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Konzert-Bericht
 
Ohne Worte

Big Thief
KMRU

Köln, Live Music Hall
23.06.2022

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Big Thief
Es kann nicht oft genug betont werden: Big Thief spielten das letzte größere Konzert in Köln vor der ersten Lockdown-Phase der Pandemie im März 2020. Kein Wunder, dass Adrianne Lenker & Co. ursprünglich vorgehabt hatten, dann auch wieder das erste größere Konzert NACH der Pandemie zu spielen - und somit die nun tatsächlich stattfindende Europa-Tournee ursprünglich bereits für den Februar geplant hatten. Wir alle wissen, dass Omikron diesen Plan kurzfristig unmöglich machte. Den Eindruck, den Big Thief nun also beim ersten Club-Konzert der Europa-Tour in Deutschland hinterließen, war der, dass sich da in der Zwischenzeit wohl Einiges angestaut haben musste. Adrianne fasste das in einer ihrer seltenen Ansprachen sinngemäß folgendermaßen zusammen: "Ich bin glücklich, dass ihr alle zu der Show gekommen seid - aber mir fehlen die Worte das auszudrücken. Die Worte kommen bei mir als Musik raus und ich bin froh, dass wir endlich wieder live spielen können." Kurzum: Nachdem sich Big Thief 2022 zunächst mit einigen Songs aus dem Solo-Repertoire von Adrianne "warmgespielt" hatten (was angesichts der brütenden Saunahitze in der Live Music Hall technisch schlicht nicht möglich war), schaltete die Band spätestens mit dem Track "Simulation Swarm" vom neuen Album "Dragon New Warm Mountain I Believe In You" in den Rockmodus. Was insofern interessant war, als dass dieser Track im Studio gar nicht als klassischer Rocksong ausgelegt worden war - Adrianne diesen aber mit mit ihren messerscharfen Soli durchaus dazu machte. Im Folgenden geriet die Show dann zu einem einzigen musikalischen Befreiungsschlag.
Was den Support-Act betraf, so blieb sich Adrianne als Förderin der Kunst insofern treu, als dass sie erneut ein Projekt ausgewählt hatte, das überhaupt nichts mit der Art von Musik zu tun hat, die Big Thief machen. Nachdem es beim letzten Kölner Konzert die Scream- und Grunzcore Heavy-Band Ithaca gewesen war, die das Publikum irritiert zurück ließ, war es dieses Mal der in Berlin ansässige, kenyanische Klangkünstler Joseph "KMRU" Kamaru, der das Publikum mit einer aktuellen Klanginstallation - nun ja - einstimmen sollte. Dass es sich dabei nicht um Musik im klassischen Sinne handelte, sondern um eine elektronisch erzeugte - körperlich regelrecht unangenehme - Geräuschkulisse aus White Noise, Feedback und modulierten Overdrive-Sounds, deutete daraufhin, dass sich Adrianne (die die Performance KMRU's vom Bühnenaufgang beobachtete) schlicht einen Spaß daraus macht, ihre Fans mit solchen Auswahlen herauszufordern.

Wie bereits angedeutet, begann die Show mit Tracks wie "Terminal Paradise" zunächst verhalten. Das war aber nur ein dramaturgischer Schachzug, um den Spannungsbogen anzukurbeln. Es folgte dann - wie gesagt - eine lange Strecke mit Songs im Rock-Modus - bis Adrianne und Gitarrist Buck Meek dann zu akustischen Gitarren griffen und die Show dann mit zunehmend country-lastigeren Tracks ausklingen ließen, bis hin zur diesbezüglichen Krönung, der Zugabe "Spud Infinity", bei der Adriannes Bruder Noah Lenker (der ansonsten als Merch-Manager tätig war) mit seiner Maultrommel als Gast hinzu gebeten wurde.

