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Die verflixte Oma

My Ugly Clementine
Blush Always

Köln, Yuca Club
10.10.2023

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My Ugly Clementine
Eigentlich mehr so zum Spaß kam Sophie Lindinger 2019 auf die Idee, eine Rockband zu gründen, um mal was anderes machen zu können, als - wie bislang - mit dem Projekt Leyya im Studio an elektronischen Sounds zu basteln, die sich live nur eingeschränkt unterhaltsam präsentieren lassen. Das war dann die Geburtsstunde des Wiener All-Star-Projektes My Ugly Clementine, das sich heutzutage - nach einigen Querelen in der Besetzung - mit Sophie selbst, Mira Lu Kovacs (Schmied's Puls, 5KHD) und Nastasja Ronck (Sharktank, Lucid Kid) + Drummer etabliert hat und im Sommer nun schon das zweite Album "The Good Life" vorgelegt hat. Aus dem Spaß ist nun also Ernst geworden, denn anders als noch auf dem etwas vorsichtig angelegten Debüt (das dummerweise genau in die Pandemie hinein geboren wurde) ist "The Good Life" ein echtes Band-Album geworden, bei denen die Damen unter dem Motto "Female is not a Genre" einen Gutteil offensiver und selbstbewusster ihre Möglichkeiten in Sachen zeitgemäß aktualisierter Riot Grrrl-Attitüde ausleben. Und inzwischen kann man ja auch wieder problemlos auf Tour gehen und ebendiese Attitüde dann auch gleich in die Praxis umsetzen.
Dass die zahlreichen anderen Projekte der Beteiligten dafür in den Hintergrund treten müssen, nehmen die Damen dafür sicher gerne in Kauf, denn wie sich bei der Show in Köln zeigen sollen, sind alle mit Herzblut und Engagement bei der Sache - und haben dabei offensichtlich immer noch jede Menge Spaß, was ja der ursprüngliche Sinn des ganzen Projektes gewesen war. Etwas eigenartig war dabei der Umstand, dass die Show in Köln zunächst im Club-Bahnhof Ehrenfeld angesetzt worden war, dann aber - wohl wegen zögerlicher Ticket-Verkäufe - in den kleineren Yuca Club verlegt worden war, der dann allerdings ausverkauft war und somit aus allen Nähten platzte. Nun ja: Rock'n'Roll lässt sich halt nicht punktgenau planen.

Als Support hatten My Ugly Clementine ihre Leipziger Kollegin Katja Seiffert a.k.a. Blush Always eingeladen, die gerade eben ihr Debüt-Album "You Deserve Romance" veröffentlicht hat. Wie auch My Ugly Clementine hat Katja Seiffert den Wert klassischer Referenzen erkannt und ihre Debüt-LP nicht am Vergleich aktueller Kolleginnen ausgerichtet, sondern an den klassischen Tugenden der Rockmusik. In dem Falle ist das Grunge mit dezenten psychedelischen Impulsen. Das bedeutet aber nicht, dass sich Katja alleine mit Referenzen und Hommagen zufrieden gibt, sondern nur, dass sie eine ausgezeichnete Songwriterin ist, und innerhalb des selbst gewählten Formates brillante eigene Instant-Hits (nicht Instagram-Hits) wie "Coming Of Age" (logischerweise ein klassischer Coming of Age-Song), das Facetime-Drama "Virtual For You" oder "You Call" fabriziert, und dabei betont souverän mit den Genre-Versatzstücken spielt - wie z.B. einem mächtigen Rocksound am Rande der Übersteuerung, Killer-Breitwandriffs, hymnische Mitsing-Refrains und klassisch unschuldig anmutender Mädchengesang mit Attitüde. Das ist notwendig auszuführen, weil Katja bei der Show in Köln alleine auf der Bühne stand. Aber nur augenscheinlich, denn Katja hatte sich eine virtuelle Hard-Disk-Band mitgebracht - die meistens ziemlich zuverlässig sei, wie sie sagte - und schaffte es auf diese Weise dann doch, im Ernstfall ganz gut zu rocken. Aber Katja kann ja auch entspannter: Ihr Song "At Home" etwa ist eine entspannte Kontemplation eines Abends zu Hause. Eine Musikzeitschrift hatte diesen - vorab als Single veröffentlichten Track - als "Drinnie-Song" bezeichnet. Ein Label, das Katja dann im Dialog mit dem Publikum - zu dem sie ständig Kontakt im Plauderton suchte - dankend aufgriff. Als Performerin erweckte Katja auch bei dieser Show den Eindruck, als mache sie das schon seit Jahrzehnten. Das mag auch damit zusammen hängen, dass sie sich lange auf die Sache vorbereitet hatte und heute genau weiß, was sie will und kann und wie man das am Besten in Szene setzt. Auch in Köln schien sie dabei mehr Wert darauf zu legen, sich als eine unter vielen zu präsentieren, als sich etwa in Sachen Rockstar zu profilieren.
Damit, sich als "Rockstars" zu profilieren, haben My Ugly Clementine keine Probleme. Allerdings eher mit einem Augenzwinkern und einem parodistischen Ansatz. So präsentierten sich die Damen in übertrieben lustiger Freizeit-Kleidung, Röckchen und eingerollten Söckchen - und zwar im Schwarzlicht-Modus. Der hätte allerdings noch etwas konsequenter implementiert werden können, denn eigentlich glühte da nur das Namens-Backdrop, die aufgemalte Tatze auf dem Drumkit, ein paar Sticker auf Gitarre und Bass sowie ansatzweise die Zähne und die besagten Söckchen. Sei es drum: Jede Menge Kunstnebel machten es eh schwierig, Details im Treiben auf der mit einem eigenartigen Laufgitter neu eingefassten Bühne des Clubs immer genau zu erkennen.

