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Konzert-Bericht
 
Leise Melancholie

Siv Jakobsen

Köln, Die Wohngemeinschaft
14.02.2023

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Siv Jakobsen
"The Nordic Mellow" ist nicht nur der Titel des Albums, das Siv Jakobsen 2016 auch bei uns bekannt machte, er beschreibt auch perfekt die andächtige Stimmung der Melancholie-getränkten Leisetreter-Folk-Songs der norwegischen Singer/Songwriterin. "Wenn ihr zu einem Valentinstagkonzert gehen wolltet, dann seid ihr hier falsch", stellt sie deshalb bei ihrem Gastspiel in Köln mit einem Augenzwinkern schon nach wenigen Liedern klar. "Ich habe nur ein Liebeslied, und das kommt ganz zum Schluss!" Trotzdem gibt es an diesem Dienstagabend im gut gefüllten Theater der Wohngemeinschaft viel Grund zur Freude, denn: Die Künstlerin ist anwesend! Eine Kehlkopfentzündung hatte in der Vorwoche zur Absage fast der kompletten Tournee durch Großbritannien geführt, bevor sie nun in der Domstadt ihr Comeback gibt. Am Ende erlebt das Publikum einen feinen Auftritt, der Jakobsen von ihrer zerbrechlichsten, aber vielleicht auch intimsten Seite zeigt.
Auf der Rückseite ihrer just veröffentlichten LP sieht man Siv Jakobsen, die Gießkanne in der Hand, in einem wild wuchernden Garten stehen, doch der Albumtitel "Gardening" ist nicht nur buchstäblich gemeint. Vielmehr rückt sie in ihren neuen Liedern immer wieder Selfcare-Gedanken in den Mittelpunkt und stellt das Hegen und Pflegen des eigenen Seelenlebens in den Fokus, auch wenn das mitunter bedeutet, sich schmerzvollen Momenten aus der eigenen Vergangenheit zu stellen, anstatt - um im Bild zu bleiben - Gras darüber wachsen zu lassen. Das unterstreichen allein schon Songtitel wie "Bad By Design", und auch bei "Birthday" geht es nicht etwa um glückliche Momente, sondern den schlimmsten Geburtstag, den Jakobsen je erlebt hat. Ähnlich wie Sufjan Stevens auf seiner Glanztat "Carrie & Lowell" thematisiert Jakobsen diese brodelnden Emotionen in hingetupften Akustik-Nummern mit zerbrechlichem Fingerpicking-Flair und erhebt so ihr Gärtnern zu einem gefühlsintensiven Erlebnis, bei dem Ola Djupvik am Schlagzeug und Sunniva Shaw of Tordarroc am Cello in genau den richtigen Momenten für einen beeindruckend vollen Klangteppich sorgen, sich oft aber auch vornehm zurückzuhalten wissen. Tatsächlich sind die ergreifendsten Momente des Konzerts die, in denen Jakobsen solo spielt und singt und das Publikum ergriffen lauscht. "Ihr seid so leise", flüstert sie ihren Gästen zwischen zwei Songs zu, "so wie ich!"
Ganz spurlos ist der krankheitsbedingte Ausfall der vorangegangenen Konzerte natürlich nicht an Jakobsen vorbeigegangen. Auf der passend zum LP-Titel mit (Plastik-)Blumen geschmückten Bühne ("Ich war bei IKEA", verrät sie lachend) muss sich die in Oslo heimische Musikerin erst einmal ein wenig an die Songs herantasten und vorsichtig ausprobieren, was funktioniert und was nicht, oder wie sie selbst lachend sagt: "Ich entdecke gerade ein völlig neues, tieferes Stimmregister für mich." Die ersten Songs klingen deshalb etwas verhalten und zögerlich, aber spätestens, als das emotionale "Dark" auf der Setlist steht, will oder kann sie sich nicht mehr zurückhalten und fasziniert mit der intensivsten Performance des Abends. Auch danach wirkt sie deutlich mutiger und zeigt keine Scheu mehr vor den hohen Tönen, bevor sie den Abend wie angekündigt mit ihrem heimlichen Lieblingslied, "Sun, Moon, Stars", betont besinnlich ausklingen lässt. Eine Zugabe gibt es indes nicht. Das sei einfach nicht ihr Ding, erklärt sie zwei Songs vor Schluss: "Aber wenn ihr Zugaben mögt, könnt ihr vor dem letzten Lied ganz besonders doll klatschen." Es ist ein Angebot, das das Kölner Publikum nur zu gerne annimmt.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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