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Konzert-Bericht
 
Herzensangelegenheit

Orange Blossom Special 26 - 3. Teil

Beverungen, Glitterhouse-Garten
19.05.2024

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Alex Henry Foster
Der Festivalsonntag geriet in diesem Jahr zu einem Fest der Extremisten. Nicht im politischen Sinne, sondern indem sich gleich mehrere Künstler im Glitterhouse-Garten einfanden, die mit ihrer Performance Vernunft und Maß hinter sich ließen, und mit heiterer Gelassenheit und großer Begeisterung für das Musikalische und das Zwischenmenschliche über alle sich darbietenden Stränge schlugen.
Den Anfang machte in dieser Hinsicht machte gleich der als Suprise-Act eingebuchte OBS-Veteran Alex Henry Foster mit seiner Band The Long Shadows, der bereits beim OBS 22 mit seiner Performance dem Begriff "Crowdsurfing" ganz neue Dimensionen hinzugefügt hatte, sodass außer Frage gestanden hatte, dass der Mann unbedingt noch ein Mal eingeladen werden musste. Die Gelegenheit dafür ergab sich, als Alex nach einer längeren Auszeit, die er sich hatte nehmen müssen, um sich von einer kritischen Herz-Operation zu erholen, in diesem Jahr sowieso wieder Konzerte hatte geben wollen und - unter strengster Geheimhaltung - einfach etwas früher zum OBS angereist war. Das Festival-Motto "Herzensangelegenheit" bekam dadurch noch mal eine ganz besondere Bedeutung. Alex freute sich diebisch, dass die Geheimhaltung gelungen war - auch wenn es ihm schwer gefallen war, selbst seinen engsten Freunden nichts über die geplante Show zu verraten. Dass die Shows am Sonntag morgen etwas Besonderes seien, hatte er ja schon gehört und freute sich demzufolge darauf, die zu erwartende spirituelle Stimmung dann mit eigenen Beiträgen noch befeuern zu können. Nur die Setlist stand bis zum Beginn der Show noch nicht fest - was aber nichts Ungewöhnliches ist, da sich Alex und seine Musiker eh immer von der Inspiration tragen und treiben lassen. Das aktuelle, experimentelle AHF Album "Kimyo" ist diesbezüglich nicht hilfreich, da das nicht für einen Live-Vortrag geeignet ist - war aber zumindest käuflich zu erwerben.

Da Die Nerven, die als Surprise-Act im letzten Jahr gebucht worden waren, trotz Geheimhaltung und Sichtblenden leicht am Setup des Bühneninstrumentariums hatten identifiziert werden können, gab es in diesem Jahr erstmals einen Bühnenvorhang, hinter dem sich der Surprise-Act bis zum Konzertbeginn verstecken konnte. Wer nun gedacht hätte, dass Alex Henry Foster sich aufgrund der kritischen, lebensbedrohlichen Situation, in der er sich zuletzt befunden hatte, vielleicht etwas zurücknehmen würde, der hatte die Rechnung ohne den quirligen Kanadier gemacht. Konzentrierte er sich zunächst noch darauf, seine Gitarre - wie gewohnt - mit einem Geigenbogen zu malträtieren und seinen beiden Gitarreros Sef und Ben Lemelin die notwendigen Rockstar-Posen zu überlassen, so hielt es ihn schon bald nicht mehr hinter seinem Pult mit Effektgeräten und er begann, sich in Richtung des Bühnenrandes zu orientieren und stand schon bald auf der Balustrade im Sicherheitsgraben. Dort begnügte er sich zunächst damit, eine Art wortreiche Predigt zu halten, die darauf abzielte, den besonderen Moment der spirituellen Gemeinschaft im Angesicht der umgebenden Unbilden außerhalb des Festivalgelände mit den Fans zu zelebrieren. Einen Moment, den alle Beteiligten - so die Kernaussage - sich redlich verdient hätten. Doch dabei blieb es immer nicht: Nachdem Alex beim letzten Mal seine Gitarre ins Publikum gereicht hatte, tat er das dieses Mal mit dem Mikrofon und bat so um gesangliche Unterstützung - und dann ließ er sich erneut vom Publikum erneut auf Händen tragen, zunächst Gitarre spielend, dann aber doch lieber als sei eigener Kapitän, der die Richtung vorgab. Während sich die Musiker auf der Bühne in einen regelrechten Spielrausch steigerten, ließ sich Alex vom hinteren Teil des Geländes auf einem Campingstuhl zurück zur Bühne tragen, wo er schließlich die Show schweißgebadet zum furiosen Finale führte. Gleich anschließend gesellte sich der Meister an den Meet & Greet Stand und nahm sich dort 2,5 Stunden Zeit, sich mit wirklich jedem, der das wollte - und ungefähr 2/3 der anderen - zu unterhalten, Autogramme zu geben und Fotos zu machen. Selbst für Alex Henry Foster dürfte das dann ein Rekord gewesen sein.

