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Konzert-Bericht
 
Zerstreute Begierde

Culk
Lont

Köln, Bumann & Sohn
31.08.2022

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Culk
"Viele von euch werden die Karten für diese Show ja vermutlich schon zwei Jahre haben", begrüßte Sophie Löw die Fans im Kölner Bumann & Sohn anlässlich der mehrfach verschobenen Show im Rahmen der Tour zum letzten Culk-Album "Zerstreuen über euch" - das ja kurz vor der Pandemie veröffentlicht wurde und insofern bisher noch nicht flächendeckend live bespielt werden konnte. "Ich habe mir irgendwann gesagt, dass ich erst glauben werde, dass diese Tour stattfinden kann, wenn es passiert. Das ist jetzt aber mittlerweile unsere achte oder neunte Show und langsam glaube ich dann auch, dass es sich ausgehen könnte." Wenn die Wienerin sagt, dass sich etwas ausgehen könnte, dann meint sie, dass da wahrscheinlich etwas hinhaut. Aber für solche sprachlichen Finessen sind ja regionale Unterschiede da - wichtig war, dass sich alle, sowohl Sophie und ihre Jungs, wie natürlich auch die Fans sich mächtig freuten, dass die Tour nun endlich stattfinden konnte. Demzufolge war es auch nicht verwunderlich, dass das Bumann & Sohn gut gefüllt war - obwohl im Vorfeld der Show etliche Return-Tickets zum Kauf standen, die aber offensichtlich reißenden Absatz gefunden hatten.
Den Support durfte die Kölner Band Lont gestalten. Das aus einem Duo hervorgegangene Quartett, zu dem inzwischen auch eine nicht-singende Bassistin gehört, präsentierte sich dabei als Kind seiner Zeit: In dem Glauben mit Instagram und Soundcloud eine große Musikerkarriere anstreben zu können, präsentierten sich Lont als sympathisch nervöse Nachwuchstruppe mit hakeligen Postpunk-Tracks, bei denen es mehr um jugendliche Energie als um songwriterische und spieltechnische Finesse geht. Sagen wir mal so: Das war dann nicht ganz unpassend für den Sound, für den Culk auch stehen - wenngleich bei Culk dann noch Shoegaze- und Ambient-Elemente und eine Prise Elektronica dazu kommen.
Die Sache ist die: Vor einigen Tagen hatte Sophie Löw als Sophia Blenda eine Solo-LP namens "Die neue Heiterkeit" veröffentlicht. An diesem Abend wurde dann auch deutlich, warum sie das getan hatte, denn im Gegensatz zu früheren Shows präsentierten sich Culk vor allen Dingen im Rockmodus. Und Sophies/Sophias Solo-Arbeiten sind dann doch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt und bieten eher metaphysische Entspannung und Reflexion. Das mit dem Rockmodus äußerte sich bei der Show in Köln nun nicht bedingt darin, dass Sophie ständig selbst auch zur Gitarre griff (was sie gelegentlich tat) oder sich die Jungs im Hintergrund mit Rockposen zu profilieren suchten (nicht mal Gitarrist Johannes Blindhofer, der mächtig beschäftigt mit seinem Effektpedal war) - aber im Wesentlichen kommen die zum Teil betont atonalen und dystopischen Culk-Elegien mit mächtig Dampf unter dem Kessel daher. Was Sophie sich indes angewöhnt hat, ist die Technik, sich des Mikros zu bemächtigen und das Publikum in der Manier einer Croonerin direkt anzusingen. Auch versteckt sie sich heute nicht mehr hinter dem Keyboard, sondern agiert auch dahinter vergleichsweise offensiv. Ein bisschen absurd - wenngleich dennoch faszinierend attraktiv - ist das allerdings deswegen, weil die Live-Ästhetik von Culk ja so gar nichts Glamouröses hat. Culk ist und bleibt eine Schattenband, die bestenfalls mit Beleuchtungs-Akzenten arbeitet - aber eigentlich nicht mal das. Die Dunkelheit und der Kunstnebel sind beste Freunde der Band. Selbst Songtitel wie "Helle Kammer" helfen da nicht grundsätzlich weiter. Schade eigentlich, denn tatsächlich hatten sich die Musiker für diese Tour eine Art Uniform ausgedacht, die aus individuell gestalteten Patchwork-Overalls im Schwarzweiß-Modus bestand.

Natürlich gehörten neben den Songs des "Zerstreuen"-Albums auch ältere Tracks von der ersten, selbstbetitelten LP zum Programm (inklusive des kompletten "Faust"-Epos) - und auch die stilbildende, erste Single "Begierde/Scham" fand den Weg auf die Setlist - nicht aber irgendwelche Tracks aus dem Sophia Blenda-Repertoire. Diese beiden Projekte will Sophie erst mal auseinanderhalten - und wird dafür im Oktober erneut als Sophia Blenda auf Reisen gehen. Keine Frage: Culk-Fans sollten sich das schon mal notieren, denn wenngleich sich der Sound bei Sophia Blenda ganz anders gestaltet als bei Culk, ist das Sentiment dann doch zumindest ähnlich. Tatsächlich scheint es gerade in Zeiten wie diesen ein aktuelles Bedürfnis für die musikalische Dystopie von Culk zu geben, denn der Auftritt der Band in Köln wurde vom Publikum gefeiert wie ein Heimsieg - und aufgrund dessen, dass hier ja eine bekennende Feministin hinter dem Mikro agiert, fanden auch viele Frauen den Weg ins Bumann - was ja bei Musik wie dieser nicht unbedingt üblich ist.

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Surfempfehlung:
culk1000.bandcamp.com
www.instagram.com/culkmusic
www.facebook.com/culkmusic
soundcloud.com/user-901238995
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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