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Konzert-Bericht
 
Black Christmas

A.A. Williams
Karin Park

Köln, Bumann & Sohn
20.12.2022

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A.A. Williams
Zur etwas anderen "Weihnachtsparty" luden am 20.12.2022 die britische Düster-Song-Poetin A.A. Williams und ihre ähnlich gepolte schwedische Kollegin Karin Park ins Kölner Bumann & Sohn. Die Sache ist die: Obwohl das Debüt-Album von A.A. Williams den Namen "Forever Blue" trug, ist das eher eine deskriptive Untertreibung, denn mit ihrem dystopischen Doom-Post-Kaputnik-Rock auf Singer/Songwriter-Basis hat Alex "A.A." Williams eine Nische besetzt, die sie selbst erst über ihre Begeisterung für nihilistische Songkunst a la Nine Inch Nails entdeckt hatte - und die assoziiert sich eher mit "rabenschwarz" als "blau". Mit ihren Songs therapiert sich A.A. Williams - wie sie sagt - selbst. Das lässt vermuten, dass sie all ihre negativen Energien in ihrer Musik verbrät. Nicht, dass das aus den recht opaken Lyrics im Detail herauszuhören wäre - aber alleine Songtitel wie "Melt", "Love And Pain", "Dirt", "Hollow Heart", "Evaporate" oder "Alone In The Deep" legen das ja nahe. Kurzum: Niemand erwartete an diesem Abend wohl fröhliche Popmusik.
Zumindest mit einer ähnlichen Attitüde wie A.A. Williams - wenngleich mit anderen musikalischen Mitteln - geht auch Karin Park an die Sache heran. Diese hatte sich mit ihrem aktuellen Album "Private Collection" soeben einen Herzenswunsch erfüllt und neun ihrer subjektiven Lieblings-Songs in einem reduzierten Setting mit Pumporgel, Klavier und Gesang neu eingespielt. Dieses Konzept ist natürlich für eine Live-Show nur bedingt tragbar und so spielte Karin lediglich ihren Signature-Song "Blue Roses" in diesem Format. Dazu hatte die Frau, die in einer alten Kirche lebt und Orgeln sammelt, ihre kleinste antike Pumporgel mitgebracht und lud all diejenigen, die sie noch nicht kannten, ein, sie über diesen Song zu entdecken. Der Rest des Konzertes fand in einem interessanten Ambiente statt: Da das Equipment von A.A. Williams nahezu den ganzen Bühnenbereich einnahm und auch eine elaborierte Beleuchtungsinstallation beinhaltete, hatte Karin Park ihr Instrumentarium vor der Bühne aufgebaut. Das bestand aus drei Keyboard-Ständern und einer Anzahl von im Takt der Musik pulsierenden Leuchtballons, die um Karin Park herum platziert waren - allerdings nicht vorne, so dass sich die Sache optisch dann doch weitestgehend als Schattenspiel gestaltete. Musikalisch hatte Karin ihr Set geschickt aufgebaut und begann mit den atmosphärischen Drone-Titeln und A-Cappella-Elementen ihrer vorletzten LP "Church Of Imagination" und arbeitete sich dann langsam zu ihren Elektronik-Roots vor, die im letzten Drittel der Show in Club- und Techno-Improvisationen im Stil der zahlreichen Remixe ihrer Arbeiten ausartete. Das war alles recht stylisch und funktionierte dramaturgisch hervorragend. Es klang auch für die, die Karin bislang noch nicht kannten, seltsam vertraut, denn Karins Gesang erinnert schon sehr an den ihrer Landsfrau Karin Dreijer - und auch ihre Musik kommt der Ästhetik von Fever Ray und The Knife teilweise schon recht nahe. Dabei sind allerdings ihre elektronischen Elemente weniger abstrakt; auch weil sie mit einem Mellotron arbeitet, mit dem heutzutage ja alle möglichen organischen Instrumente perfekt emuliert werden können. Beispielsweise auch Orgel-Sounds (was dann wieder liturgische Assoziationen zu Anna von Hausswolff weckte). Die vielleicht größte Überraschung war dann die, dass Karin die songwriterische Seite ihrer Kunst betonte, indem sie Hintergründe zu Verlustängste-Songs wie "Bending Albert's Law" oder eben "Blue Roses" erläuterte. "Das wird eine großartige Nacht", freute sich Karin dann, die über den positiven Zuspruch ihrer ersten Show in der Domstadt offensichtlich extrem angetan war, "und dabei ist das doch nur die Aufwärm-Show."
Auch A.A. Williams freute sich darüber, dass sie bei ihrer ersten Köln-Show ein gut gefülltes Haus vorfand. Tatsächlich konnten zumindest die Fans, die ganz vorne am Bühnenrand standen, so etwas wie ein Lächeln auf dem Gesicht der ansonsten eher mit einer versteinerten Miene betont ernsthaft agierenden Künstlerin erkennen. Alle anderen freilich nicht, denn auch wenn es eine ausgeklügelte Beleuchtungsdramaturgie gab (die allerdings fast ausschließlich auf Rotlicht-Basis daher kam), wurde streng darauf geachtet, dass A.A. und ihre Band (zu der auch ihr als Bassist agierender Ehemann Thomas gehört) niemals von vorne angestrahlt wurden und Unmengen von Kunstnebel sorgten zudem für effektiven Sichtschutz. Freilich: So etwas erwartet man ja bei Musik wie dieser auch.

Das, was die Musik von A.A. Williams im Live-Kontext auszeichnet, ist die totale strukturelle Kontrolle, die A.A. und ihre Musiker demonstrierten und insbesondere in Sachen Timing und Dynamik mehr als deutliche Ausrufezeichen setzten. So spielten die Musiker immer wieder mit den Gegensätzen zwischen den von Alex' immer wieder überraschend melodischem, ausdrucksstarken und emotionalen Gesang getragenen, zeitlupenartigen Spannungsbögen getragenen Passagen und den brachialen, monumentalen und unerbittlichen Doom-Riffs und Soundwänden, die dann stets als Erlösung über den Hörer hereinbrechen. Dass dabei viele Tracks (zwischen Flüstern und Sturm) ähnlich aufgebaut sind wie z.B. "Hollow Heart", "Evaporate", "Murmurs" oder "For Nothing" - die zu Beginn der Show gegeben wurden -, spielte dabei eigentlich kaum eine Rolle, denn insbesondere aufgrund der stets präsenten melodischen Aspekte und teilweise deutlich erkennbaren Refrain-Elemente (die auf A.A.'s songwriterische Basis zurückzuführen sind) lassen so etwas wie Langeweile oder Vorhersehbarkeit nicht ein Mal im Ansatz aufkommen.

Die komplette Show wurde konsequent im Rockmodus dargeboten. Die auf den Studioproduktionen der studierten Cellistin anzutreffenden akustischen Elemente beschränkten sich auf einige Piano-Passagen in elegischen Songlamentos wie "Control" oder "Golden". Gerade diese Stücke wirkten dann allerdings sogar eher beruhigend und tröstlich als etwa dystopisch und desolat. Was also im Prinzip leicht in eine deprimierende und bedrückende Veranstaltung hätte ausarten können, erwies sich so als eine eher sogar versöhnliche und inspirierende Einstimmung auf eine - zugegebenermaßen rabenschwarze - Weihnachts-Phase.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über A.A. Williams:
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