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Konzert-Bericht
 
Pop, Pop, Popmusic!

Console
Turner

Essen, KKC
13.02.2003
Auf dem genialen Tourplakat steht Martin Gretschmann alleine und verlassen, mit der machomäßigsten aller Gitarren, der Flying-V, als einzigem Freund (allerdings hier natürlich als Flying-V Computer Guitar). Auf der Bühne ist Console bekanntlich inzwischen eine Band, und so war es nicht verwunderlich, dass der Sound des Quintetts an diesem Abend in Essen des Öfteren The Notwist und weniger den Aphex Twin ins Gedächtnis rief. Dabei ist der Weilheimer natürlich auch weiterhin als Elektronik-Frickler über jeden Zweifel erhaben. Den Anfang im KKC machte jedoch Turner, und der turnte dann auch in gewohnter Manier vor der Leinwand mit seinem Alter Ego herum und schien das Publikum mit seinem Electro-Indie-Rock - der teils gewagten, teils äußerst gelungenen Mischung aus elektronischem Knacken und Knistern sowie konventionellen Songs und Stories - ziemlich gut zu unterhalten, denn zumindest reichte es für ein Zugabe.
Doch so gut Turner auch gewesen sein mag, sein Auftritt unterstrich auch, dass Console derzeit in einer eigenen Liga spielen. Auch wenn sich Gretschmann inzwischen nicht mehr nur auf sein Powerbook verlässt und sich mit seinen Mitstreitern Christoph Brandner (Schlagzeug), Axel Fischer (Gitarren & Keys), Michael Schwaiger (Bass) und der unglaublich guten neuen Sängerin Miriam Osterrieder zwischen ähnlichen Koordinaten bewegt wie Turner, gab es zwischen den beiden Acts doch einen Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Mit schlafwandlerischer Sicherheit balancierten Gretschmann und die Seinen auf dem schmalen Grat zwischen programmierter Perfektion und menschlicher Unzulänglichkeit und machten dabei einfach alles, aber auch wirklich alles, richtig. Wie schon beim Album "Reset The Preset" heißt es nun auch auf der Bühne: Elektronik-Gefrickel war gestern, jetzt spielen Console die Popmusik der Zukunft. Die Single "Suck And Run" kommt genauso gut an wie "Dirt On A Wire". Überhaupt zeigt sich schon bei den Songtiteln die Großartigkeit der Weilheimer. Während die meisten Bands all ihre Kreativität für die Musik verballern müssen, um nicht hoffnungslos hinterherzuhinken, liefern Console nicht nur ein tolles Album ab, sondern haben sogar noch die Muße, mit ihren Songtiteln 40 Jahre Rock N Roll-Historie - sei es als Parodie oder Hommage - durch den Wolf zu drehen.
Und das Allerbeste: Anders als viele andere Elektronik-Acts, die stets für ihre musikalische Weitsicht gelobt werden, fabrizieren Console bekanntlich nicht nur große Kunst, sie können auch mit echten Hits aufwarten: "14 Zero Zero" zum Beispiel, das im KKC bei der versammelten Meute für strahlende Gesichter und nachher für den größten Beifallssturm des Abends sorgte, oder die für die Zugaben aufgesparte Coverversion/Remixfassung von Tocotronics "Freiburg". Und der letzte Beweis, dass Console inzwischen - ohne dabei inhaltliche Abstriche zu machen - von der Kult- zur Konsensband geworden sind, war die Zuschauerzahl: Rund 600 Leute wollten Gretsche und Co. sehen, kaum weniger als bei den letzten Auftritten von Bands wie Sportfreunde Stiller oder Tocotronic im Ruhrpott. Willkommen in der Zukunft!
Surfempfehlung:
www.console.li
Text: -Casio Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-

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