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Naturgewalt mit Köpfchen

Cash Savage & The Last Drinks

Köln, Bumann & Sohn
05.10.2022

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Cash Savage
Epische Wucht, nachdrückliches Sendungsbewusstsein und große Ernsthaftigkeit - besser als der Kollege Ullrich Maurer in seinem Review unserer letzten Begegnung mit Cash Savage & The Last Drinks können wir auch dieses Mal nicht zusammenfassen, was dieses einzigartige australische Septett ausmacht. Bei ihrem Auftritt in Köln taucht die Band für 80 Minuten ab in einen düsteren Swamp Rock, in dem viele Helden des australischen Alternative Rock von gestern und vorgestern widerhallen, während Texte am Puls der Zeit dafür sorgen, dass Savage und die Ihren trotz eines ausgeprägten Faibles für althergebrachte Werte nicht von gestern sind.
Zeit genug, um sich auf dieses Gastspiel in Köln zu freuen, hatte das Publikum ganz ohne Frage. COVID-19 ist schuld, dass die lang geplante Europa-Tournee von Cash Savage & The Last Drinks gleich mehrfach verschoben werden musste, doch dass sich das Bumann & Sohn trotzdem - oder gerade deshalb? - an diesem Mittwochabend nur langsam füllt, tut der Freude über den mitreißenden Auftritt der Band keinen Abbruch. Nick Cave And The Bad Seeds - bei denen Savages Onkel Conway bis zu seinem Tod viele Jahre am Klavier saß -, Kim Salmon oder Dirty Three leuchten in der Ferne, wenn The Last Drinks vom ersten Ton an mit ungebremster Wucht einen bisweilen schwerfällig anmutenden, dunkel funkelnden Sound heraufbeschwören, den es so wirklich nur in Australien zu geben scheint, während Savage ihre Texte mit ihrem eindringlichen bluesgetränkten Organ nicht nur singt, sondern mit unglaublicher Intensität und Dramatik im Stile einer Thalia Zedek oder eines Jeffrey Lee Pierce greifbar macht. Statt auf punkige Energie setzen die sieben Musikerinnen und Musiker dabei allerdings eher auf virtuose Kontrolle und das perfekte Ineinandergreifen der einzelnen Elemente, denn so unmittelbar und direkt die fesselnden und dabei oft geradezu überraschend facettenreichen Lieder der Band auch sind - für Chaos und Zufall ist in dieser Musik kein Platz. Heimlicher Trumpf ist dabei oft Geigerin Kat Mear, die nicht nur bei der psychedelisch umspülten Sieben-Minuten-Nummer "Sunday" im Mittelpunkt steht, sondern auch sonst für das i-Tüpfelchen, für das Besondere sorgt.

Die Ernsthaftigkeit, mit der Savage und Co. zu Werke gehen, zeigt sich aber nicht nur musikalisch. Zwar hält sich die Frontfrau nicht groß mit langen Ansagen auf - nur am Ende des Auftritts erklärt sie etwas ausführlicher, dass es keine Zugaben geben wird, weil sie nicht hinter dem Vorhang warten will, nur damit die Leute klatschen können: "I think that's fucked!" -, trotzdem macht sie mit den Inhalten ihrer Lieder überdeutlich, dass sie trotz der vielen klanglichen Reminiszenzen an die Vergangenheit fest im Hier und Jetzt verankert ist. Das gilt gerade für die neuen Songs, die sich auf der Setlist unter alte Klassiker wie "Pack Animals", "Good Citizen" oder "Rat-a-tat-tat" gemogelt haben. In "Fun In The Sun" thematisiert Savage auf ganz eigene Weise den Klimawandel, während sich "$600" um psychische Gesundheit dreht, ein Thema, mit dem sich die Sängerin während der Pandemie erstmals selbst konfrontiert sah.
Dass das bierselige Publikum in den vorderen Reihen die wenigen ruhigen, aber keinesfalls weniger intensiven Momente wie "Sea Horse" als Aufforderungen versteht, sich lautstark in Privatgespräche zu vertiefen, ist der einzige Wermutstropfen, denn wer ausschließlich gekommen ist, um sich den Lockdown-Blues aus den Knochen zu schütteln, der verpasst, dass Cash Savage & The Last Drinks viel mehr sind als nur urgewaltig.

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Surfempfehlung:
cashsavage.com.au
facebook.com/savagedrinks
www.instagram.com/savagedrinks
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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