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Konzert-Bericht
 
Guilty Pleasures

Riki
SRSQ

Köln, Blue Shell
20.05.2022

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Riki
So richtig gut getimt war die Kombi-Tour der kalifornischen E-Dark-Wave-Pop Acts Riki und SRSQ nun wirklich nicht - und das nicht mal wegen der Pandemie. Denn "Gold", das letzte Album von Riki, erschien bereits im letzten November und "Ever Crashing", das zweite Album von Kennedy Ashlynn "SRSQ" Wenning erscheint gar erst im kommenden August. Vermutlich wird auch das mit der Grund gewesen sein, warum nur eine Handvoll Fans - trotz Sturmwarnung - den Weg ins Kölner Blue Shell fanden - und das obwohl mit SRSQ wieder mal eine Ikone der LGBT-Szene in Köln gastierte. Sei es drum: Sowohl Riki wie auch Kennedy zeigten sich von dem, was sie von der Domstadt bei ihrem ersten Besuch gesehen hatten, echt begeistert. Riki etwa freute sich über die freundlichen Menschen und Kennedy über die Straßenbahn, die mitten in der Straße an dem Club vorbei fährt. Der Grund, warum Riki und SRSQ überhaupt im Doppelpack auf Europa-Tour unterwegs waren, ist der, dass beide auf dem kleinen, feinen Indie-Label Dais-Records verpflichtet sind.
Kurz zum Hintergrund: "SRSQ" - sprich "Seer Skew" = der Seher mit verschobener Perspektive - ist das Solo-Projekt von Kennedy Ashlynn, das diese losgetreten hat, um den Tod ihrer Partnerin Cash Askew (mit der zusammen sie zuvor das Shoegaze-Duo Them Are Us Too betrieben hatte) bei einem der kalifornischen Waldbrände von 2018 zu verarbeiten. Ihre Musik, die sie zunächst auf dem noch vor der Pandemie erschienenen Debüt "Unreality" realisierte, bezeichnet Kennedy bezeichnenderweise als "Griefwave". Kennedys Arbeitsweise ist dabei die, ihre Songs alleine mit hunderten von selbst produzierten Tonspuren zu verdichten - und dann in den Dienst ihrer klassisch trainierten, opernreifen Sirenenstimme zu stellen. Da sich so etwas schlecht ganz alleine im Live-Ambiente glaubwürdig reproduzieren lässt, tourt SRSQ mit einer Live-Band - wobei sie für die Europa-Tour auf einen Live-Drummer verzichtete, aber zumindest Bass und Gitarre organisch besetzte. Insbesondere die Gitarrenarbeit von Alyc Diaz (ansonsten mit dem eigenen Projekt Vyva Melikolya mit "trans-fronted, aggressively etheral music from Louisville, Kentucky" unterwegs) trug dann dazu bei, dass die Live-Versionen der Tracks wesentlich rockiger, doom-lastiger und druckvoller rüberkamen, als die zwar vielschichtigen, aber auch poppiger angerichteten Art-Pop-Operetten, die insbesondere das kommende Album "Forever Crashing" auszeichnen, aus denen sich der Löwenanteil von SRSQs Set zusammensetzte. Tatsächlich ist das eine Art Konzeptalbum, auf dem es ausschließlich um Crushes und Crashes geht. Da es nämlich in Kennedys dezidiert dramatisch und hymnisch angelegten Songs tatsächlich ausschließlich um desolate, ans morbide grenzende autotherapeutische Ansätze geht, stehen bei der psychedelisch aufgebohrten Live-Präsentation Drama, Operette und Theatralik natürlich ganz im Mittelpunkt der Performance. Und dann ist da noch Kennedys beeindruckende, durchdringende Sirenenstimme mit immenser vokaler Reichweite - derentwegen sie schon mal gerne als eine Art "Dreampop-Kate Bush" beschrieben wurde. Sicherlich ist das teilweise dann schon ganz schön dick aufgetragen (sowohl was das Make-Up, wie auch das Outfit und die die zur Schau getragene Drag-Dramatik betrifft) - der Neid muss es einem aber auch lassen, dass das Ganze durchaus funktioniert. Nicht zuletzt, weil Kennedy als Songwriterin und Performerin stets an die Grenzen dessen geht, war noch möglich ist, ohne ins Parodistische umzukippen.