Während die Show von Alex Henry Foster noch halbwegs trocken über die Bühne (und durch das Auditorium) gegangen war, begann mit dem Set des Hamburger Liedermachers Marlo Grosshardt dann leider die Regenzeit. Zu Beginn des Show des "provokanten Alltagslyrikers" gelang es dem Publikum dann gerade noch, den Regen "wegzutanzen", aber der wurde dann doch allmählich so stark, dass nach der Show das Meet & Greet mit Marlo zunächst ein Mal abgesagt werden musste. Jedoch schien der eigenartige Mix aus schrammeligem Deutschpop, Moritaten, Schlager-Seligkeit, Kunstliedern, Indiepop, Kinderliedern, Polka-Rhythmen und Brecht/Weill-Intonationen, den Marlo mit seiner fünfköpfigen Band (inklusive Cello und Blasmusi) da gutgelaunt zelebrierte, so große Begeisterung beim diesbezüglich unvorbereiteten Publikum ausgelöst zu haben, dass sich Marlo nicht langen bitten lassen musste, sich - dann halt im Regenponcho - einer Schar von Fans dann doch noch für Autogramme und Fotos zur Verfügung zu stellen. Übrigens: Wo Marlos Musik an anderer Stelle vielleicht gespalten hätte, animierte seine Show auf dem OBS dann unter dem Strich zur kollektiven Begeisterung.

Auch IvanAfrodiziac Carvalho gehört zu jenen Musikern, die performerisch keinerlei Zurückhaltung kennen. Das hatte der quirlige Musikus mit dem Aussehen eines Rock-Super-Stars schon letztes Jahr mit seinem hochenergischen Auftritt auf der Minibühne bewiesen und das tat er nun - in größerem Rahmen - auch auf der Hauptbühne. Unterstützt von seinen Musikern - Drummer Antoine Raine und Bassist Kez Gunes - brannte Ivan ein Rock'n'Roll Feuerwerk ab, das sich gewaschen hatte und brachte mit seiner Kunst auch gleich eine Prise gediegenen 70s Flairs mit nach Beverungen, denn The Real Afrodiziac zog alle Register des genuinen Hardrock-Gitarren-Helden - und unterhielt das Publikum dabei auch noch mit seinem coolen "Dude"-Gequassel, das man in dieser Qualität hierzulande bestenfalls aus Superhelden- oder Exploitation-Flics kennen könnte. Dieser Star-Appeal ist inzwischen auch dem Gitarren-Hersteller Gibson aufgefallen, der Ivan zum Official-Gibson-Artist machte und ihn seither auch entsprechend mit frischen Instrumenten versieht. Inzwischen hat sich Ivans Können auch unter Kollegen herumgesprochen. So tourte er im letzten Jahr beispielsweise als Support Act für The Darkness und hat sich nun einen lukrativen Support-Slot bei The Boss Hoss an Land gezogen. Dass er dadurch die Bodenhaftung verloren hätte, steht nicht zu erwarten. Jedenfalls ließ auch er es sich nicht nehmen, nach der Show stundenlang mit den Fans zu quatschen und diese darüber zu vertrösten, dass seine längst fertig gestellte LP so schnell nun doch nicht erscheinen wird. Dabei freute er sich insbesondere über den Zuspruch junger Fans, die über ihn erstmalig auf die archaische Art von Rockmusik aufmerksam geworden sind, der er sich mit Haut und Afro verschrieben hat.

