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Konzert-Bericht
 
Under The Serious Moonlight

Dan Mangan
Nuria Graham

Köln, Gebäude 9
04.12.2022

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Dan Mangan
Es gibt ja viele schöne Allegorien, die Unbilden in Worte zu fassen, mit denen Songwriter wie Dan Mangan in Zeiten wie den unsrigen zu kämpfen haben. Dan fügt diesen noch eine ganz eigene Interpretation hinzu: "Heutzutage ein Album zu veröffentlichen ist, als gieße man eine Tasse Wasser in den Ozean und hoffe dann darauf, dass jemand da durch schwämme." Man muss sich also heutzutage etwas einfallen lassen, um die potentiellen Fans überhaupt noch erreichen zu können. Ein gutes Mittel dazu ist für positive Mund-zu-Mund-Propaganda zu sorgen - und dafür trägt Dan auf seinen Touren seit Jahren Sorge, indem er das Publikum entsprechend motiviert und einbindet. Kein Wunder also, dass die Tour zu seinem aktuellen Album "Being Somewhere" trotz Pandemie und anderer Weltenkrisen zu einem vollen Erfolg geriet und der Tourabschluss in Köln in einer Art Familienfeier ausartete.
Ebenfalls hilfreich, um im "Musikozean" heutzutage nicht unterzugehen, ist es auf Synergie-Effekte zu setzen. Auf seiner letzten Tour in unseren Gefilden etwa hatte sich Dan mit seiner Kollegin Laura Gibson die Musiker geteilt und dabei sozusagen zwei Fliegen mit einer Band geschlagen. Ähnlich war das auch dieses Mal mit Dans Support-Act, der irisch/katalanischen Songwriterin Nuria Graham. Zwar hatte Nuria sich mit dem Klarinettisten Marcel-li Bayer und dem Gitarristen Jordi Mathews zwei äußerst kompetente Musiker mitgebracht, lieh sich indes für einen ihrer Songs Dans Drummer Don Kerr aus - und wurde auch beim abschließenden Singalong am Ende von Dans Set eingebunden.

