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Konzert-Bericht
 
Hamburg-Berlin 1:0

Hamburg Calling Tour

Berlin, Zentral
07.02.2003
Spillsbury
Zugegeben: Motto-Touren sind nichts Neues und nicht selten eine traurige Angelegenheit. Zusammengeschusterte Bands, die nicht mehr gemeinsam haben als die Plattenfirma. Doch im Falle der Hamburg Calling-Tour sollte man getrost ein Auge zudrücken. Erstens passen die Bands perfekt zusammen und außerdem bewegt man sich mit der Veranstaltung auf historischen Pfaden. Schließlich bereisten unter diesem Motto mal Blumfeld, Die Sterne und die seinerzeit noch reichlich unbekannten Tocotronic die Bühnen des Landes. Und der Erfolg sprach für sich. Den Anfang machten an diesem Abend im Zentral Tenfold Loadstar.
Hervorgegangen aus der Braunschweiger Formation Bata Express zeigte die mittlerweile in Hamburg wohnende und um Sängerin Caro Garske verstärkte Truppe melancholische Rocksongs mit Countryeinschlag. Angenehm im Midtempobereich angesiedelte Stücke bereiteten die Zuhörer schonend auf die hektischeren Töne von Concord und Spillsbury vor. Dass auch Tenfold Loadstar nach vorne losrocken können, bewiesen sie mit dem letzten Stück namens "Berlin". Fein! Nach kurzer Umbaupause betrat dann eine Band die Bühne, die für nicht wenige Freunde deutscher Indiemusik immer etwas seltsam Geheimes war: Concord! Ähnlich wie bei Sport gab es Samplerbeiträge und wenn man irrsinniges Glück hatte, kam man an irgendeine Demoaufnahme. Concord ist mehr oder weniger Julia Lubcke und wer denkt da nicht an die fabelhaften 5 Freunde. Nach diversen Umbesetzungen und der in Eigenregie veröffentlichten Maxi "Cat Explosion" scheint es jetzt mit Concord jedenfalls endlich voran zu gehen. Von der großartigen Form der Band durfte man sich an diesem Abend überzeugen. Laut, krachig und treibend sind die neuen Songs von Julia Lubcke und Co. Die Texte springen zwischen Deutsch und Englisch, die Musik punkig und weniger elektronisch als erwartet. Wer gehofft hatte, alte Minihits wie "Ich fürchte fast es ist mir egal" zu hören, war vielleicht ein wenig enttäuscht. Der wurde nämlich auch in der Zugabe, trotz des mehrfachen Wunsches des Publikums, nicht gespielt. Machte aber nix, denn die neuen Stücke sind weitaus spannender und mindestens vom Kaliber des auf "Cat Explosion" enthaltenen Post-NDW-Dancefloorkrachers "Rockits". Da könnten sich Mia. und Konsorten in Sachen Elektro-Punk 'ne dicke Scheibe abschneiden.
Höhepunkt des Abends waren dann letzlich Spillsbury. Es dürfte wohl in Deutschland derzeit keinen Act geben, wo man so gespannt auf das Debüt sein darf. Die selbstbetitelte EP gab schonmal einen Vorgeschmack, aber live sind Zoe Meißner und Tobias Asche alias Spillsbury kaum zu stoppen. Zoe springt und schreit, und jeder Song zündet, auch wenn man ihn vorher noch nie gehört hat! Ein Phänomen. Spillsburys Texte, von Zoe mehr geschrien denn gesungen, handeln vom Wegwollen und sich verweigern. Spillsbury sind wütend und hauen diese Energie dem Publikum um die Ohren. Und haben es vom ersten Takt im Griff. Der Saal kocht und als dann nach knapp einer Stunde ohne Luftholen Schluss ist, kennt die Begeisterung kaum Grenzen und Zugabe-Rufe werden laut. "Wir haben nicht mehr Songs", bekennt Tobias und sie wiederholen sich nicht gerne. Trotzdem folgen natürlich noch einige bereits gespielte Kracher. Zoe und Tobias haben sichtlich Spaß und das Publikum wird diesen Gig sicher so schnell nicht vergessen. Mit solchen Bands braucht sich Hamburg nicht zu verstecken. Und auch wenn die sicherlich großartige neue Platte unserer Berliner Lieblinge Virginia Jetzt! "Tschüss Hamburg" heißen wird, an diesem Abend hieß es eindeutig: Hamburg-Berlin 1:0.
Surfempfehlung:
www.spillsbury.de
www.concord-pop.de
www.tenfold-loadstar.de
Text: -Carsten Wilhelm-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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