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Keine halben Sachen

WIM
Wahnschaffe

Köln, Die Wohngemeinschaft
08.12.2023

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WIM
Auch wenn das wie ein Klischee klingt: Manchmal kann weniger ja durchaus mehr sein. So zum Beispiel bei der Show von Nina "WIM" Müller in der Kölner Wohngemeinschaft. Bereits 2022 hatte Nina mit ihrem Solo-Projekt WIM ihre Debüt-CD "Boxer" veröffentlicht, auf der sie deutschsprachige Pop-Songs versammelt hatte, die nicht so recht zu dem passten, was sie mit ihren anderen Projekten umsetzt. Da Nina aber zu Deutschlands umtriebigsten Musikerinnen überhaupt gehört (beispielsweise mit ihrem Duo Poems For Jamiro, als Songwriterin für Max Mutzke oder Matthias Schweighöfer, Filmkomponistin oder als Session- und Tourmusikerin etwa für Lina Maly), war in der Pandemie gar nicht daran zu denken, dass sie mit dem Album dann auch gleich auf Tour gehen konnte. Dass es nun aber noch mal fast zwei Jahre gedauert hat, bis es klappen sollte, war natürlich so auch nicht vorgesehen - und hatte auch noch mit Corona zu tun. Tatsächlich hätte sogar die Show in Köln fast nicht stattfinden können, denn Ninas musikalische Partnerin Elin Bell - mit der zusammen sie sie Tour bestreiten wollte - war krankheitsbedingt ausgefallen.
Zum Glück konnte Nina dann aber kurzfristig auf die Hilfe der Kölner Musikerin Sophia Wahnschaffe zurückgreifen, die sich bereit erklärt hatte, WIM als Support-Act zu unterstützen. Und damit kommen wir auf die Sache mit den "halben Sachen" zurück: Denn auch Sophia Wahnschaffe war alleine angetreten, weil auch ihre musikalische Partnerin Hanna von Tottleben ausgefallen war. Und so kam es denn, dass die Show in Köln dann doch noch hatte stattfinden können - gleichwohl WIM nun alle Aufgaben ihrer Kollegin Elin mit übernehmen musste (was sie erst kurz vor der Show hatte ausprobieren können). Und wie das manchmal so ist, erwuchs aus der so notwendigen Reduktion auf das Wesentliche - in dem Fall das Piano-Spiel Ninas, den Gesang und dann gelegentlich abgerufene Beats und Grooves mit ein paar Synthesizer-Effekten und/oder Samples - dann ein im Vergleich zum "normalen" WIM-Setup - ganz neue Perspektive, die zugleich einen klaren Blick auf die brillanten Kompositionen erlaubte.

Mehr Probleme, sich alleine zu präsentieren, hatte zunächst mal Sophia Wahnschaffe. Das lag aber weniger an der zwar etwas linkisch anmutenden, dann aber auch menschelnd-sympathischen Bühnenpräsenz, sondern schlicht daran, dass die Basis der Wahnschaffe-Songs eher geradlinige Jazz-, Soul- und/oder R'n'B-Balladen sind, die einfach nach dem auf den EPs "Courage" und "Bumm Bumm Bumm" des Projektes vorbildlich und feinsinnig angerichteten, mit elektronischen Elementen angereicherten Arrangements verlangen, um zu voller Blüte zu gereifen. Alleine mit der elektrischen Gitarre vorgetragen, wirkt das dann schnell monoton und spröde, gleichwohl es inhaltlich ja um melancholisch/nachdenkliche Selbstreflexionen geht, in die Sophia ja durchaus emotional investiert. Da die ganze Aktion aber sozusagen zwischen Tür und Angel ohne Möglichkeiten einer Vorbereitung eingestielt worden war, ging das dann unter dem Strich als Einstimmung durchaus in Ordnung - und natürlich auch als Werbeaktion für das nächstes Jahr erwartete Wahnschaffe-Album "Alles Hier", auf dem dann vermutlich auch die aktuelle Single "Falter" enthalten sein wird, die Sophia auch beim Set in der Wohngemeinschaft spielte.
Witzigerweise hatten sich Nina und Sophia erst kennengelernt, als beide in der Tour-Band von Lina Maly beschäftigt waren, (für die Nina zuvor auch als Songwriterin gearbeitet hatte). Das dokumentierten die beiden inzwischen befreundeten Musikerinnen dann, indem sie den aktuellen Lina Maly-Song "Windmühlen" (den Lina mit WIM zusammen geschrieben hat) gemeinsam performten. Nicht übrigens, dass das unterhaltungstechnisch nötig gewesen wäre, denn obwohl Nina zu Beginn ihrer Show postulierte, dass sie mit ihrem Solo-Programm alleine keine vollständige Show gestalten könne, stimmte das nur bedingt. Denn wie gesagt nahm die Reduktion auf das verfügbar Notwendige den Songs Ninas kaum etwas von ihrer fragilen Attraktivität - zumal auf diese Weise der Gesang sogar noch prominenter im Zentrum stand. Logischerweise gestaltete WIM das Set dann eher balladesk - freilich gab es auch einige Up-Tempo-Nummern, die mit abgerufenen Grooves und Beats dann auch ihren poppigen Charakter bewahrten - so beispielsweise der Titeltrack des Albums "Boxer", die für eine Woche in den Charts gelandete Hitsingle "Ich frag ja nur" und natürlich der Signature-Track "Löwenherz", bei dem sich WIM als Chorleiterin engagierte, die mit dem Publikum eine komplexe Kanon-Passage für das Schlüsselwort "Herz" einstudierte. Bei all dem präsentierte sich WIM als souveräne Performerin, die sie nun mal ist und präsentierte ihr Material mit der sympathischen Rotznasigkeit einer Künstlerin, die genau weiß, was sie will, kann und möchte - vor allen Dingen aber was geht und was nicht.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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