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Rockforshort

renforshort
Valencia Grace

Berlin, Privatclub
16.11.2022

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renforshort
"Elektro-Pop" stand da über dem Eingang des ehrwürdigen Berliner Privatclub zur Ankündigung der Show im Rahmen der Tour zu Lauren "renforshort" Isenbergs Debüt-LP "Dear Amelia" geschrieben. Nun ja - je nachdem welche Bio oder welches Review man da als Basis hernimmt: Es ist nicht so ganz einfach, die Musik der jungen Kanadierin in eine Schublade zu packen - "Elektro-Pop" ist es aber jedenfalls nicht. Zumindest hätte den Veranstaltern ja auffallen müssen, dass ren (wie sich von ihren Fans nennen lässt) mit Produzent Jazz Hazin einen versierten Fachmann in Sachen Rock an der Seite hat, dass Travis Barker von Blink-182 bei ihrem Song "We'll Make This Ok" hinter dem Drumkit saß oder dass sie zusammen mit dem US-Rocker Glaive mit dem Emo-Core-Song "Fall Apart" die Stephen Colbert Show im US-TV rockte. Man hätte also in Sachen "Elektro-Pop" vorgewarnt sein können.
Bevor Renforshort gegen 21 Uhr auf die Bühne des Privatclub stürmte, empfahl sich Valencia Crace als neue Pop-Hoffnung aus dem UK. Kurz gesagt: Valencia ist eine 18-jährige Songwriterin aus Dorset, die mit einer Power und Inbrunst dermaßen beeindruckend performt, als habe sie 30 Jahre lang jeden Tag sechs Stunden Gesangsunterricht und Stimmtraining genossen. In der Tat ist die Diskrepanz zwischen der Optik der schmächtigen Person und dem Stimmvolumen dermaßen auffällig, dass man beides schwer zusammen bekommt. Mag sein, dass ihre Songs zur Zeit alle noch ein bisschen generisch daherkommen - aber es gelingen ihr doch einige coole Hooklines und Akkordfolgen und auch im unabdingbaren Balladensetting macht sie eine gute Figur. Vergleiche mit Adele erscheinen da keineswegs unangebracht. Wie das bei jungen Songwriterinnen unserer Tage so üblich ist, singt sich Valencia ihre Ängste und Dämonen von der Seele und findet mit ihren Elegien über Depressionen oder Verlustängste als Rolemodel durchaus Anklang unter ihren Fans. Kurz noch mal zum Thema Elektropop: Valencia ließ sich von einem Live-Gitarristen begleiten und spielte bei einem Song auch selbst Klavier - der Rest der Produktion kam jedoch vorproduziert von der Harddisk. Elektro-Pop war das aber dennoch lange noch nicht, da alles einen organischen Ursprung hatte.
renforshort hatte sich dann einen Live-Drummer und einen Multiinstrumentalisten als Begleiter mitgebracht. Indem sie aber selbst bei jedem zweiten oder dritten Track zur Gitarre griff, war der Rahmen für eine solide Rockshow dann auch schnell abgesteckt. Sicher: Die Harmonien und/oder Akkordfolgen vieler ihrer Tracks folgen durchaus den Konventionen zeitgemäßer Pop-Songs - es sind aber letztlich die Songs, mit denen sie ihren Inspirationsquellen aus Grunge, Indie und Hardrock Tribut zollt, die den Kern ihres Live-Geschäftes ausmachen. Wenn sie dann mal nicht selbst zur Gitarre greift und dabei alle erdenklichen Rock-Posen vom Stapel lässt, lässt sie auch ansonsten keine Gelegenheit aus, das Publikum hyperaktiv anzufeuern, zum Mitmachen zu bewegen und mit diesem zu interagieren. Dass sie einen Song namens "Moshpit" im Angebot hat, ist dabei eine amüsante Randnote, denn auch wenn das Publikum überwiegend aus jüngeren Frauen besteht, entwickelte sich die Area vor der Bühne schnell in einen ebensolchen. Dabei ist sich Lauren für nichts zu schade, posiert für die Handys - borgt sich gerne auch mal welche aus, um persönliche Perspektive live von der Bühne zu dokumentieren und sucht auch den direkten Kontakt. Man muss schon lange suchen, bis sich jemand findet, der sich so rührend um die Belange seiner Followerinnen sorgt, wie das renforshort tut. Zu dem Soundtrack-Song "Afterthoughts" aus dem Film "Clouds" etwa setzte sie sich an den Bühnenrand und nahm eine Elevin, die bis dahin jeden Song lautstark mitgesungen hatte, in den Arm, während sie den Song performte. Mal ehrlich: Es ist ja eine Sache, seinen Fans zusätzlich zu den Ticketpreisen einen VIP-Pass für 50 $ zu verkaufen, bei dem nicht mehr rausspringt als ein Selfie (wie das heutzutage viele von rens US-Kolleg(inn)en machen) - oder aber solche direkte, körpernahe Seelenpflege zu betreiben. Wer so etwas macht, der weiß den Wert seiner Arbeit zweifelsohne noch richtig zu schätzen.

Musikalisch gefiel die Show durch eine abwechslungsreich gestaffelte Songauswahl aus LP-Tracks und älteren Beiträgen von rens EP-Produktionen. Poppige Momente (wie z.B. gleich eingangs "Juilan - King Of Manhattan") und melancholische Generik-Balladen gab es natürlich auch - vor allen Dingen war das Programm aber kurzweilig und ausgewogen strukturiert. Und dann waren da ja auch noch die Rock-Momente. Absolutes Highlight dabei war dann zweifelsohne rens Coverversion des Pixies-Klassikers "Where Is My Mind". Der Track begann als Noir-Piano-Ballade (was schon cool genug gewesen wäre) und steigerte sich dann nach einer dramatischen Pause zu einem orgiastischen Rock-Orkan mit Stroboskop-Gewitter, Drum-Orkan und Feedback-Gedröhne a la couleur. Dass bei der ganzen Bühnen-Akrobatik ren der Sender ihres In-Ear-Monitors gleich mehrfach aus der Hose rutschte, musste dann halt hingenommen werden. Die persönliche Geschichte des "Amelia"-Projektes (bei der ren die Fans gebeten hatte, ihre Sorgen und Nöte einer virtuellen Kummertante namens "Amelia" aufzubürden, wie sie das mit ihren Songs tut) hatte sie sich für den Schluss der Show aufgehoben, die dann - zusammen mit zwei Zugaben-Rausschmeißern entsprechend abgefeiert wurde. Keine Frage: Wer seine Fans dermaßen begeistern - und vor allen Dingen glücklich machen - kann, wie das renforshort tut, der hat das Herz auf dem richtigen Fleck - und macht auch alles richtig - ganz egal, um welche Art von Musik es gehen mag.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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