Besonders interessant war dabei, was sich (außer der Haarfarbe von Adrianne) seit der letzten Tour alles geändert hatte. Nehmen wir mal Big Thiefs Monstertrack "Not" als Beispiel, der natürlich auch dieses Mal wieder zu den Highlights der Show gehörte und als Anker im Mittelteil eingebaut worden war. 2021 veröffentlichten Big Thief aus Pandemie-Frust das Album "Live At The Bunker", mit denen sie einige Kernstücke ihres Sets in den Extremen ausloten wollten. An diesem Format waren nun auch Songs wie "Not" und auch "Black Roses" ausgerichtet. Dazu gehörte aber nicht nur eine neue Grundstruktur, ansatzweise gutturaler Gesang und ein knirschenderes Klangbild, sondern auch eine performerische Neuausrichtung. Während Buck Meek bei den Rocksongs wie gewohnt mit dem Kopf wackelte, dass man Angst haben musste, dass dieser gleich runterfallen könnte, gab sich Adrianne performerisch gelöst wie selten zuvor. Hatte sie nämlich 2020 noch die wesentlichen Parts mit dem Rücken zum Publikum absolviert - und dabei mehr auf Feedback als musikalische Passgenauigkeit geachtet (was ja gewiss auch seinen Reiz haben kann), spielte sie z.B. das ca. fünf Minuten lange Solo von "Not" dieses Mal am Bühnenrand stehend und steigerte sich dabei immer wieder selbst in den Song hinein. Die Band versuchte etwa mehrfach, den Song absprachegemäß zu beenden, wurden aber von Adrianne immer wieder angetrieben. Logischerweise gehörte dieses Mal auch "Not" somit wieder zu den Highlights des Sets - blieb aber keineswegs der einzige. Nachdem etwa Buck Meek selbstlos Adriannes unerwartete Texthänger bei "Dried Roses" ausgeglichen hatte, steigerte sich die Band auch bei akustischen Tracks mächtig in eine Art Spielrausch. Wesentlich einfacher war das natürlich bei "Love Love Love" (dem subjektiven Gefühl nach dem "Not" von "Dragon New Warm Mountain"), der von Adrianne zu einem orgiastischen Ende geführt wurde - und dabei sogar noch Potential nach oben geboten hätte, hätten nicht die klimatischen Umstände in der Halle dagegen gesprochen. Bassist Max Oleartchik erklärte die Sache dann so: Er habe gehört, dass eine Klimaanlage sowieso schlecht für Sex und Musik seien. Es sei also gut und richtig, dass die Musiker auf der Bühne alle ordentlich ins Schwitzen gerieten. "Sei aber vorsichtig mit deinem Klimaanlagen-Sex", rief Adrianne noch hinterher. Und dann gab es noch einen Aspekt, der interessant erschien, denn bei den Aufnahmen zu dem letzten Album (die auf Vorschlag von Drummer James Krivchenia ja in vier Sessions stattfanden) hatte sich die Band-Dynamik anscheinend dermaßen verfestigt, dass Big Thief heutzutage mit einer relativ subtilen, aber effektiven Gesangs-Arrangements zu überzeugen wissen. Das mag nerdy klingen, ist aber für den Fan sicherlich interessant.
Es wäre vielleicht zu viel zu sagen, dass dieses das beste Konzert gewesen sei, das Big Thief jemals gespielt hätten - aber darum schien es auch überhaupt nicht zu gehen. Hier war eine Live-Band zu beobachten, die einfach glücklich darüber gewesen zu sein schien, wieder auf der Bühne stehen zu können - und das mit großer Begeisterung und Enthusiasmus durch ihr Zusammenspiel zum Ausdruck brachte.

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Surfempfehlung:
bigthief.net
www.facebook.com/bigthiefmusic
www.instagram.com/bigthiefmusic
kmru.info
www.facebook.com/K4MARU
www.instagram.com/_kamaru_
www.youtube.com/watch?v=EhzSBa9FCy0
www.youtube.com/watch?v=WKmD6-piK2A
www.youtube.com/watch?v=p0Tna3qg1t4
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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