Auch Brocki (wie sich Brockhoff von den Fans am liebsten nennen lässt) musste mit ihrer Band noch im Regen aufspielen. Das war insofern kritisch, als das die Band sich im Tourbus wohl reihum mit Schnupfen angesteckt hatte - weswegen Gitarrist und Brocki-Manager Fabi noch auf der Anreise zum Festival gemeldet hatte, dass man sich zwar auf den Auftritt freue, sicherheitshalber dann aber das geplante Meet & Greet absagen müsse. Zur Sache: Bereits im letzten Jahr war Brocki mit ihrem Bandprojekt auf breiter Front auch in Festival-Kreisen auffällig geworden - allerdings hatte sich Rembert erst auf dem letzten Reeperbahn Festival von den Live-Qualitäten der Band überzeugen können und sie dann aber auch gleich für das OBS gebucht. Insbesondere songwriterisch, aber auch was die konsequent weiterentwickelte Live-Präsentation betrifft, haben sich Brocki & Co. im Laufe der letzten Monate zu einem coolen Power-Pop-Ensemble gemausert und auch international an Reputation zugelegt. Auf der Bühne des OBS überzeugten sie dann mit einem tighten Set und jeder Menge potentieller Power-Chord-Hits mit kämpferischer Note (denn oft geht es bei Brocki um die Themen Empowerment und Selbstfindung). Da sich Brocki im Laufe der Zeit eine leicht düstere, ernsthafte Bühnenpräsentation zugelegt hat und ihre Songs mit großer Ernsthaftigkeit und unter Vermeidung von süßlicher Gefälligkeit vorträgt, sah die Sache im strömenden Regen dann sogar noch eine Spur abgehangener aus, als sie das zum Beispiel im strahlenden Sonnenschein getan hätte. Übrigens: Brockhoff hat soeben mit ihrer Kollegin Katja Seiffert a.k.a. Blush Always eine gemeinsame Single namens "Bigger Picture" eingespielt, die das größere Bild der Verbundenheit zwischen den Künstlerinnen und ihren Vorbildern zum Ausdruck bringen soll. Und Blush Always gehört (neben Willow Parlo und Juli Gilde) zu den wenigen Acts junger angesagter Künstlerinnen aus deutschen Landen, die Rembert in diesem Jahr noch nicht für das OBS gebucht hatte. Wieder so ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Etwas unter gingen dann die Shows von Sylvan Weekends auf der Minibühne. Zum einen natürlich, weil es dort noch weniger Möglichkeiten gibt, sich dem Regen zu entziehen als vor der Hauptbühne - und zum anderen auch ein wenig deswegen, weil der leicht altmodisch anmutende Folkpop und Folktronica-Mix von Matt Lowe und seiner Partnerin Freya Ward-Smith sich nicht direkt an das inzwischen klassische, jugendliche Minibühnen-Publikum richtete. Dass Matthew Lowe dereinst bereits 2014 mit seiner damaligen Band Keston Cobblers Club auf der Bühne des OBS 18 gestanden hatte, spielte dabei keine große Rolle, da die Veteranen, die sich an diesen Auftritt noch hätten erinnern können, heutzutage nicht mehr zum OBS kommen, weil "ihre Musik" dort nicht mehr hinlänglich stattfindet. Die gute Laune ließen sich Matt und Freya deswegen aber noch lange nicht verderben.

Etwas für alle gab es beim folgenden Auftritt des Anarcho-Duos Iedereen. Das allerdings hauptsächlich deswegen, weil das holländische Wort "Iedereen" auf Deutsch schlicht "alle" heißt. Warum sich Ron Huefnagels und Tom Sink - die beiden Protagonisten hinter diesem Projekt - sich überhaupt einen holländischen Namen gegeben haben, hat damit zu tun, dass sich die Jungs dereinst im Sandkasten ihres Kindergartens in Emmerich erstmals über den Weg stolperten und seither unzertrennbar durch die Welt mäanderten - bis sie im letzten Jahr die Minibühne auf dem OBS zum Abriss anzählten. Emmerich ist bekanntlich der letzte Posten preußischer Tugenden vor der niederländischen Unordnung. Mit preußischer Tugend haben es Iedereen aber nicht so - schon gar nicht musikalisch. Ihre Welt ist die des Kinder-Punk-Schlager-Krachs - ein Ort also, wo Vernunft und Maß schon wieder nichts zu suchen haben. Das macht sich performerisch dann durch eine liberale Auffassung davon deutlich, was als Bühne zu gelten haben könnte oder nicht. Von der ersten Sekunde des Sets bis weit danach hampelte Ron an ungewöhnlichen Orten - wie dem Sicherheitsgraben, der Treppe zur Glitterhouse-Terrasse, dem Schlagzeug seines Kumpels oder natürlich allen möglichen Orten innerhalb des Publikums und gelegentlich sogar der Bühne selbst herum. Wie nicht anders zu erwarten, ging es musikalisch dann nicht um Finesse oder Subtilität, sondern um brachialen Spaß mit Nachhaltigskeitsfaktor. Die Jungs hauten dem Publikum ihre Party-Kracher wie "GKO" um die Ohren, zitierten Juliane Werding, schmissen ihre Instrumente durch die Gegend, schlabberten sich ab und sortierten den Mosh Pit mit geradezu diktatorischer Grandezza - immer gut gelaunt und am Rande des eigentlich Machbaren. Logisch, dass sich zu dieser Gelegenheit die Sonne wieder sehen ließ. Und das war dann nur der erste Teil der Show, denn im Folgenden ging es mit der Bespaßung der Fans beim Meet & Greet weiter. Da gab's dann noch eine Überraschung für die Jungs, denn die Glitterhouse-Crew-interne Fanfraktion hatte sich den Refrain des Iedereen-Songs "Susie One" zu Herzen genommen, der da heißt: "Am Ende schmeiß ich Tulpen vom Balkon - am Ende fahre ich allein davon" und eine Papp-Tulpe gebastelt, die sie Tom und Ron dann zu einer eigens einstudierten A-Cappella-Version des Titels von der Balustrade der Glitterhouse-Villa zuwarfen. Da war die Freude dann groß - zumindest so lange, bis die Herren feststellte, dass es sich bei der Papp-Tulpe nicht um einen überdimensionalen Joint handelte - auch wenn diese ein bisschen so aussah.