In die Gefahr, dass etwas ins Parodistische umkippen könnte, geriet Riki im Folgenden nicht mal Ansatzweise. Mit großer Ernsthaftigkeit und präziser Eleganz kontrollierte die Kalifornierin wirklich alle Aspekte ihrer Performance und outete sich als richtiger kleiner Control-Freak. Klein dann allerdings nur in Bezug auf ihre Körpergröße. Tatsächlich hatte Riki in Sachen Choreographie, Beleuchtung, Bühneneffekte und musikalischer Inszenierung einen Masterplan, von dem sie keine Sekunde abwich. Zunächst mal begrüßte sie die Fans mit charmant wheelbrokenem Deutsch - denn aus irgendwelchen Gründen hat sie ein paar Deutschstunden genommen und auf ihrem Debütalbum mit "Böse Lügen" und "Strohmann" auch Tracks auf Deutsch eingesungen, die es natürlich an diesem Abend dann auch gab. Anschließend richtete sie die Sampler, Sequencer und Mikro-Keyboards auf ihrem musikalischen Beistelltisch (die im Folgenden ihre Arbeit weitestgehend alleine verrichteten) und dann ging es an Rikis Version des Ausdruckstanzes, mit dem sie bemerkenswert effektiv und unterhaltsam ihre Songs illustrierte. Das ist insofern natürlich logisch, als dass Rikis Stücke auf einem eleganten Mix aus Club-, Disco-, New Wave-, E-Pop- und zunehmend auch Krautrock-Elementen basieren, die allesamt bewegungsintensiv ausgelegt sind, ohne dass eine bestimmte Richtung dominierte. Die dramatische Beleuchtungsdramaturgie war vorher mit dem Haustechniker abgesprochen: Riki selbst stand am Bühnenrand eher im Schatten und wurde nur gelegentlich stroboskopartig von einem Projektor beleuchtet, wenn sie ein paar Schritte zurücktrat. Hinzu kam, dass sie eine Fernbedienung für eine zweite (!) Nebelmaschine auf der Bühne in der Hand hielt, mit der sie aus gegebenem Anlass dramatische Effekte auslöste. Fast schon überraschend dabei war dann der Umstand, dass trotz der ganzen Körperübungen Rikis Stimme durch ihre raumgreifende Fülle und Durchsetzungskraft überzeugte. Gut trainiert hatte sie jedenfalls: Nicht ein Mal nach der kompletten Show schien sie richtig außer Atem. Da die Backing-Tracks für die Live-Shows nochmals deutlich club-orientierter angelegt waren als die Studio-Produktionen, kamen die Songs logischerweise weniger poppig rüber als die Versionen auf dem "Gold"-Album. Pop gab es aber auch - beispielsweise im Falle des auf spanisch vorgetragenen Jeanette-Covers "Porque Te Vas". Da Riki alleine war, gab es natürlich keine zusätzlichen musikalischen Akzente. Dieses löste sie indes, indem sie diverse Melodielinien auf einem Mikro-Keyboard spielte und für den Song "Come Inside" vom Debüt dann auch zur Melodica griff. Neue - noch namenlose Songs - rundeten das Programm ab. Von Rikis Vergangenheit als Keyboarderin des Darkwave-Postpunk-Outfit Crimson Scarlet ist heutzutage nicht mehr viel zu spüren. Keine Frage: Riki hat für ihr Medium - die elektronische Pop-Musik - ein zweifelsohne gelungenes, kurzweiliges Live-Konzept gefunden, das sich angenehm von der Sterilität so mancher instrumentenlos agierender Tastendrücker-Acts unterscheidet und somit ohne Weiteres als Guilty Pleasure durchgeht. Die Sache mit ihrem Künstlernamen Riki - den man nur googeln kann, wenn man weiß, dass sie sich mit Niff Nawor ein weiteres, aus der babylonischen Mythologie entlehntes Alias zugelegt hat, das auch nicht ihr eigentlicher Name ist - wollen wir mal außer acht lassen.

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Surfempfehlung:
www.instagram.com/riki.band
www.daisrecords.com/collections/riki
riki.bandcamp.com
www.facebook.com/riki.la.band
www.daisrecords.com/collections/srsq
www.instagram.com/srsqofficial
srsq.bandcamp.com
www.facebook.com/srsqmusic
www.youtube.com/watch?v=wLIfUJcq0ns
www.youtube.com/watch?v=26FXebzS5hg
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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