In unseren Breiten ist Nuria zweifelsohne noch ein Geheimtipp - aber spätestens seit der Veröffentlichung ihrer letzten LP "Marjorie" und ihrem Auftritt beim Reeperbahn Festival kein besonders gut gehüteter mehr. Für diese Tour hatte Nuria ihr Material in eine unerwartet jazzige Richtung umarrangiert und präsentierte sich gut gelaunt und motiviert am Piano sitzend mit ihren weitestgehend im Balladenformat dargebotenen Songs als musikalischer "Catalyst". So jedenfalls der Titel eines gerade als Single-Titel neu veröffentlichten Songs, den sie ebenso wie die zweite aktuelle Nummer "Yes I'm A Goldfish" darbot. Der Rest des Sets bestand dann aus älteren Tracks ihrer neueren Geschichte - darunter auch ihre "Instant-Classic"-Balladen "At Last" und "Ready To Fool You" aus dem letzten Jahr. Selbst für Kenner des Repertoires von Nuria Graham waren die konsequent jazzig ausgelegten Arrangements dann doch eine Überraschung, denn auf den Studioproduktionen und auch bei früheren Live-Shows hatte sich Nuria ja noch mit einem klassischen, organischen Brill-Building-Pop-Flair präsentiert, das sich erst in letzter Zeit in eine jazzig/soulige Richtung entwickelt hatte. Es wird also interessant sein, was Nuria auf ihrer für nächstes Jahr geplanten, neuen LP mit diesem Ansatz noch alles ausprobieren wird. In Köln jedenfalls funktionierte das Konzept mit Klarinetten, Piano und Jazz-Gitarre jedenfalls bestens und Nuria hatte kein Problem, das Publikum mit der zurückhaltenden Performance ihrer Band in Beschlag zu nehmen. Noch eine kleine Notiz am Rande: Nuria zeigte sich auf der Bühne mit einem höchst interessanten Schmuckstück - einer Art Nasenfahrrad, das aus der falschen Perspektive wie ein Monokel aussah. Zwar wisse sie auch nicht, wie man dieses von eine Freundin für sie designte Kleinod nennen solle, aber es helfe bei der Performance - meinte sie nach der Show.
Eine gute Methode, das Wohlwollen der Fans über Live-Shows zu erreichen ist ja die, den Fans zu geben, was sie hören wollen - ohne dabei die eigenen künstlerischen Ansprüche zu verraten. Dan Mangan löste das in Köln (und vermutlich auf der ganzen Europa-Tour) auf interessante Weise. So bot er etwa in seinem Set Highlights aus seiner gesamten Laufbahn - vom Frühwerk "Road Regrets", mit dem er weiland erfolglos nach SXSW aufgebrochen war, um dort entdeckt zu werden. über seinen Monstertrack "Robots" und das als Publikumswunsch ausgerufene Robyn-Cover "Hang With Me" oder dem melancholischen Pop-Song "Cold In The Shower" vom letzten Album "More Or Less" bis hin natürlich zu den neuen Tracks von "Being Somewhere". Und damit kommen wir zu den künstlerischen Ansprüchen. Selbst den hartnäckigsten Traditionalisten dürfte es ja aufgefallen sein, dass Dan Mangan seine ursprünglichen Americana- und Folkpop-Roots schon seit Jahren hinter sich gelassen hat und - zumindest bei den Studioproduktionen und spätestens seit er sich mit dem kalifornischen Produzenten Drew Brown zusammengetan hat - in musikalische Bereiche vorgestoßen ist, die noch nie eines Menschen Ohr in dieser Form vernommen hat. Das Interessante dabei ist dann die Tatsache, dass er dieses Prinzip - das im Wesentlichen aus einer Verdichtung seines Materials bei zeitgleicher produktionstechnischer Ausdehnung in digitale und elektronische Bereiche besteht - nicht auf Biegen und Brechen für die Live-Shows implementiert. Ein gutes Beispiel dafür ist der neue Song "Easy" - eine Kontemplation darüber, wie man Unbilden der Gegenwart so etwas wie eine Art von Gelassenheit entwickeln könnte - den Mangan und seine Band um die ganzen psychedelischen Effekte der Studioproduktion bereinigt bereinigt und ganz auf den emotionalen Gehalt hin reduziert präsentierten. Noch weiter ging er mit "No Tragedy Please" und spielte diesen Song als die melancholische Folk-Ballade, die sie ursprünglich wohl auch ein Mal war. Ähnlich verfuhr Dan mit "Fire Escape" oder "In Your Corner" - einen Song, den er für seinen durch Freitod aus dem Leben geschiedenen schottischen Kollegen Scott Hutchison als Reaktion auf dessen Frightened Rabbit-Song "The Woodpile" geschrieben hatte. Dan spielt momentan übrigens noch mit dem Gedanken, einige der Songs von "Being Somewhere" in nochmals reduzierten, anderen Versionen neu aufzulegen. Mal sehen, was daraus wird.

Ein beliebtes Ritual seit jeher besteht für Dan darin, dass er sich mit seinen Musikern zur Zugabe ins Auditorium begibt, um diese dort unplugged darzubieten. Dabei gibt es gemeinhin zwei Probleme: Die Zuhörer, die nicht unmittelbar um die Band herum stehen, können nichts hören und so gut wie niemand kann etwas sehen, da die Lichttechnik einfach nicht darauf vorbereitet ist, solche Spontan-Aktionen effektiv zu illuminieren. Also hatten Dan und die Jungs dieses Mal vorsorglich einen (leicht pulsierenden) Lichtmond und ein Gesangsmikro mitgebracht und bauten dieses mitten in der Halle auf, sodass das Singalong bei den abschließenden Tracks "Robots" und "So Much For Everyone" dann auch tatsächlich mit allen Sinnen erfasst werden konnte - sofern der Wackelkontakt im Schalter des Lichtmond es zuließ und das Gebäude 9 in ein "serious Moonlight" tauchte.

Getragen vom positiven Feedback des zu Ende gehenden Tourerlebnisses und demzufolge motiviert präsentierten Dan Mangan und Nuria Graham und ihre Musiker dem Kölner Publikum an diesem Tage ein perfektes Konzerterlebnis, an das sich sicherlich alle Beteiligten noch lange erinnern werden. Über positive Mund-Zu-Mund-Propaganda müssten sich Dan & Co. also eigentlich keine Gedanken mehr machen. Gleichwohl bat er das Publikum, sich über einen bereitgestellten QR-Code für seinen Newsletter anzumelden. Sicher ist sicher.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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