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Der Winter, der ein Sommer war

Harrison Storm
Maryaka

Köln, Helios37
17.06.2023

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Harrison Storm
So richtig eilig scheint es der australische Surfer-Dude, Straßenmusiker und Songwriter Harrison Storm ja nicht zu haben. Obwohl der Mann aus Melbourne bereits seit 2015 Musik macht, fünf EPs veröffentlicht hat (darunter zuletzt das mit seiner Songwriter-Kollegin Enna Blake realisierte Pandemie-Projekt "Under Dusk"), solide Spotify-Hits generierte und mehrmals in unseren Breiten zu Gast gewesen ist, hatte er es nicht geschafft, zu seiner ersten Sommertour in Europa seine bereits seit mindestens letztem Jahr angekündigte Debüt-LP "Wonder, Won't You" fertig zu stellen. Das soll dann erst im nächsten Jahr passieren. Nun ja: Immerhin hatte Storm zwei neue Songs - darunter seine neue Single "Warm A Cold Heart" - im Gepäck.
Zuletzt war Storm Ende letzten Jahres als Gast seiner Labelkollegen Ocie Elliott auf deren weitestgehend ausverkauften, ersten Headliner-Tour in unseren Breiten unterwegs gewesen. Zweifelsohne hatte er dabei so einige Fans des kanadischen Duos für sich gewinnen können - die nun zu seinen Shows kamen. Genauso war es ja auch Ocie Elliott gegangen, die vor ihrer eigenen Tour öfter als Support von erfolgreichen Acts wie z.B. Current Swell bei uns unterwegs gewesen waren. In Zeiten, in denen sich so ziemlich alle Musiker fragen, wie sie denn bitteschön ihren Lebensunterhalt mit ihrer Kunst bestreiten sollen, scheint die Vorgehensweise, sich gegenseitig auf Touren dergestalt zu unterstützen, ein veritabler Weg zu sein, die physische Note in dem mittlerweile weitestgehend digital organisierten Musikbiz wieder ins Spiel zu bringen, ein vielversprechendes Mittel zu sein.

Vielleicht ist das ja auch für Harrisons Support-Act bei dieser Show in Köln hinkünftig förderlich. Die temporäre Lokalmatadorin Maryaka (die im richtigen Leben Clara heißt und eigentlich aus Herne kommt, aber in Köln studiert) hat ihre musikalische Laufbahn als Straßenmusikerin zunächst mal mit Coverversionen angefangen - im Laufe der Zeit aber ihre Fähigkeiten als Songwriterin und Performerin so weit ausgebaut, dass es sich das Hamburger Label Grand Hotel van Cleef nicht nehmen ließ, sie von der Bühne des Knust weg zu engagieren, so dass sie Anfang des Jahres ihre erste 7"-Single mit Namen "Grow" veröffentlichen konnte. Und zwar physisch - da ist sie Harrison Storm schon einen Schritt voraus. Maryaka schreibt melancholische Selbstfindungs-Songs und hat - anders als viele ihrer Kolleginnen - herausgefunden, das zu einem guten Song neben einer Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt, der guten Absicht und der Wahrheit eben auch mindestens ein DRITTER Akkord und eine erkennbare Melodielinie gehören. Da es in den Songs von Maryaka oft um das Thema Herzschmerz geht - beispielsweise in Trennungssongs wie "Losing Love" - wundert es nicht, dass die noch im balladesken Folk-Modus dargebotenen Songs grundsätzlich melancholisch und nachdenklich angelegt sind. Immerhin führt der bereits angesprochene Selbstfindungs-Charakter der meisten Songs (auch der Single "Grow") zu dem Effekt, dass aus offensichtlichen Rückschlägen dann auch neue Chancen - oder doch zumindest nützliche Erkenntnisse - erwachsen können. Das rettete dann auch Maryakas souveräne, aber auch unaufdringliche Performance davor, im Trübsinn und Selbstmitleid zu versacken. Interessanterweise spielte Maryaka viele neue Stücke und verzichtete dabei auf gute eigene Songs wie ihre erste Single "Easy" oder die "Grow"-B-Seite "Try". Dafür gab es einen neuen Song, den Maryaka erst kurz vor der Show fertiggestellt hatte und dennoch das Publikum zum Mitsingen einlud. Kurzum: Da gibt es erkennbares Potential für Größeres. Den Namen Maryaka sollten sich also nicht nur die anwesenden Harrison Storm-Fans merken.
Als Harrsion Storm dann nach einer Pause (die leider nicht reichte, die stickige Halle zu entlüften und den unnötigen und störenden Kunstnebel zu verwirbeln) mit "Run" - einem seiner Signature-Songs - seine eigene Show veröffentlichte, war jedenfalls stimmungsmäßig der Boden für melancholische Whisper-Folkpop-Grandezza bestens bereitet. Da das Harrisons erste Europa-Tour im Sommer war, hatte der Australier (auf dessen Kontinent ja gerade Winter ist) den Fehler gemacht, seine Garderobe nicht auf Sommer-Bedürfnisse anzupassen und war am Tag zuvor in Hamburg noch mit langen Hosen aufgetreten, weil er sich einfach nicht hatte vorstellen können, dass es auch hierzulande mal so richtig heiß werden könnte. Aus diesem Fehler hatte er indes gelernt und trat in Köln dann in kurzen Hosen auf. Obwohl Harrisons Musik ja nicht eben schweißtreibend angelegt ist, verwandelte sich das Helios37 dann doch zunehmend in einen musikalischen Dampftdrucktopf. Auch auf dieser Tour präsentierte sich Harrison alleine mit akustischer Gitarre und Kickboard. Für einige seiner in der Studioversion aufwendiger produzierten Tracks wie z.B. "With You" oder "This Love" setzte er sich dann auf einen Stuhl und bearbeitete seine auf dem Schoß liegende Gitarre dann in rhythmischer Hinsicht mit den Fingerkuppen. Das scheint ein typisch australisches Ding zu sein. Ansonsten überzeugte Harrison dann durch die subtile Art, mit der er sein virtuoses Gitarrenspiel songdienlich und nicht etwa angeberisch einsetzte.

Wie schon bei seinen bisherigen Gastspielen präsentierte Harrison sein Material gerne mit geschlossenen Augen und entsprechend viel emotionaler Hingabe. Nicht ganz so schlimm wie bei seiner letzten Show in Köln als Support von Ocie Elliott war dann Storms Manier, seine Melodiebögen mit jubilierenden Sirenengesängen zu unterlegen. Statt Coverversionen gab es dieses Mal neue Songs vom kommenden Album wie z.B. "Tomorrow" oder die aktuelle Single "Warm A Cold Heart" - die aber inzwischen fertig gestellt sind, während er im letzten Jahr noch mit Entwürfen und Fragmenten hantierte. Müßig zu erwähnen, dass sich diese Songs vom Tenor und der Stimmung nahtlos in Storms Gesamt-Oeuvre einfügten. Als die Show sich dann dem Ende zuneigte, halfen auch die kurzen Hosen nicht mehr, denn inzwischen war die Luft im Auditorium vollständig aufgebraucht. Immerhin ließ sich der Meister noch ein Mal für die Zugabe "Falling Down" auf die Bühne locken, bevor er sich unter die Dusche stellen wollte. Nun ja - vermutlich wird seine nächste Tour ja wieder im Winter stattfinden - nach der Veröffentlichung seines Albums im Januar - und da kann er ja wieder lange Hosen tragen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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