Das Kleinorchester Loki war im letzten Jahr eher zufällig als Ersatz für Malva - die krankheitsbedingt kurt vor der Show abgesagt hatte - nachgebucht worden, als die OBS-Praktikantin und Loki-Mitstreiterin Milena den händeringend nach einem Ersatzact suchenden Rembert auf den Act aus Paderborn aufmerksam gemacht hatte. Tatsächlich war das ein Glücksfall, weil das achtköpfige Kleinorchester um den sensiblen Frontmann Marc Grünhäuser sich mit seinem sanftmütigen Folk-Pop sogleich in die Herzen der Zuschauer gespielt hatte und schon während des damaligen Auftrittes feststand, dass die Band in diesem Jahr erneut gebucht werden würde - dann aber absichtlich. Was die Faszination eines Loki-Auftrittes ausmacht ist auf dem Papier schwer in Worte zu fassen - weil die Band weder Räder neu erfindet, noch mit lauten Tönen und großen Gesten zu überzeugen sucht und scheinbar nicht mal nach Profilierung heischt. Stattdessen stehen Emotionen, Zwischentöne, musikalische Kompetenz und stilistische Vielseitigkeit ganz vorne auf der Loki-Agenda. Der Schlüsselmoment des Auftrittes erschloss sich dann darüber, dass es Marc und seinen MitstreiterInnen gelang, die zu Herzen gehende Gesangsharmonie des Tracks "Walz in Blue" auf das Publikum zu übertragen, das diese dann an den entscheidenden Stellen mitsummte. Das war regelrecht rührend und im Gegensatz zu offensichtlichen Animationsbemühungen dieser Art auch überhaupt nicht kitschig oder peinlich, so dass sozusagen kein Auge trocken blieb - besser kann man Emotionen musikalisch wohl kaum transportieren.

Die Versteigerung des von allen Acts unterzeichneten OBS-Motiv-Gemäldes brachte auch in diesem Jahr wieder eine ordentliche Summe für den Verein Viva Con Agua ein - auch wenn der Erfolg des letzten Jahres (wo die Crew-Mitglieder das Gemälde ersteigert und das anschließend Rembert als Jubiläumsgeschenk übergeben hatte) natürlich nicht wiederholt werden konnte. Dafür gab es aber dieses Mal erstmalig ein (weibliches) Maskottchen, das die Versteigerung unterstützte.

Auch in diesem Jahr gab es wieder eine Ehrung in Sachen Kulturförderung auf dem OBS: Die Macher des Kultur.Güter.Bahnhof Langenberg (kurz KGB) - einer Initiative des Vereins MusikZehner e.V., der in einer Lagerhalle des in den 80er Jahren stillgelegten Bahnhofs Langenberg im Kreis Gütersloh Kulturveranstaltungen und insbesondere Konzerte veranstaltet - durften sich in diesem Jahr über Medaillen freuen.

