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Jazz ist nur ein Wort

Jeff Parker

Köln, Urania Theater
07.11.2022

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Jeff Parker
Mit seiner LP "Forfolks" hat Gitarrist Jeff Parker im vergangenen Jahr auf dem bemerkenswerten International-Anthem-Label eine nahezu perfekte Mood-Platte herausgebracht, ein Album, das zwischen leiser, virtuoser Brillanz und gedämpfter, meditativer Atmosphäre wie gemacht ist, um den fortwährenden schlechten Nachrichten des Alltags für einen kurzen Moment zu entfliehen. Mit der Stromgitarre in seinen Händen, Loopstation und Effektgeräten zu seinen Füßen fasziniert der amerikanische Tausendsassa auch bei seinem Soloauftritt in Köln mit einem Mix aus Können und Understatement. Schon vor 25 Jahren sorgte er als Mitglied von Tortoise und Teil der Supergroup Isotope 217° erstmals im Postrock-Umfeld für Furore, an diesem Abend dagegen fesselt er das bunt gemischte Publikum rund 75 Minuten lang mit seinen betont atmosphärischen und doch melodisch fließenden Instrumentals im Dunstkreis von Jazz, Improv und Ambient, die keine strikten Genregrenzen kennen.
Ein wenig macht sich Jeff Parker an diesem Abend selbst Konkurrenz. Schließlich machte er zuletzt auch als Musiker auf Makaya McCravens umwerfendem "In These Times"-Album von sich reden und war noch wenige Tage vor seinem Abstecher nach Köln als Gitarrist in McCravens Quartett auf US-Tournee. Auch an diesem lauen Montagabend sind sich die zwei Ausnahmemusiker ganz nah - und stehen doch auf unterschiedlichen Bühnen. McCraven spielt - mit Matt Gold an Parkers Stelle - im Club Bahnhof Ehrenfeld, Parker selbst tritt derweil kaum 200 Meter Luftlinie entfernt auf. Gelitten hat der Abend unter dem ungewöhnlichen Double Booking allerdings nicht, denn der Saal im Urania Theater ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

Tatsächlich ist der Ort für Parkers Köln-Gastspiel im Rahmen der "Always Coming Back To You"-Konzertreihe gut gewählt. In dem früheren Kino sind die Grenzen zwischen "aus der Zeit gefallen" und "hip" gewissermaßen fließend, und das gilt auch für die Musik des lange in Chicago heimischen, inzwischen aber ins Los Angeles lebenden Gitarristen. Auf der Bühne zeichnet der grundsympathische 55-Jährige impressionistische Skizzen, wenngleich kein Zweifel daran besteht, dass seine Liebe zu Klarheit in puncto Melodie, Harmonie, Klangfarbe und Rhythmus größer ist als sein Interesse, das Publikum allein mit technischen Spielerein einzufangen oder mit kantiger Widerborstigkeit künstlerischen Anspruch zu simulieren.

So vielseitig und innovativ er auch zu Werke geht, versucht Parker dennoch nicht, den Einfluss der Giganten zu verhehlen, die ihn einst erst auf den Weg gebracht haben. Wie schon auf "Forfolks" adaptiert er auch in Köln brillant Jazz-Standards wie "My Ideal" und - bei der Zugabe - Thelonious Monks "Ugly Beauty" für seine Klangwelt, verharrt allerdings auch nicht nur im Vorgestern, wenn er mit "Mainz" die Aufmerksamkeit auf seinen Freund, Kollegen und zeitweiligen Kollaborateur, den famosen Drummer Chad Taylor aus Chicago, richtet oder sich Frank Oceans "Super Rich Kids" vor einem eigenwillig-genialen Backdrop aus Großstadt-Field-Recordings zu eigen macht und dabei unterstreicht, dass ihm selbst Pop, R&B und HipHop nicht fremd sind.
Doch so unterschiedlich die Inspirationsquellen auf den ersten Blick auch sein mögen, tief im Verborgenen finden sich doch immer wieder konzeptionelle Zusammenhänge, mit denen Parker die Art von subtilem Humor beweist, die man ihm ob seiner leisen, bisweilen geradezu bedächtigen Art, mit der er sich zwischen den Nummern knapp an das Publikum wendet, gar nicht unbedingt zutrauen würde. So lässt der Familienmensch Parker ausgerechnet auf "Super Rich Kids" das an diesem Abend erstmals ohne Bandbegleitung gespielte "Here Comes Ezra" folgen, das er einst für seinen damals dreijährigen Sohn geschrieben hat, an das sich dann nahtlos - und ohne weitere Erklärung - seine Interpretation von Monks "Ruby, My Dear" anschließt. Warum das ein Schmunzeln wert ist? Na, Ruby ist der Name seiner Tochter!

Am Ende ist klar: Wenn Parker bei seinem Style-Surfing Genrebarrieren spielerisch überwindet, um zwischen Tradition und Technologie, Improvisation und Komposition sowie Vertrautem und Abstraktem seinen eigenen Weg zu finden, dann ist "Jazz" nur ein Wort.

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Surfempfehlung:
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
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