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Edwige

Köln, Green Room
26.06.2022

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Edwige
Eigentlich war der exklusive Track "Corps et âme" (= Körper und Seele) der belgischen Songwriterin und Schauspielerin Edwige nur einer von vielen auf der 10. Ausgabe des Le Pop-Samplers. Anders als in der Vergangenheit hatte das rührige Kölner Label Le Pop auf der Jubiläums-Ausgabe des Label-Samplers nicht einen allgemeinen Überblick über die Veröffentlichungen des eigenen Kataloges präsentiert, sondern eine Sammlung mit Empfehlungen neuer Acts. Seit sich die Major-Labels von der Förderung der Musikkultur unseres Nachbarlandes zurückgezogen haben, ist Le Pop nämlich die erste Adresse in Sachen frankophilen Musikgutes. Und einer dieser Tracks ist eben "Corps & âme".
Normalerweise ist eine Release-Party ja eine überschaubar spannende Angelegenheit, bei der das jeweilige Produkt vorgestellt wird - vielleicht noch veredelt mit einem DJ-Set. Das gibt es bei Le Pop Release-Parties zwar auch - aber zum Jubiläum sollte es etwas Besonderes sein. Als die Labelmacher in Brüssel waren, um mit Edwige über ihre anstehende, französisch-sprachige Debüt-LP zu verhandeln, entstand dann aber spontan die Idee, Edwige und ihre Band für ein erstes Live-Konzert in die Kölner Homebase des Labels einzuladen - was dann im Green Room genannten Open-Air-Bereich des Kölner Stadtgartens als Weltpremiere stattfand.

Kurz zur Protagonistin: Edwige Baily ist eine belgische Schauspielerin, die hauptsächlich im Bereich Theater und TV tätig ist, aber auch in einigen Spiel- und Kurzfilmen mitspielte und vor einigen Jahren schon mal erste musikalische Gehversuche (damals noch mit bombastischem Retro-Pop auf Englisch) unternahm, aber erst in letzter Zeit auch mit Chansons von sich hören lässt. Bislang gibt es von Edwige eine selbst betitelte EP und diverse Kollaborationen - beispielsweise das Duett "La Totale" mit Albin de la Simone (über den der Kontakt zu Le Pop zustande kam). In Edwiges Lebenslauf wird zudem Jazz-Gesang als eine ihrer Fähigkeiten gelistet. Begleitet wurde Edwige bei dieser Show von der belgischen Band Applause, deren Gitarrist Manuel Roland auch als ihr Produzent agiert. Applause sind schon etwas länger im Geschäft (was sich schon daran zeigt, dass die Jungs tatsächlich mal eine MySpace-Seite betrieben) und haben zwei LPs veröffentlicht, sind als Band aber schon seit längerer Zeit nicht mehr aktiv und haben Edwige nun offensichtlich für eine Art Comeback-Projekt auserkoren.
Worum geht es? Edwige hat eine sehr sympathische, zurückhaltende Bühnenpräsenz, die so gar nichts von der aufgesetzten Professionalität hat, die so manche Schauspieler an den Tag legen, die es "auch mal mit der Musik versuchen" wollen. Ganz im Gegenteil: Edwige agierte regelrecht schüchtern und konzentrierte sich ohne performerische Showeffekte ganz auf ihren Vortrag. Nur ein mal kurz zur Begrüßung und abschließend wandte sie sich auf Deutsch an das Publikum, um sich auf diesem Wege vorzustellen. Sicherheitshalber hatte sie sich ein Skript aufgeschrieben, damit die "Worte nicht zu komisch" klingen sollten. Die Art von Chansons, die Edwige und ihre Band präsentierten, sind weitestgehend balladesk angelegt, funktionieren über typisch frankophile Harmonien und Melodiefolgen und bieten auch einige weitere typisch französisch anmutendende Elemente - wie z.B. den Gainsbourg-mäßig gezupften Bass von Manu Loriaux, David Picards gestaffelte Keyboard-Sounds, die oft und gerne mit den effektverstärkten Gitarrensounds von Manuel Roland zu einem dichten Klang-Pastiche verwoben werden und nicht zuletzt die absolut unrockigen rhythmischen Aspekte, die sicherlich dezidiert betont unamerikanisch ausgerichtet sind.

Edwige selbst ist keine große Belterin, hält nichts von überzogener gesanglicher Dramatik und tendiert eher in die klassische Richtung des französischen "Hauchgesanges" (wie er in der ganzen Szene verbreitet ist). Tatsächlich hat sie darüber hinaus nicht nur einige Passagen mit Sprechgesang im Angebot, sondern legt auch in den Gesangspassagen eine gewisse Zurückhaltung an den Punkt. Es wäre die Aufgabe des Soundmixers gewesen, dieses zu berücksichtigen, denn gegen die Band konnte sich Edwiges Stimme im Klangbild kaum durchsetzen. Interessant war dann noch das Bühnen-sprengende Effekt-Pedal Manuel Rolands, der Mühe hatte, die ganzen Effekte unter Kontrolle zu halten und mit seinen getweakten Gitarrensounds dabei oft über das Ziel hinausschoss. Dabei ging es nicht darum, dass er etwa falsch spielte, sondern einfach der so erzeugte Sound-Overkill (der vermutlich von der Artpop-Vergangenheit von Applause herrührt) gar nicht nötig gewesen wäre, die Chansons zu transportieren, da diese aufgrund ihrer klaren, konventionellen Struktur durchaus selbsterklärend erscheinen.

Das ganze wirkte noch ein wenig unfertig - was es wohl auch ist, denn die angestrebte LP wird erst im nächsten Jahr erscheinen. Edwige und ihre Bands erscheinen alles in allem weniger experimentell und wagemutig, als insbesondere jüngere Kolleginnen aus dieser Richtung, bieten aber aufgrund der ausgefeilten, detailfreudigen Inszenierung des Materials alles, was Freunde des gediegenen, französischen Chansons zeitloser Natur zu schätzen wissen und ließen auch das Potential der Stücke klar erkennen. Ob sich mit dieser Art von Musik allerdings auch jüngere Leute erreichen lassen, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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