Der anrührende Auftritt von Loki hatte Jess Eastwood und Steph Norris - die beiden Frontfrauen der Walisischen Indie-Pop-Band Coach Party von der Isle Of Wight , die im Folgenden auftreten sollte - aus dem Konzept gebracht. "Die spielen ja eine ganz andere Art von Musik als wir", wunderte sich Jess. Nachdem ihr dann aber das Prinzip des OBS erklärt - und darauf hingewiesen wurde, dass die nachfolgende Band The Slow Show ja nochmals eine ganz andere Art von Musik spielen würde als Coach Party - gingen sie dann doch mit einem gewissen Selbstvertrauen auf die Bühne; auch wenn sich die Elektronik von Gitarrist Joe Perry (natürlich nicht jenem von Aerosmith) einfach nicht verkabeln lassen wollte und das Set somit ohne auskommen musste. Ein großer Verlust war das aber nicht, da Coach Party ja nun wirklich nicht auf elektronische Sounds angewiesen sind, sondern ihren In-Your-Face-Powerpop-Sound - der im Verlaufe der Show immer schrammeliger, punkiger, rauer, grungiger und psychedelischer wurde, ja weitestgehend mit Gitarren erzeugen. Schon alleine, weil auch Coach Party die einzige Band ihres spezifischen Stils waren und weil sich zwischen Noise und Krach auch immer wieder knackige Möchtegern Hits wie "Born Leader" finden, geriet die Show dann auch zu einem für viele überraschenden und unerwarteten Highlight. Leider hatte die Band darauf verzichtet, Merch zum OBS mitzubringen, so dass dann das Meet & Greet mangels Masse abgesagt werden musste. Da kann man mal sehen, was der Brexit mit den Menschen macht.

Als The Slow Show 2015 zum ersten Mal im Glitterhouse-Garten aufspielten, war das für das Glitterhouse-Team, die Fans und auch für die Band selbst ein Schlüsselmoment, an den alle gerne zurückdenken, denn die Gang aus Manchester stand damals noch am Anfang ihrer erfolgreichen Karriere und betrachten den Gig in Beverungen bis heute als einen der relevantesten überhaupt. Deswegen - so erklärte Frontmann Rob Goodwin - war es auch gar keine Frage, dass die Band sofort zugesagt hatte, als Rembert sie für das OBS 26 anfragte; obwohl man sich eigentlich eine Auszeit hatte gönnen wollen. "Subtle Love", das fünfte Slow-Show-Album, war bereits im Herbst letzten Jahres erschienen und die dazu gehörige Tour dazu längst beendet. Es ist ja aber nicht so, dass The Slow Show ihre Kunst an bestimmten Alben oder Songs festmachen - sondern eher an Stimmungen und Emotionen. Emotionen, die Rob Goodwin mit seiner in sich ruhenden, auf gewisse Weise stoischen Art auch gerne schon mal mit spiritueller Intensität auf der Bühne auslebt - und teilt. "Wenn ihr mit uns singen könntet, würde uns das sehr glücklich machen", lud er das Publikum zur Teilhabe an dem Ereignis ein - und dieses folgte ergriffen wie dereinst, obwohl es zu einem großen Teil aus einer neuen Generation aus Fans bestand. Immer wieder machte Rob deutlich, wie wichtig und einzigartig der Auftritt von 2016 für die Band gewesen sei und wie magisch die Stimmung damals gewesen war. Kurz gesagt war sie das dieses Mal denn auch wieder und als die Show dann punktgenau zum Curfew zu Ende ging, waren erneut alle Anwesenden sicher, Zeugen eines ganz besonderen (und magischen) OBS- Momentes gewesen zu sein.

Eigentlich ist es ja mittlerweile müßig, immer wieder zu betonen, dass das OBS das beste kleine Festival der Welt ist - aber dieses Jahr war Rembert Stiewe ein besonderes Kunststück gelungen: Indem nämlich wirklich keine der auftretenden Acts zueinander in Konkurrenz gestanden hatten und alle auf ihre Weise und auf ihrem Sektor vollkommen überzeugten, blieb das OBS 26 ohne herausragende, einzelne Highlights - sondern war vielmehr im Ganzen selbst ein einziges Highlight. Kurzum: Es gab dann tatsächlich mal alles für alle.

PS: Dass die Dichter-Lesungen von Dirk Gieselmann und Schreng Schreng & La La sowie der Walking Act Florry an dieser Stelle keine Erwähnung finden, hängt mit den beschränkten physikalischen Möglichkeit des Rezensenten zusammen - und soll keineswegs als Wertung verstanden werden.
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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