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Konzert-Bericht
 
Alles wird gut

Moldy Peaches
Dead Blond Girlfriend

München, Orangehouse
27.05.2002

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Moldy Peaches
Vor zwei Jahren konnte man sie noch verschiedentlich auf der offenen Bühne im New Yorker Sidewalk Café sehen und man war von ihrem unschuldigen Charme entzückt. Dort trifft sich allabendlich ein seltsamer Haufen von Singer/Songwritern, die mit ihrer ziemlich eigenwilligen Interpretation des Nordamerikanischen Volksmusik-Genres weder bei mit der Szene verbundenen Club-Besitzern noch bei entsprechenden Label-Leuten auf besondere Gegenliebe stoßen. Antifolk nennt sich diese Gegenbewegung zur angestaubten Variante der Altvorderen und in der Lower Eastside Manhattans hat sie sich eine Nische geschaffen, in der zornige junge Männer und Frauen - den Punk immer mitdenkend - in die Stahlseiten ihrer Westerngitarren greifen. Die meisten bleiben ohne Plattenvertrag und musikalische Anerkennung oder gar kommerziellen Erfolg. Einige wenige wie Michelle Shocked, Beck oder die Moldy Peaches schaffen den Sprung vor ein breiteres Publikum, über den großen Teich und schließlich ins Münchner Orangehouse.
Mitgebracht hat das kongeniale Lofi-Duo Joie nebst seiner fiktiven Band Dead Blond Girlfriend, der mit brachialen Gitarrenspiel inclusive wütendem Heulen und Zähneklappern einen repräsentativen Einblick in die bizarre Welt des Antifolk gewährte und für eine gewisse Fallhöhe zum Auftritt der Moldy Peaches sorgte. Die haben sich ganz schön gemacht, in den letzten beiden Jahren. Adam hat inzwischen zumindest einen Ansatz von Bartwuchs entwickelt und Kimya eine Kollektion absurder Tattoos angelegt. Die beiden verzichten mittlerweile fast völlig auf das Spielen von Instrumenten - zugunsten trashigen Entertainertums. Dafür haben sie ein solides Quartett junger Musiker angeheuert, was den Songs wirklich zu gute kommt. Geblieben ist der Hang zu rappelköpfigen Verkleidungen und durchgeknallten Posen, der an diesem Abend volle Entfaltung erfährt.
Stürmisch begrüßt und bejubelt werden die schimmligen Pfirsiche von einem Publikum, das Hoffnung macht auf eine Genesung der Jugend. Für München untypisch haben sich hier (neben den Regulars um die 30) junge Menschen zusammengefunden, die in Habitus und Gestus ausnahmsweise mal nicht die Zugehörigkeit zu irgendeinem schmalbrüstigen Milieu demonstrieren und auf sehr sympathische Art weder kostümiert noch uniformiert sind. Freudig erregte bis ausgelassene Stimmung und gleich beim ersten Lied beginnen viele zu tanzen oder zumindest zu wippen. Nach ein paar noch unveröffentlichten Stücken, werden all die großen und kleinen Hits ihres Debüt-Albums in ziemlich fetzigen Versionen zu Gehör gebracht. Weniger folkiges Gezupfe, mehr rockiges Gerotze - könnte man das auf eine Formel bringen. Anfangs machen die beiden noch einen ziemlich kaputten Eindruck, dann lassen sie sich aber doch vom äußerst angetanen Auditorium mitreißen. Beim melancholisch-slowen "Nothing Came Out" ist Kimya sichtlich gerührt, als ein spontan formierter Teenager-Chor einstimmt und als dann Adam noch ein krankes Solo auf der roten Plastikblockflöte beisteuert, kommt echte Freude auf. Bei Granaten wie dem tollen "Lucky Number Nine" wird gehüpft und gejohlt. Was es nicht gibt, sind ausführliche Ansagen oder gar Anekdoten, dafür aber kleine pantomimische Szenen, große Gesten und gegen Ende das heiße Bad in der Menge. Am Ende des Abends hat sich Kimya beim Stage-Diving einen Schneidezahn angeschlagen und Adam ist 21 geworden. Alles Gute!

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Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Dirk Ducar-


 
 

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