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Konzert-Bericht
 
Let there be rock!

Drive-By Truckers
Jerry Joseph

Köln, Gebäude 9
02.06.2022

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Drive-By Truckers
Ihre Rückkehr nach Köln hatten sich die Drive-By Truckers sicher etwas anders vorgestellt: Erst muss die Show gleich mehrfach terminlich und örtlich verlegt werden, dann gibt's auch noch Probleme mit dem Nightliner, und statt mittags trifft die aus Alabama stammende Institution in Sachen nach vorn schauender Southern Rock erst kurz vor dem geplanten Einlass im Gebäude 9 ein. Fast scheint es so, als würde die Band um Patterson Hood und Mike Cooley mit der Domstadt auf Kriegsfuß stehen, denn auch ihr letzter Abstecher ins Rheinland vor fast 18 (!) Jahren stand unter keinem guten Stern.
Das letzte Konzert der Drive-By Truckers in Köln fand im Dezember 2003 statt, aber Patterson Hood kann sich an die für den "Rockpalast" mitgeschnittene Show im Underground noch ganz genau erinnern. "Wir hatten damals keinen guten Abend", erzählt er uns vor der Show. "Wir haben einfach miserabel gespielt, alle drei deutschen Termine auf der Tour waren ziemlich beschissen. Wir waren in dem Jahr viel zu lange unterwegs gewesen und alles fiel auseinander. Das Konzert in Köln war das letzte des Jahres für uns. Wir flogen nach Hause und sofort danach gab es einen personellen Wechsel. Alles war kaputt. Deshalb freue ich mich, dass wir heute endlich wieder hier sein können und ich habe das Gefühl, dass wir es ein wenig besser machen werden. Während des Lockdowns bin ich übrigens über einen Link zur 'Rockpalast'-Aufzeichnung gestolpert und es war in gewisser Weise besser als in meiner Erinnerung. Es war definitiv Punkrock! Es war wahnsinnig laut und richtig aggressiv, das kann man nicht anders sagen!"

Tatsächlich klingen die Drive-By Truckers auch im Gebäude 9 oft mehr wie die Replacements denn Lynyrd Skynyrd. Nachdem Bandkumpel Jerry Joseph das Publikum solo und akustisch auf Betriebstemperatur gebracht hat und dabei kein Oldschool-Klischee (in Me-Too-Zeiten könnte man bisweilen auch sagen: kein Fettnäpfchen) ausgelassen hat, um sein prekäres Leben ungefiltert und mit viel Inrunst in seinen Songs abzubilden, stürzen sie sich ob der verspäteten Ankunft ohne Soundcheck, dafür aber mit ordentlich Wumms und Punkrock-Spirit in ein Set, das passend zum inhaltlich eher rückwärtsgewandten neuen Album "Welcome 2 Club XIII" reich an alten Krachern von gestern und vorgestern ist. Mit dem Opener "The Living Bubba" und dem eher selten gespielten "Buttholeville" geht es sogar zurück bis zum 1998er-Debütalbum, bevor ganz am Ende das ohrenbetäubende Jim-Carroll-Cover "People Who Died" steht, das Patterson Hood schon als Teenager mit seiner Highschool-Band gespielt hatte. Eine Setlist gibt es übrigens nicht, die beiden Sänger rufen ihren Kollegen kurzerhand die Songs zu, manchmal reicht sogar eine den Songtitel verdeutlichende Handgeste, um der Band die nächste Nummer anzukündigen.

Echte Überraschungen sind zwar rar, dennoch unterstreichen die fünf Herren, dass sie sämtliche Tugenden einer fulminanten Rock'n'Roll-Show verinnerlicht haben - eine zwischen den Musikern kreisende Flasche mit Hochprozentigem inklusive. Trotz vieler Rückgriffe auf die berühmte, inzwischen fast 20 Jahre alte Südstaaten-Trilogie "Southern Rock Opera", "Decoration Day" und "The Dirty South" sind es doch Nummern neueren Datums, die den größten emotionalen Tiefgang haben - Hoods seelenvolles "Rosemary With A Bible And A Gun" etwa oder Cooleys druckvolles "Every Single Storied Flameout" aus der aktuellen LP, für das zwei Roadies mit Trompete und Saxofon als Stand-by-Horn-Section auf die Bühne stürmen, als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt.
Zwei Tage zuvor soll die Band dem Vernehmen nach im Hamburger Logo drei Stunden lang auf der Bühne gestanden haben und Coverversionen von Warren Zevons "Play It All Night Long" und "The KKK Took My Baby Away" von den Ramones gespielt haben, in Köln dagegen geht das Saallicht bereits nach rund 100 Minuten an. Doch auch wenn es kein Auftritt für die Ewigkeit ist, wirkt die sichtbare Freude, die das Quintett trotz der beschwerlichen Anreise am eigenen Tun hat, offenbar ansteckend: Nimmt man die Anzahl der Singalongs und in die Höhe gereckter Fäuste als Indikator, hat das Publikum an diesem Abend bekommen, wofür es bezahlt hat.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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