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Konzert-Bericht
 
Sci-Fi-Sounds samt Grinsekatze

Air

Wiesen, Festivalgelände Wiesen
19.07.2002
Eigentlich waren Air ja als Headliner vorgesehen gewesen, an diesem ersten Tag des Jazzfest Wiesen, welches Teil der größten Festivalreihe Österreichs ist, die Sommer für Sommer im burgenländischen Wiesen stattfindet. Weil aber Morcheeba-Sängerin Skye angeblich einen Anschlussflug verpasst hatte und die Veranstalter fanden, dass die österreichischen Elektroniker Sofa Surfers doch die besseren After-Hour-Musiker zum Ausklang des Jazzfest-Freitags seien, musste sich das französische Duo spontan mit dem dritten Platz zufrieden geben.
Die Verschiebung des Auftritts dürfte nicht nur unter den Musikern, sondern auch bei einigen Fans zu Unmut geführt haben. Zumindest bei denjenigen, die die zuvor aufgetretenen Sneaker Pimps, die österreichischen Alternative-Volksmusiker Attwenger und den gute Laune verbreitenden Jovanotti samt bühnenfüllender Crew außer Acht gelassen hatten. Dementsprechend waren ihnen auch die auf die Line-Up-Änderungen hinweisenden Zwischenansagen entgangen, weshalb es kein Wunder war, dass sich die ersten Reihen während der Umbaupause nach Jovanotti nur langsam und äußerst locker wieder füllten.

Als Air die Bühne betraten, hatten die meisten verirrten Schäfchen dann allerdings doch schon den Weg zurück vor die Bühne gefunden und verursachten erst mal einen Höllenlärm, der bald ruhiger Gelassenheit und aufmerksam-hypnotisiertem Zuhören und Zuschauen wich. Zu Sehen gab es während des Openers "Electronic Performers" ob der stroboskopartigen Lichtblitze allerdings noch wenig. Während der im Zentrum der Bühne platzierte Bassist Jason Falkner von Anfang an immer wieder - und nicht nur in Richtung der im Graben lauernden Fotografen - breit grinste und auch ab und an zu verhohlenen Rockstar-Posen ansetzte, wirkten Nicolas Godin, der sich meist am rechten Bühnenrand befand, und der hauptsächlich links werkende zierliche Jean-Benoit Dunckel, der beinahe hinter seinen Keyboards zu verschwinden drohte, im Verlauf des gesamten Konzerts äußerst ernst und kühl-distanziert. Bis auf ein paar seltene Momente des Lächelns verzogen die beiden keine Miene, was von Fans im Nachhinein (fälschlicherweise, wie sich herausstellen sollte) als Arroganz und Ausdruck des Ärgers über den vorgezogenen Auftritt ausgelegt wurde. Das von Falkner gesungene und von vereinzelten "Jason, Jason"-Sprechchören begleitete "Playground Love" lud zum ersten richtigen Mitsingen ein - eine unausgesprochene Aufforderung, der die Fans gerne folgten.

Ansagen gab es wenige, dafür versuchte es Nicolas Godin einmal scheinbar auch auf Deutsch - eine Vermutung, die sich auf den plötzlichen Begeisterungslärm der Zuschauer stützt, durch den die Worte aber leider untergingen. Einige wenige Male rückte auch J-B Dunckel ins Zentrum der Aufmerksamkeit, indem er mit seinem Kollegen den Platz an den Keyboards tauschte und - in rotes Spotlight getaucht - den Ton angeben durfte. Die meiste Zeit standen aber Godin, mal mit Gitarre, mal ohne, und der charismatische Falkner im Mittelpunkt. Die Lichtshow der Band fiel am Jazzfest Wiesen im Vergleich zu dem im Rahmen der Tour absolvierten Wien-Gig nur mäßig spektakulär aus und auch der Sound war nicht großartig besser als in der wegen ihrer schlechten Akustik oft kritisierten spark7.com-Halle. Umso positiver darf dafür das Verhalten des Festival-Publikums gewertet werden, das sich weitaus weniger schlafwandlerisch gab als in Wien. Natürlich durften auch in Wiesen schunkelnde Pärchen und fasziniert-verträumte, vor allem auf den mit dem Publikum Kontakt suchenden Bassisten gerichtete, glitzernde Mädchenaugenpaare in den ersten Reihen nicht fehlen. Andererseits gab es aber auch genug Begeisterte, die es vorzogen, mittels mehr oder weniger ekstatischem Schwenken der Arme und an Ausdruckstanz erinnernden Schlangenbewegungen wild mitzufeiern. Den Höhepunkt erreichte das Konzert eindeutig während des Zugabenblocks, in dem "Sexy Boy" und "Kelly Watch The Stars" untergebracht waren, die den Massen Gelegenheit boten, ihre Textsicherheit lautstark unter Beweis zu stellen.

Eine für Beobachter amüsante Begebenheit ergab sich etwa eine halbe Stunde nach dem Konzert, als Jean-Benoit Dunckel unbekümmert aus dem Backstage-Bereich heraus, durch die außerhalb des Konzert-Areals herumlungernden Festivalbesucher hindurch, in Richtung Band-Bus spazieren wollte. Einige wenige Fans hatten schon ungeduldig darauf gewartet, ein Mitglied der Gruppe abpassen und um Autogramme bitten zu können und ergriffen - nach wenigen Sekunden der Unsicherheit, ob es sich bei ihm nun wirklich um einen der "Air-Typen" handele - die Gelegenheit, ihn anzusprechen. Dunckel ließ sich also in ein Gespräch aus einem wilden deutsch-englisch-französischen Kauderwelsch verwickeln, in dessen Verlauf ihn die bereits leicht alkoholisierten Teenager mit albernen und doch zum Lachen komischen Fragen wie "Do you like the Spice Girls? I really like them, do you also like them?", "Beck? Wer.. äh.. who is Beck? Ahh, is he the 'Loser'?!" oder "You seem so 'androgyn'. Do you know what 'androgyn' means? It means you're not a woman and not a man but something in the middle.. äh.. Are you GAY???" konfrontierten, die er geduldig über sich ergehen ließ und auch brav beantwortete. Den Vorwurf, dass er und Godin im Gegensatz zu Falkner so ernst und kühl dreingeschaut und dadurch auf manche Leute arrogant gewirkt hätten, entschuldigte er damit, dass ihre Konzentration während des Spielens meist auf die Instrumente gerichtet sei, sie sich aber sehr wohl auch die einzelnen Menschen in den vorderen Reihen genau ansehen würden. Jason Falkner, der sich später auch noch einfand, quittierte dieselbe Fragen - wie könnte es anders sein - mit einem breiten Grinsen und meinte, dass er gar nichts dafür könne und dass sich das Grinsen stets von selber einstelle. Für die nächste Zeit ist's damit für ihn aber vorerst vorbei: Der Auftritt am Jazzfest Wiesen war für den Kalifornier der letzte als Tour-Musiker von Air. Das nächste Mal wird er - nach Veröffentlichung seines dritten Albums - hoffentlich schon mit seiner eigenen Band zu sehen sein. Dunckel und Godin haben derweil andere Pläne: Für Herbst/Winter ist die Arbeit an einem Song vorgesehen, der frischen französischen Wind in Madonnas nächstes Album bringen soll...
Text: -Kerstin Kollmann-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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