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Konzert-Bericht
 
Heiter bis nachtschattig

Sophia Blenda

Köln, Die Wohngemeinschaft
20.10.2022

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Sophia Blenda
Eigentlich war die Show von Sophia Blenda a.k.a. Sophia Blenda eine Art Nachschlag, denn erst im August war sie mit ihrer Band Culk in der Domstadt zu Gast gewesen. Die Sache mit dem "a.k.a." hatten wohl aber nicht alle Culk-Fans mitbekommen, denn im Vergleich zu der Culk-Show war jene von Sophie mit ihrem Side-Project Sophia Blenda deutlich weniger gut besucht. Und das, obwohl sich die Wienerin zur Live-Präsentation ihrer Debüt-LP "Die neue Heiterkeit" eine dreiköpfige Band mitgebracht hatte (denn Sophia Blenda ist zunächst mal ein Solo-Projekt).
Sei es drum: Sophie und ihre Musiker(innen) machten von Anfang an deutlich, dass es bei Sophia Blenda nicht um eine Culk-Light-Version geht. Selbst unter dem Gesichtspunkt, dass die Band Tracks wie "Wie laut es war" oder "Fun" mit deutlich mehr kinetischer Energie und auch rhythmischen Akzenten spielte, als das aufgrund der atmosphärischen Studioproduktionen zu erwarten gewesen wäre. Auch Sophies zuletzt mit Culk erworbene performerische Selbstsicherheit nutzte sie jetzt nicht, um sich als Rampensau zu profilieren. So griff sie zwar gelegentlich zum Mikro, spielte (wie bei Culk zuletzt auch) das Publikum direkt an und suchte gar den Blickkontakt anstatt sich - wie früher - hinter ihren Haaren oder dem Keyboard zu verstecken. Rockmusik kam dabei aber natürlich doch nicht raus, denn das hatte Sophie deutlich gemacht: Culk und Sophia Blenda sollten getrennt voneinander neben herlaufen. Dafür überraschte das Setting mit einem szenischen Bühnenaufbau, wobei das Motiv der zerfaserten Haare, das Sophie in ihrem Artwork verwendet, in Form von Cut-Outs auf der gut gefüllten Bühne verteilt war und die Musiker so zum Teil der Staffage wurden. Zudem war die Bühne nicht in Kunstnebel eingehüllt und sogar gleißend ausgeleuchtet - etwas, das man angesichts des Noir-Charakters von Sophies Musik gar nicht vermutet hätte; was aber Sinn machte, denn Teil des Charmes von Sophia Blenda ist ja, dass Sophie als Protagonistin und demzufolge auch als Performerin ihr Innerstes offenlegt - und das sollte man dann ja auch irgendwie sehen können.
So richtig glücklich schien Sophie aber trotz allem nicht zu wirken - was vielleicht auch ein wenig zu viel gewesen wäre, denn bei Sophia Blenda geht es ja - mehr noch als bei Culk - um ernste Themen wie Empowerment, Sozialkritik und den Kampf mit diesen und jenen Dämonen. So etwas lässt sich natürlich nicht in fröhliche Popmusik verpacken. Sophies neue Heiterkeit ist eine virtuelle und mehr Metapher als Bezeichnung. Großartig kommentieren tat Sophie das alles nicht. Ihre extrem schüchternen Zwischenansagen beschränkten sich darauf, einige Titel - darunter auch einen neuen auf Englisch - anzusagen und dem Publikum nach dem Konzert noch einen schönen Abend und eine gute Nacht zu wünschen. Das, was sie an performerischer Kraft zu bieten hatte, steckte Sophie dann lieber in den Vortrag. Aufgrund des larmoyanten Charakters ihrer Musik wird die Stimmung derselben oft als distanziert wahrgenommen. Bei dieser Show war das indes nicht der Fall - einfach deswegen, weil alle Beteiligten das Ihre taten - beispielsweise durch Instrumentenwechsel -, möglichst empathisch für Abwechslung zu sorgen. Dabei kamen dann diverse Keyboards, eine Trommel, Geige und das Hauspiano zum Einsatz und Sophie konnte sich ganz darauf konzentrieren, sich die Seele aus dem Leib zu singen. Das war natürlich immer noch larmoyant - aber eben auch wunderschön und unterhaltsam, zumal dann die klassizistischen, organischen Bestandteile der Musik stärker betont wurden, als die elektronische Basis. Vorausgesetzt, man ließ sich auf den Flow des Ganzen ein. Das schien der Fall zu sein, denn man hätte während des Vortrages die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Ein Vorwurf sei dann aber doch erlaubt: Aufgrund der strikten Trennung von Culk und Sophia Blenda gab es natürlich keine Überschneidungen, so dass das Set am Ende mit einer knappen Stunde Spielzeit doch recht knapp ausfiel.

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Surfempfehlung:
www.sophiablenda.com
linktr.ee/sophiablenda
www.instagram.com/sophiablenda
sophiablenda.bandcamp.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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