berauschend zugleich haben wir Low noch nie erlebt.

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Surfempfehlung:
chairkickers.com
twitter.com/lowtheband
www.instagram.com/lowtheband
lowtheband.bandcamp.com
www.instagram.com/divideanddissolve
divideanddissolve.bandcamp.com/music
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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