Schien es auf der LP "The Good Life" noch so, als hätten sich MUC dazu entschieden, die Produktion der nach wie vor hauptsächlich vom US-College-Rock inspirierten musikalischen Ausrichtung, ganz in den Dienst der auf diesem Album neu entdeckten kompositorischen Ambitionen und ganz besonders des ausgefeilten Harmonie-Gesanges zu stellen, so ging es auf der Bühne dann doch wieder ziemlich durcheinander. Nicht in dem Sinne, dass sich das Trio mit Drummer da verhaspelte, sondern in jenem, das dann wieder alles zugleich in die Waagschale geworfen wurde - vom a cappella dargebotenen Intro über so ziemlich alle Spielarten von Grunge- und Schweinerock und immer wieder gerne Schrammelpop bis hin zur dann wieder ohne Drummer dargebotenen Zugabe des 4 Non Blonde-Covers "What's Up". Dazwischen blieb auch noch Raum für verstiegene Psychedelia, Kinderlieder-Chaos und weiterspielen im Liegen. Das alles dann ohne Rücksicht auf Verluste mit allen Haken, Ösen und Warzen, die ein gut gelauntes Miteinander so mit sich bringt. Begeisterung zählte da mehr als musikalischer Feingeist. Am konsequentesten blieben die Damen bei rockigen Songs wie "Circles" oder "Let Me Go" von der neuen Scheibe oder "Never Be Yours" von der ersten LP bei der eingeschlagenen Linie - ansonsten blieb immer viel Raum für Spielereien oder gespielte Witze. "Das ist ja unsere achte Show auf dieser Tour", erklärte Sophie Lindinger, "obwohl sich das für mich anfühlt, als sei es unsere siebte - weil bei mir heute alles ziemlich verflixt ist".

Zugegebenermaßen litt darunter ein wenig die musikalische Ernsthaftigkeit - aber noch mal: Darum geht es ja bei My Ugly Clementine nicht. Eher geht es darum, das Publikum einzubeziehen, um positive Empowerment-Impulse unters Volk zu bringen. So forderte Nastasja Ronck das Publikum auf, positive Sachen zu sagen, die an diesem Tag passiert seien. "Ich habe heute meine Oma umarmt", rief da jemand aus dem Auditorium und ab da stand dann mit einem kollektiven "oooooh" alles im Zeichen der Oma. Wie gut MUC inzwischen als Band funktionieren, bei der alle gleichberechtigt agieren, ließ sich schon alleine daran ablesen, dass es keine Einzelleistungen gab, die hervorzuheben gewesen wären und dass alle drei Protagonistinnen irgendwann mal mit den Lead-Vocals dran waren. In wesentlichen artete die Show dann in eine einzigem fröhliche Mitsing-Party aus - und das ist deutlich mehr, als gemeinhin zu erwarten gewesen wäre.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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