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Rock'n'Roll muss sein

Heartless Bastards

Köln, Blue Shell
06.06.2022

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Heartless Bastards
"Got To Have Rock'n'Roll" heißt ein älterer Track der Heartless Bastards, der auf dem 2012er-Album "Arrow" zu finden ist. Zwar ging es bei diesem Nachholkonzert vom Februar darum, das aktuelle Album "A Beautiful Life" von der Band um die charismatische Frontfrau Erika Wennerstrom vorzustellen, aber der Songtitel passte sehr gut als Thema für die Show im Blue Shell, denn Rock'n'Roll hatte die Band aus Texas zweifelsohne im Angebot. Außerdem noch Southern Rock, Psychedelia, Wüsten- und Stoner-Rock, Punk und natürlich Roots-Rock Texas-Style.
Das Timing für diese Tour war natürlich nicht so glücklich, denn selbst als diese erstmals für Februar angekündigt worden war (was ja bekanntlich aufgrund von Omikron nicht möglich war), war das Album "A Beautiful Life" bereits ein halbes Jahr auf dem Markt. Zudem fiel der neue Termin auf den Pfingstsonntag, was bedeutete, dass ggf. gar nicht alle potentiellen Fans verfügbar waren und zudem gab es ein facettenreiches Konkurrenzangebot mit Thala/Goon Sax/Snail Mail im Gebäude 9 und einer offensichtlich populären Düsterrrock-Band namens War Cloud im gegenüberliegenden Stereo Wonderland. Will meinen: Beim Einlass um 20 Uhr war schlicht niemand vor Ort und zum Konzertbeginn dann nur eine Handvoll - allerdings fanatischer - Hardcore-Fans der Heartless Bastards, die den Auftritt dann auch gebührlich feierten und zumindest Erikas Merch-Stand frequentierten.
Dessen ungeachtet präsentierten die Heartless Bastards ihre Show mit der heiteren Gelassenheit amerikanischer Vollblut-Profi-Musiker - und einer Grandezza und Begeisterung als spielten sie vor einer ausverkauften Multifunktionshalle mittlerer Größe. Das fing schon mal damit an, dass die Beleuchtung von vorne nicht ausgeschaltet wurde - wie das bei fast allen Konzerten der letzten Zeit der Fall im Blue Shell gewesen ist - und man somit erkennen konnte, wer da auf der Bühne stand - und hörte noch lange nicht damit auf, dass die Band nonchalant den besagten "Rock'n'Roll"-Titel aus dem Ärmel schüttelte (denn auf der Setlist stand er nicht) als jemand aus dem Publikum danach fragte. Das Set der Show war dramaturgisch ähnlich aufgebaut wie die LP. So begann die Sache mit dem grandiosen, sich langsam steigernden Aufruf zur "Revolution" (bzw. sich gegen Information-Overkill, Social-Media-Diktatur, Überwachungsstaat und Fake News wenigstens im Geiste nach entgegenzustellen), während im Mittelteil der Show einige Signatur-Tracks ihren Platz fanden. Allen voran natürlich "Photograph" vom neuen Album - das schon auf der LP mit der interessanten Struktur aus Rocksong- und angedeutetem psychedelischen Mind-Trip überzeugte (der Dank Gitarrist Mark Nathan in Köln natürlich voll ausgelebt wurde). Aber auch das Potential des epischen Titeltrack des Arrow-Albums wurde in seinem Wüstenrock-Setting ausgereizt. Ebenso wie "The River" mit seiner fast meditativen Grundstimmung oder das sachte pulsierende "Wait Around The World" mit seinem zögerlichen Basslauf und selbstredend auch der Titeltrack "Beautiful World" oder "You Never Know", dass mit Twang-Sounds und 60s Lounge-Flair galore glänzte. Immer Front & Center dabei Erika Wennerstrom als souveräner Frontfrau, die allen Anforderungen mit lässiger Eleganz begegnete und mit einer bemerkenswert durchsetzungsfähigen, druckvollen vokalen Darbietung überzeugte, die ganz ohne Manierismen (schon gar irgendwelchem "Röhren" auskam). Eigentlich aber stimmte nun wirklich jeder Ton - nicht in dem Sinne, dass dieser richtig gespielt wurde, sondern stets am richtigen Platz zur richtigen Zeit mit der richtigen Intention und der richtigen Emotion dargeboten wurde. Kurz gesagt: Das war endlich mal ein perfektes Americana-Konzert, das trotz dieser tadellosen Inszenierung ganz ohne Klischees, Platzhalter, unnötigen Füllseln und musikalischen toten Winkeln auskam.

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Surfempfehlung:
www.theheartlessbastards.com
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twitter.com/heartlessbstrds
www.youtube.com/watch?v=skn-F-jKOuE
www.youtube.com/watch?v=xnReDofsQto
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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